EBM, Industrial (Metal)

 

RAUNCHY veröffentlichten »Velvet Noise« schon 2001. Nun steht ein Re-Release an. Dazu gibt es vier Bonustracks, darunter einen Titel in dänisch und das WHAM-Cover "Last Christmas". Ein weiteres Cover ist der FAITH NO MORE-Titel "From out of Nowhere". Oder war es schon als Smasher zu bezeichnen? Vom eigenen RAUNCHY-Material kann man diesbezüglich ja nicht in solcher Art reden. Und so entzieht sich mir auch das Verständnis für eine Neuveröffentlichung. Richtig Industrial finde ich »Velvet Noise Extended« nicht. ein bißchen morbider Klang, ein bischen harte Metal-Gitarre und ein bißchen Alternative im Gesang machen noch lange nicht ein Industrial-Album.

Otger

 

Mit Industrial bin ich noch nie warm geworden. Auch mit SKINNY PUPPY und "Mythmaker" komme ich nicht richtig klar. Prinzipiell ist zu loben, wie leichtfüßig sich SKINNY PUPPY in allen Stilmetiers von Ambient über Industrial bis Rock, Gothic, Trip Hop und Electro bedienen. In Metallerkreisen genießen die Burschen auch einen nicht zu verachtenden guten Ruf, mir allerdings ist das hier eine gute Spur zu unmetallisch und atmet einfach zu wenig Rock'n'Roll-Geruch. Wie auch ohne Gitarren bei reinen Synthesizerklängen?! Klar, "Mythmaker" hat eine morbide, kalte und bittere Atmosphäre, klingt alles andere als billig oder unüberlegt, dennoch ist das nicht die Musik, die ich für gewöhnlich aufzulegen pflege und daran wird sich auch nichts ändern. SKINNY PUPPY sind etwas sehr spezielles und sicherlich für die Electro / Industrial / Gothic-Szene unglaublich wichtig bis wegweisend, aber ich muss ja nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Mit normalen, einem Metal-Schreiber genügenden Maßstäben sind SKINNY PUPPY nicht zu bewerten und ich möchte mir keineswegs anmaßen, in Sachen Industrial oder Electro auch nur halbwegs Ahnung zu haben. Ansonsten sollten einfach die, die wissen worum es geht, zur Kenntnis nehmen, dass eben ein neues Album der Truppe erschienen ist. Die Klangfarben und Soundfacetten der Scheibe sind so unglaublich breit gefächert und ein so abwechslungsreiches Bad aus für mich unbekannten Gefühlen, da kann und will ich so etwas nicht jeden Tag auf meinem Plattenteller haben.

Der gute alte Norman (manche kennen ihn noch als "Besen" von Cudgel) hat schon vor dem Aussand seines neuen Releases von SNUFFGRINDER unheilvoll angekündigt, ich könne "Snuffholic" bei Nichtgefallen ruhig entsorgenÉ Unter Apathic View Productions hat er ja nun schone einige höchst suspekte und eigenwillige Releases auf die unbedarfte Menschheit losgelassen, mit SNUFFGRINDER überspannt er den Bogen wie gewohnt ein weiteres Mal. Ein komplettes Konzeptalbum über Schnupftabak (!??!) zu machen finde ich ja noch halbwegs witzig, das Ganze jedoch musikalisch so umzusetzen, dass ein Einmann-Computerprojekt brutalste, abgehackte und kakofonische Synthiebeats dazu hämmert, ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Kaum Songstrukturen, apokalyptischer Industrial Noisegrind in seiner schmerzvollsten Form ohne Berührungsängste zu Techno und Breakbeat und GrindcoreÉ Wer hält so etwas aus und kauft das?! Eigentlich ist das Trash in Reinkultur und grenzt schon an eine Frechheit, solch einen Krach tatsächlich als Album zu verkaufen, andererseits kann ich mir aber ein erhebliches Dauergrinsen nicht aus dem Gesicht schneiden, was zum einen am total obskuren aber höchst genialen Coverartwork insgesamt liegt und zum anderen, weil sich mehrere der Tracks herrlich anböten, ebendiese als krankes Intro für ein Konzert ablaufen zu lassen. Objektiv ist eine solche Scheibe ohne Gitarren, Schlagzeug oder Bass nur schwer mit den in diesem Magazin gängigen Kategorien bewertbar, weshalb ich das auch sein lasse und rein subjektiv immerhin attestieren möchte, dass schon einiges an völlig kaputtem Wahnsinn dazu gehören muss, einerseits einen solchen Krach zu produzieren und ihn andererseits auch noch zu veröffentlichen und zu verkaufen. Ich kann mir gut vorstellen, dass mancher Extrem-Computersound-Grinder das hier total kultig findet. Für mich isses nix.

Zusammenstellung: Dirk