Das Intro "Left in Ashes" ist militärisch gehalten, mit "Nachrichten"-Einblendungen. Es geht über in den eigentlichen Opener "Military Song". Das wirkt recht tricky und ist sicherlich super ausgesucht. Damit hat es sich aber auch schon. Musikalisch zocken die Münchner FESTERING SALIVA Death Grind. Und der zeigt wie der Großteil der anderen Bands dieses Kalibers die gleichen Schwächen. »Realm of the Forgotten« hat durchaus gute Ideen und groovt teilweise tierisch ab. Doch ständige Wechsel in Blast-Parts oder Groovecore zermatschen alles. Kaum zuckt man hoch, weil man denkt, "boah, wie geil", wird schon wieder alles zerstückelt. Und so stellt die CD mehr oder weniger eine weitere Hintergrundgeräuschkulisse dar. Durchschnitt.
Da sind GOREGAST um einiges besser. »La revancha« ist natürlich auch nur das Übliche Gezerre, doch wesentlich mehr auf den Punkt gebracht und straffer organisiert. Die Lärmkulisse hat nämlich genau den richtigen Groove, der den Hörer fesselt. Dazu ist noch eine wütende, kranke Zweitstimme, die dem ganzen einen "funny" Charme verleiht. Obskur mutet der Name der Band an, eine Abwandlung des Dorfes Gorgast im Oderbruch. Aus letzterem kommen wohl Teile der Band. Nun ja, Grind war schon immer spaßig, ob die Dorfbewohner diesen Spaß verstehen? Mir letztlich egal, ich drücke erstmal auf "Repeat".
MOKER debütierten auf der Split mit OUTCAST. Nun erscheint die erste volle eigene CD. »Translation the Pain« bewegt sich nachhaltig vom Metalcore-Sound mehr in Richtung only Death Metal. Sicherlich eine klare Aussage, die ich auch zu schätzen weiß. Musikalisch gesehen ist der Silberling allerdings keine Muß-Angelegenheit. Es klingt einfach beliebig austauschbar mit x-Death-Bands. Zwar hört sich wie üblich alles ganz nett an und man kann das Zeug auch problemlos einige Male hören, doch das war's eben auch schon. MOKER mischen viel schleppenden Sound mit Blast-Gehacke. Zusätzlich tauchen auch immer mal wieder ziemlich melodische verspielte Parts auf, die auflockern. Allerdings schwankt hier die Qualität der Songs doch recht gewaltig. Das Bemühen ist jedenfalls zu merken, aus den Songs was interessantes schaffen zu wollen. Dabei hängt man aber in den gegebenen Klischees fest, dem Wechsel zwischen langsam und schnell, zwischen simplem Gehacke und Melodieansätzen. Eingängig ist dies nur dadurch, daß einem alles bekannt vorkommt.
Auch WELKIN scheinen zumindest mit dem Metalcore zu liebäugeln, auch wenn es ohne Bandbildchen betrachtet doch ziemlich reinrassig deathig klingt. Nun ja, Jungspunde und was sie meinen, was sein muß... »The Origin« ist jedoch ebenfalls nicht sonderlich erwähnenswert. Auch hier übliche Death Metal-Durchschnittskost, die mit keinem Ansatz auch nur halbwegs hängen bleibt. Deutlich ist ein Bestreben nach groovenden Midtempoparts spürbar. Das lullert schön ein, reißt einen dann aber ab und wann hoch, wenn die Bolzerei einsetzt. Gähn, jaja, kennen wir.
PANZERCHRIST turnen schon seit Anfang der 90er durch die Szenerie. Sie standen immer als Garant für brutalen Death Metal. Da sie vor einiger Zeit ihr Label verließen und die sich von der Labelarbeit in die Vertriebsarbeit stürzten, erschien dies auch sinnvoll. Aber alte Liebe rostet nicht und so wurde jüngst das Label mit einer Re-Veröffentlichung reaktiviert. »Hello: Room Service & Soul Collector + Bonus« liefert genau das, was der Titel aussagt. Nämlich die beiden Alben »Room Service« von 2003 und »Soul Collector« von 2001. Dazu gibt es zwei bisher unveröffentlichte Songs als Bonus sowie im Booklet den Abdruck der Lyrics von »Room Service«, die es auch noch nicht in gedruckter Version gab. Dabei ist das Booklet in edlem Golddruck gefertigt.
2003 in Odense gegründet, war das Ziel von Rülpser Morten und Jungs, brutalen Death Metal zu zocken. Zwei von fünf haben vorher schon bei EXMORTEM gespielt, einem alten dänischen Death-Urgestein. Rein theoretisch müßte also auf »From Hate incarnated« was Ordentliches zu hören sein. Wer aufmerksam war, wird sich an seinen fünf Finger aber schon abgezählt haben, daß es dies nicht gibt. Mit der Ultra-Brutalo-Welle können SPECTRAL MORTUARY nämlich überhaupt nicht mithalten. Es klingt wie durchschnittlicher 08/15-Death. Viele schleppende Passagen ohne Spannung und eingestreute Breaks, mal in Richtung thrashiger mal in Richtung Blast. Das war's. Nicht sonderlich interessant, hörenswert oder gar mitreißend.
Gleiches gilt prinzipiell für COMPOS MENTIS. »Gehennesis« spielt im Melo-Bereich, nervt mich aber durch den hardcore-kreischigen Gesang. Zwar geht die Melo-Schiene wesentlich besser runter, auch wenn die Songs an sich eher belanglos wirken, doch der Gesang... Kann ich mir echt auf Dauer nicht anhören. Lyrisch will die Band zumindest etwas bieten und hat ein Konzept entwickelt, welches sich im Wortspiel des Titels entfaltet. Wenn man sich musikalisch ebenso kreativ gezeigt hätte. Aber da setzt man auf die übliche, altbewährte Melo-Masche. Klingt dann unter'm Strich recht nett, doch wirklich hängen bleibt nichts.
Italienischer Death Metal ballert mit »Decorations of Pantheon« rein. Im Prinzip nicht sonderlich aufregend, ziemlich langweiliges 08/15-Geplänkel. Die ein oder andere obskure Idee haben die Jungs um den singenden Gitarristen Fabio aber drauf. Da sollte man anknüpfen. Kranke Ideen ausbauen und sich vom Einheitsgebräu absetzen. Das derbe Blastgeballer mit Gurgel-Geröchel haben schon Millionen anderer Zombies verbockt. In dieser Form muß man sich PERFFIDY BIBLICAL jedenfalls nicht merken. Außer daß der Name eh kaum zu merken ist und entzifferbar sowieso nicht.
Wenigstens den Namen kann man bei SUHRIM ohne Probleme entziffern. Aber die fröhliche Stunde, die die CD offeriert, gibt's nicht - oder meinten sie "Billigstunde"? Der Sound ist wesentlich besser, die Musik aber nicht sonderlich effizienter. Blast- und Midtempo-Parts wechseln sich ab und lassen ebenfalls Erinnerungen an millionen anderer CDs aufkommen. »Happy Hour« hat wenigstens ein witziges Cover, wenn man die Pathologieszene mit dem CD-Titel kombiniert. Ansonsten schwirrt die CD halt so vorbei. Wer will, schunkelt mit, wer nicht, der eben nicht. Die metallische Kaufhausberieselung. Tut dem Undergroundler nicht weh, ist angewöhnt und man kennt alles.
Marginal besser sind HACAVITZ. Die Mexikaner zocken einen schwarz angehauchten Death Metal, der sich um Abwechslung bemüht. Natürlich bedeutet dies, daß die einzelnen Teile auch ziemlich zusammengeklatscht wirken. Der etwas majestätisch schleppende Grundton der musikalischen Darbietung gefällt mir jedoch und rettet die Situation. »Katun« sollte man sich deswegen schon mal zum Probehören vormerken.
Mindestens zwei Stufen geht's dann mit THE SEVENTH runter. Nett, mehr aber nicht. Irgendwie rein und raus. Ballert, schleppt... »Cursed Earth Wasteland« gibt kein Aha-Erlebnis. Das beste ist der völlig überzogene Ratteranfang. Kompromißlos wird der Hörer hier überrannt. Hält man aber nicht durch. Kurze Zeit später setzt man auf Abwechslung, stümpt Parts zusammen und versucht irgendwie, fricklig zu sein. Da kommt leider Null Idee rüber, nix bleibt hängen, unterm Strich eben nett.
Genauso uninteressant sind NEVERLIGHT HORIZON mit ihrer CD »No Heaven ... only Torment«. Irgendwo ganz okay aber mehr als Hintergrundbemalung ist es eben wiedermal nicht. Der übliche Mischmasch aus schneller und langsam und zusammengestückelten Parts. Hört man genauer hin und widmet sich nicht etwas anderem, langweilt es nur ab.
Semiwitzig sind da GORE. Die Mini-CD hat die richtige Länge, um nicht zu nerven und der Grindsound schlägt einigermaßen rein. Natürlich die typischen Ingredenzien wie zwei verschiedene Shoutorgane und funny Rythmus. Dazu völlig obskure Songtitel. Reicht!
DRAWN AND QUARTERED wimpen aus! Oder hat man sich einfach über die Jahre an den sinnlosen Krach gewöhnt? »Merciless Hammer« knüpft eigentlich da an, wo die Vorgänger aufhörten. Die volle Attacke brutaler Gewalt. Und doch hat man den Eindruck, die Amis legen nunmehr mehr Wert darauf, zu zeigen, daß sie nicht nur stumpf herumprügeln können. Es kommt in der Umsetzung einfach besser, was eventuell auch einfach daran liegen kann, daß die Vorgänger produktionstechnisch unter aller Sau waren. Wer weiß? Jedenfalls hat die neue Scheibe im Vergleich zu früher fast schon einen kommerziellen Touch. Ah, ich weiß, daß schreckt jetzt die Die Hard-Gemeinde alter Tage ab und wird der Band den Todesstoß geben... Nee, nicht wirklich!
Die Hälfte von VITAL REMAINS (den Gründern) spielen jetzt als GODLESS RISING. »Battle Lords« ist deshalb absolut heftiger Death Metal, der von einem entsprechend netten Cover begleitet wird. Die alten Herren begnügen sich jedoch nicht mit ultra brutalstem Highspeed Death, kombinieren geschickt old-school Death mit den Auswüchsen der letzten Jahre. Macht die CD dadurch gleich einen Schlag interessanter. Hört Euch nur den Titelsong an! In dieser Form kann ihnen so schnell kein Jungspund was vormachen.
Die Esten GORESOERD sind recht okay. Der Name sagt ja schon alles. Dazu der Titel »Goremarket Mid-Prices« und man weiß, was los ist: Kranker Humor und Grind. Wobei Grind halt so'ne Sache ist. Wo fängt Grind an und wo hört Death auf? GORESOERD will zudem noch 'ne deftige Prise Crust eingefangen haben. Letztlich auch egal, denn die CD ist ziemlich gut. Macht Spaß und variiert über die 17 Tracks recht gut, so daß es nicht langweilig wird. Dabei bleibt immer ein gewisser Drive erhalten, der dafür sorgt, daß man mit muß. Coole Sache!
Einige Sachen ghehen einem irgendwie immer vorbei. Manchmal klappt es dann doch noch. So der Fall bei JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE. Kannte ich bisher nur vom Hörensagen. Mit »Rauchen und Yoga« liegt mir nun erstmals Tonträgermaterail vor. Hmm, was soll ich sagen? Die Jungs sind schon irgendwie krass. Aber nicht so, wie man es sich eigentlich vorstellte. Dazu ist die CD dann doch zu normal. Selbst bringt man den Term Popgrind ein. Was eventuell bedingt stimmt. Und damit dann schon die Grundrichtung aufzeigen will. Von Pop ist man aber weit entfernt, man versucht irgendwie ein wenig eingängig zu sein, sperrt aber gleichzeitig die Mucke gegen zuviel Eingängigkeit. Oder besser gesagt, bleibt in Grind 'n Death-Klischees hängen. Unterm Strich okay, aber nicht annähernd witzig.
Zweite CD vom letztjährigen Überraschungs-Skandi-Pack AVATAR. »Schlacht« hört sich ziemlich deutsch an und hierzulande kann sich jeder was drunter vorstellen. Nur was? Ganz klar, bei Melo Death sind es eher die Schlachtgesänge, die der geneigte Hörer bei der CD anstimmen möchte. Nun gibt es dieserart Bands wie Sand am Meer, dennoch versuchen AVATAR (ich sach jetzt nichts zum Namen) dem ganzen eine durchaus neue Seite abzugewinnen. Nicht schlecht und teilweise auch recht interessant. Der große Bums fehlt in meinen Ohren trotzdem und warum hat man dann angeblich letztens im Vorprogramm von IN FLAMES so abgeräumt? Vielleicht sind sie ja live noch wesentlich stärker und die Vorzeige-Melodeather ein Haufen lahmer, alter Säcke...
CRYPTIC VOICE bemühen sich ebenfalls um ein wenig Abwechslung in ihrem Death Metal. Sagen sie jedenfalls, daß sie immer Ideen offen sind. Dennoch hört sich »Access denied« eher normal an. Alles nicht schlecht, was man mit der CD vorlegt. Wird mal melodischer, mal brachialer. Einen unbedingt festen Rahmen hat man nicht. Leider kann das Songmaterial im letzten Drittel aber nicht mitreißen. Wie gesagt, okay, aber mehr eben auch nicht. Wie so oft fehlen mir einfach ein paar zwingende Momente. Letztlich haben Millionen von Bands den Teich fast ausgeschöpft und CRYPTIC VOICE finden eben keinen neuen.
Im ersten Augenblick zuckte ich ungläubig und stürzte mich dann auf die CD wie ein Verhungernder. Aber wie das eben so ist, manchmal steht was auf der CD was nicht im Entferntesten drinne steckt. SATAN'S HOST und deren neue CD »Burning the Born again« ist eine Mogelpackung. Auf der Hülle prangt stolz der alte, glorreiche Schriftzug und enthalten ist 08/15 Death Metal mit Brutalo-Attitude. Aha, wahrscheinlich hat die Band in den 80ern das Genre erfunden und nur wegen der legendär schlechten Produktion hat es niemand mitbekommen, oder? Sehr viel wahrscheinlicher ist, daß hier mal wieder ein alter Name von einem alten Ex-Sack ausgequetscht wird, der sonst seinen belanglosen Müll nie und nimmer an den Mann oder die Frau geschweige denn ein Label bringen könnte. Ich habe ja nichts dagegen, wenn jemand weiterhin Mucke machen will und die sich dann auch mehr als merklich von seinen früheren Taten unterscheidet, aber dann soll man den alten Namen auch ruhen lassen, denn es ist ja nicht einmal eine langsame und kontinuierliche Entwicklung, wenn die Band mehr als 10 Jahre tod war. Sollen alte Fans verarscht werden? Sollen alte Fans abgezockt werden? Ich kenne kaum jemanden von den Fans, die das legendäre Album geil finden, die sich nur im entferntesten mit solcher Musik, wie sie heutzutage enthalten ist, auch nur ansatzweise auseinandersetzen wollen. Und für die heutigen Death Metal-Kiddies ist der alte Name eh unrelevant, da sich kaum 'ne Sau ernsthaft für metallische Geschichte interessiert, die über den Horizont von seinen 3 Lieblingsbands hinausgeht. Ergo, Thema verfehlt, setzen! Und an das Label, bringt lieber das 2. nie veröffentlichte Album heraus...
Durch unsere Schlafmützigkeit dies Jahr, steht schon die zweite GODLESS RISING an. Leider ist »Rising hatred« vielleicht doch ein wenig zu zügig nach dem Debüt rausgehämmert worden. Nett, ja. Mehr aber auch nicht. irgendwie fehlt das zwingende Element auf der CD, die recht unspektakulär runterplätschert. Kann man sich zwar immer noch recht gut anhören, doch leider bleibt keine Erinnerung an die CD hängen. Old School ist auch weiterhin die Stoßrichtung, vielleicht noch konsequenter als auf dem Erstling.
IMPENDING DOOM? Auf Facedown Records? CD genauer betrachten und feststellen, daß die Leute ein wenig merkwürdig aussehen. Und die Namen lesen sich auch merkwürdig, ergo hat sich hier jemand einen belegten Namen angeeignet. Kann ich ja im Allgemeinen gar nicht ab. Also wieder einmal Abzüge in der B-Note! Nur inhaltlich bietet »Nailed. Dead. Risen« auch nichts, was man unbedingt haben muß. Geklauter Name, geklaute Mucke. More to say? Sinnloses Geschrote mit Röchelgesang ist nicht sonderlich originell und nach Millionen von gleichgklingenden Bands auch völlig überflüssig. Aber hey, ich gönnen ihnen ihren Spaß, nur ich habe damit keinen! Wer auf Brutal-US-Death steht und noch nicht genug davon im CD-Rack zu stehen hat...
Zusammenstellung: Otger Jeske
Mit NERLICH tue ich mich ehrlich schwerlich. Die Jungens rattern wie blöde und doch findets der Schreiber mehr öde. Bevor der Reim hier noch den letzten Leser gar vergrault, ich der blöde Schreiber bins, der auch noch mault. Stopp jetzt mit diesem Unfug: Trefflicherweise via Old School Metal Records releast, hämmern die finnischen Old School Death Metaller NERLICH auf "Defabricated process" frühen Neunziger Jahre US-Todesmörtel, wie wir ihn schon lange kennen, früher liebten und vielleicht immer noch mögen. Auch das Cover sieht charmanterweise eher aus wie aus ganz alten Tagen (An die Herren Jungspunde unter euch: Früher wurde so etwas wie auch bei NERLICH noch gemalt und nicht mit Photoshop konstruiert!), so dass sich der eher modern geprägte, auf audiophile Hochgenüsse fokussierte Metaller von heute wahrscheinlich mit dieser Scheibe doppelt schwer tun wird. Technisch sind die drei Herren plus Dame alles andere als schlecht und wildern in frühen Florida Death-Gewässern und zeigen immer wieder den ein oder anderen Bezug zu alten SUFFOCATION auf, was auf der Habenseite sehr positiv zum Tragen kommt. Andererseits verbraten die Nordlichter sehr wenig eigene, neue Ideen und zitieren eher Altbekanntes zum wiederholten Male, anstatt hier eine echte Old School-Überraschung hinzulegen, wie jüngst in Form von DEATH BREATH oder EVOCATION geschehen. Die Blastspeed Parts machen teilweise richtig Spass und die böllernde Doublebass macht immerhin genügend Dampf, um mal richtig den Staub aus den Boxen zu blasen. Der Gitarrensound klingt recht trocken und könnte in Verbindung mit dem Bass doch noch weitaus brutaler kommen, schade. Der Gesang von NERLICH ist leider sehr stark in den Hintergrund gemischt worden, so dass er tatsächlich kaum auffällt bzw. nur zum bloßen Rhythmusinstrument verkommt. Ich sehe einige positive Ansätze, finde auch die Idee charmant, mal wieder ganz alten US Death Metal zu zelebrieren, ob das allerdings als Kaufargument ausreicht, müsst ihr selbst entscheiden. Dennoch wenigstens ein Daumen nach oben.
Die belgischen LENG TCH´E haben, soweit das im Grindcore überhaupt möglich ist, eine echte Bilderbuchkarriere hingelegt und kaum eine ernsthafte Grindcore-Sammlung kommt heute noch ohne die kultigen Belgier aus. "Marasmus" bietet 17 neue Grindabrissbirnen, die zudem noch genügend Brutal Death Metal-Spirit atmen, so dass hier keineswegs nur von einem neuen Schubladenwerk die Rede sein sollte. Auffällig ist die zum Teil sehr vertrackte, rhythmisch anspruchsvolle Gangart, die die Songs nicht gleich beim ersten Durchlauf schlüssig klingen lässt. Also durchaus Futter fürs Hirn sowie Notenzähler und Taktfetischisten, die sich hier die Ohren blutig zählen dürften. Technisch können die Belgier einiges und halten da ohne Probleme in der ROTTEN SOUND-Liga mit, obwohl deren unschlagbare, brachiale Soundwandqualität nicht ganz erreicht wird. Dennoch: Die Drums und vor allem die Becken klingen messerscharf, die Bässe haben richtig guten Druck und die Gitarren wurden sicherlich mit dem Schwerlastkran bedient, wirklich massiv. Der Gesang klingt schön gequält und extrem brutal - Bitterböse Grunts und Growls geben sich mit markerschütterndem Gebrüll und Geschrei die Klinke in die Hand, so dass auch sicher bei euch die ein oder andere Synapse beim Hören durchknallen wird. Einziger Nachteil in meinen Augen ist, dass die Songs für sich genommen zu wenig Wiedererkennungswert besitzen und ich aufgrund der massiven Riffverschwendung auch nach mehrmaligem Hören die Songs nicht unterscheiden kann. Mit der Zeit stellt sich ein klein wenig Langeweile ein, so dass mir ehrlich gesagt eine EP oder Mini CD genügt hätte. Für Neueinsteiger, die bisher nur ROTTEN SOUND, MISERY INDEX oder PHOBIA kennen, sicherlich dennoch einen Check wert.
Witzig. Beim Hören einer Scheibe hatte ich noch nie das Gefühl, dass die Boxen plötzlich einen Meter weiter auseinander stehen. DYING FETUS haben auf "War of attrition" einen merkwürdigen, bassarmen Sound, der unheimlich in die Breite geht, dadurch aber umso tödlicher wirkt. Der Gitarrensound ist absolut fantastisch und ich würde den Amis doch zu gerne mal auf die Regler und die Amps schauen. Hört euch mal "Insidious repression" an, so muss eine verdammte Death Metal-Gitarre klingen! DYING FETUS haben ihre alten Trademarks beibehalten und frickeln unglaublich schnelle Licks und Soli in ihre massiven Blast Speed Death Metal-Geschosse ein, die von hohem technischem Können zeugen. Die Drums böllern mal songdienlich groovend, meist jedoch in völlig kranken Speedsphären, die den Großteil der Drummergemeinde wahrlich alt aussehen lässt. Wie spielt man so eine Doublebass mit nur zwei Füßen?! Da können bestenfalls noch KATAKLYSM und SKINLESS gegen anstinkenÉ DYING FETUS sind und bleiben eine echte Death Metal-Macht und eigentlich ist es vermessen, bei der langen, erfolgreichen Geschichte der Band noch Querverweise zu anderen Genrevertretern aufzustellen; nicht umsonst sind die Amis mit DIE Zugpferde im gesamten Brutal Death Metal-Bereich, der, wie wir alle wissen, seit Jahren fest in der Hand der USA ist und es wohl ewig bleiben wird. Da macht den Amis im allgemeinen niemand etwas vor. Kurze Rede, langer Sinn: Neben SUFFOCATION, SKINLESS, WACO JESUS und DISGORGE machen DYING FETUS für mich genau das, was brutalen US Death Metal ausmacht: Höchstes musikalisches Verständnis, gepaart mit schierer Brutalität und unbändiger Aggression, weitab von Kommerz und massentauglicher Verwertbarkeit. Das ist gut so und muss belohnt werden: DYING FETUS haben nach wie vor das Potenzial, 95% ihrer Brutal Death Metal-Kollegen in die Tasche zu stecken und dass will bei dem hohen technisch-musikalischen Niveau dieser Szene schon einiges bedeutenÉ
Siebzehn Minuten lang metzeln sich die japanischen ZOMBIE RITUAL ohne Rücksicht auf Verluste ein herrlich brutales Schlachtwerk zusammen, welches man trefflicherweise auf "Zombies from Tokyo" taufte. Geboten wird euch fünf Mal sehr brutaler Old School Death Metal, der von fies-feinen Thrashrasereien gekreuzt wird und auch vor Grindausbrüchen nicht halt macht. Im wesentlichen gibt's derbes Überschallgeschrote mit garantiert knitterfreien Blastspeed Drums aus der Zombiegruft, wobei gelegentlich auch mal groovig abgeschweift wird, nur um im nächsten Moment wieder umso brutaler und schneller zuzuschlagen. Schönes Gerödel mit Spass in den Backen und ordentlichem Sound vor allem, was man so in der Regel von japanischen Bands nicht gewöhnt ist! Die Gitarren klingen nach einer Mischung aus skandinavischem Todesblei plus AUTOPSY-Schlagseite. Der Bass brutzelt schön scharf untenrum durchs Geäst und auch der psychotische Gesang, der mich hin und wieder an eine kotzigere Mischung aus HAEMORRHAGE und BATHTUB SHITTER erinnert, weiss zu gefallen. Natürlich machen die Jungs hier eigentlich nichts weltbewegend neues, was sie machen, machen sie jedoch richtig und das noch dazu sehr gut. Das Cover ist fett, zum Teil gibt's die Texte sogar auf japanisch, so dass auch der Exotenbonus stimmt. Cooles Teil, kann man sich durchaus zulegen, wenn man auf oben genannte Bands steht.
Sehr ruppig starten ABORTED in ihr neues Langeisen "Slaughter & apparatus - a methodical overture", die im wunderschönen Slipcase via Century Media auf die gierige Death Metal-Meute losgelassen wird. Zunächst fällt der recht undifferenzierte, kratzige bis krachige Schlagzeugsound auf, der als deutlicher Schwachpunkt das Album in der Bewertung nach unten zieht. Die Bassdrums nageln eher und drücken nicht und die Snare klingt mehr nach nervösem SpechtÉ In all dem Brei schaffen es die Gitarren leider nicht immer, ihre Treibjägerqualitäten voll auszuspielen, wie wir sie von ABORTED in der Vergangenheit lieben und schätzen gelernt haben. Die durchgeknallten Death Grinder aus Belgien klingen dennoch durch und durch krank, innovativ sowie individuell und vor allem der Gesang war so derb und manisch noch nie zuvor, heiliger Strohsack! Leider hat die Scheibe zum Teil durchaus ihre Längen, so dass mir beim Durchhören der Scheibe einerseits wirklich markante Riffs fehlen, zum anderen die vorhandenen Songs stimmungsmäßig nicht optimal ausgereizt bzw. auf den Punkt gebracht wurden, da wäre noch was drin gewesen, was aber auch am Sound liegen kann. Neben einem Studioreport, zwei Videos und Wallpapers bekommt der geneigte Käufer immerhin reichlich wertigen Zusatzstoff geboten, der die Anschaffung der Scheibe trotz genannter Schwächen durchaus rechtfertigen kann. Machen wir uns nichts vor, ABORTED sind den meisten Bands der Brutal Death Metal meets Grind Liga technisch und musikalisch nach wie vor um Meilen voraus und die Scheibe ist alles andere als schlecht, ich als langjähriger Fan hätte aber durchaus einfach ein kleines bisschen mehr erwartet. So ist die Scheibe eben leider "nur" ganz gut. Punkt.
Das Auge isst mit: FEAR MY THOUGHTS haben hinsichtlich des Covers und vor allem des Booklets schon mal gute Aussichten in die die Best of 2007-Liste aufgenommen zu werden, sehr geil gemacht! Auch die im inneren des Digipacks versteckte Silberscheibe weiss mich sofort mit dem bärenstarken Opener "Accompanied by death" zu begeistern. Der Schädel rotiert, die Beine zucken, "Vulcanus", das neue Langeisen der seit neun Jahren aktiven Deutschen geht unmittelbar ins Blut! Die mit einigen Specials gepimpte CD hätte auch ohne das Beiwerk bei mir die volle Punktzahl eingefahren: So und nicht anders hätte ich mir IN FLAMES in den ganzen letzten Jahren gewünscht! Die Hardcore-Kante, die FEAR MY THOUGTS in der Vergangenheit manche Türe öffnete und auch den Zugang zur Metalcore-Gemeinde bescherte, ist nun gänzlich dem treibenden, skandinavischen Melodic Death Metal gewichen, der nach wie vor genügend Thrash-Luft atmet, um als brutales Album und nicht als seichtes Waschwerk verstanden zu werden. FEAR MY THOUGHTS poltern manchmal schöne schwere Moshparts bzw. allzu typische Breakdowns raus, verstehen es jedoch, immer an der richtigen Stelle richtig Gas zu geben und nach vorne loszugehen. "Vulcanus" ist von genialen Refrains und fetten Gitarrenlicks gesegnet, die einen besonders hohen Ohrwurmfaktor besitzen. Überdies beinhaltet "Vulcanus" absolut ausgereifte Songs einer bärenstarken Mannschaft aus Vollblutmusikern, die ihr Metier voll und ganz beherrschen und qualitativ nach oben ausreizen. FEAR MY THOUGHTS stehen mit dieser Scheibe alle Wege offen und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn man die Jungs in Zukunft nicht endlich vollwertig in einem Atemzug mit IN FLAMES, SOILWORK oder HATESPHERE nennt. Der Schritt zum Olymp war nie so nah wie heute.
Im letzten Jahr krachte es auf meiner heimischen Anlage ganz gewaltig: ROTTEN SOUND schlugen bei mir mit ihrer Mini CD "Consume to contaminate" ein wie eine Bombe. Nun kommt selbige Hammerscheibe zu meiner glückseligen Fassungslosigkeit auch noch als wertiges Vinyl via Power It Up Records auf den Markt! Unglaublich, unglaublich, unglaublich. Noch einmal also zum Mitschreiben: Dass ROTTEN SOUND eine gute Liveband sind, wusste ich schon länger, dass auch die letzten Veröffentlichungen immer besser wurden, haben auch viele mitbekommen. Beim letzten Album hatte ich, wie der ein oder andere lesen konnte, ein paar dicke Tröpfchen in der Hose, was die Herren aber mit ihrer Mini LP (bzw. Mini CD) "Consume to contaminate" abliefern, reisst mir nach wie vor den Arsch aus dem Hüftknochen: ROTTEN SOUND überrunden sie alle, egal ob NASUM oder NAPALM DEATH. ROTTEN SOUND sind die neuen Könige des Grindcores! Acht Songs in 15 Minuten sind schon mal eine stattliche Leistung. Was mir aber wirklich die Spucke raubt, ist der Sound der Platte! Die Gitarren klingen wie weiland ENTOMBED auf "Clandestine", die sich damit seinerzeit ein Denkmal setzten. Hätten sich ENTOMBED in die Grindcore-Richtung entwickelt, würden sie heute vielleicht wie ROTTEN SOUND klingen. Die Drums kommen ungeheuer gewaltig und füllig, der Bass ist eine brodelnde Gewitterwolke und der Gesang von Keijo schmerzt in allen Rippenbögen. Die Aufmachung von "Consume to contaminate" in goldener Farbe mit interessantem Motiv macht die Scheibe zu einem Edelstück, wobei die Farben auf der CD-Fassung ein bisschen besser wirken. "Consume to contaminate" wird fortan einen Ehrenplatz in meinem Regal bekommen. Ab sofort stehen sie in meiner privaten Hall of Fame, basta. Wer sich mal richtig (und ich meine verdammt noch mal richtig) den Arsch nach Strich und Faden versohlen lassen will, klinke sich bei den Finnen von ROTTEN SOUND ein. Die Band ist beängstigend gut geworden, ich weiss nicht, ob man das noch mal toppen kann. Der Sound der Scheibe setzt jedenfalls Maßstäbe, aus jeder Rille dieser verdammten schwarzen Scheibe rinnt hier dickes Blut! Besser kann Grindcore nicht klingen. So eine brutale Scheibe wird vorerst keine andere Band mehr abliefern könnenÉ Ein hilflos euphorischer Schreiber mit den dankbarsten und besten, nach Finnland entsandten Grüßen und der dringenden Kaufempfehlung, bevor besagte Scheibe auf ebay zu Mondpreisen gehandelt wird.
Die spanischen Metzger von HAEMORRHAGE veröffentlichten vor gut sechs Jahren via Cudgel Agency einen gutklassigen Split-Livemitschnitt namens "Live in the morgue", hörbar in blutige Fleischstückchen geschnitten bei einer ihrer von Grindcore-Fans heissgeliebten Metzelshows, bei denen es immer reichlich Blut, Gedärme und Eiter für alle zum Schlürfen gibt. Mit an Bord waren seinerzeit die sträflich unterbewerteten deutschen Grinder DEPRESSION. Da das Split-CD Album der beiden Bands schnell in Vergessenheit geriet und leider kaum einer Notiz von der Scheibe nahm, fassten sich Power It Up Records ein Herz und veröffentlichen nun selbiges Splitwerk erneut, jedoch nun endlich auf Vinyl, worauf viele Fans sehnlichst gewartet haben dürften, gehört doch anständiger Grindcore einfach auf Vinyl. Um die Sache aufzuwerten haben DEPRESSION ihren "Zur Stille finden" genannten Split-Teil der Scheibe neu gemastert, was vor allem der Durchschlagskraft gut getan hat. An den HAEMORRHAGE-Aufnahmen wurde nichts geändert, was aber auch nicht weiter schlimm ist, denn auch mit ein paar Jahren auf dem Buckel zerfetzen die rüden Grindattacken der Spanier noch immer massig Schädel. Bliebe zu erwähnen, dass man hier unter anderem CARCASS, IMPETIGO und REGURGITATE covert, was guten Geschmack, aber auch das hohe technische Niveau der Truppe beweist bzw. schon damals bewies. Kurze Rede, langer Sinn: Diese Wiederveröffentlichung ist ein echtes, wertiges Geschenk für die Grindcoregemeinde, die nun endlich die hässliche, durch eine CD verursachte Lücke in ihrer Sammlung mit einer anständigen LP füllen dürfen. Gutes Teil. EndlichÉ
Yepp, das kracht und scheppert! Obgleich das Cover von CRIONICS zu ihrem Album "Neuthrone" herrlich nichtssagend aussieht, hat es der Inhalt wirklich in sich. Progressiv verspielter aber dennoch brutal nach vorne preschender Death Metal, schön abwechslungsreich, interessant und innovativ arrangiert, hin und wieder auch mit leisen Keyboardspuren aufgepeppt. Die Drums setzen sich sehr gut durch und die Bassdrum knackt wirklich herrlich ein paar Knochen weg. Die Saitenfraktion ist auch absolut up to date und weiß, wie man ein Langholz nach allen Regeln der Kunst zerlegt. Wer dringend einen Vergleich benötigt, dem müssen ganz sicherlich ältere MORBID ANGEL als Referenz genannt werden. Desweiteren möge man sich eine Spur BEHEMOTH und YATTERING hinzudenken. Das Bandinfo macht um die Nähe zu MORBID ANGEL auch gar keinen Hehl, letztlich ist es sowohl der Gesang als auch die vertrackten Blastbeats, die den Floridajungs zum Verwechseln ähnlich sind. Zwar verweist man auch auf DIMMU BORGIR, was ich so aber nicht bestätigen kann, denn nur das Vorhandensein eines (in diesem Fall gut integrierten) Keyboards würde die Nähe zu den Bombast Blackies nicht rechtfertigen, vor allem, weil CRIONICS bei aller erzeugten Atmosphäre und einigen spacigen Parts angenehm erdig und bodenständig wirken. Erfreulicherweise verschwimmt dieser Release zwischen den Death- und den Black Metal-Grenzen, was ja ebenso für Grenzgänger wie BEHEMOTH gilt, die zwar noch um einiges schneller und rabiater zu Werke gehen, was die gesunde Härte, die CRIONICS auf "Neuthrone" aufzeigen, aber nicht schmälern soll. Rundum ein Album mit viel Liebe zum Detail und großem Abwechslungsreichtum, top produziert und in Szene gesetzt. Gut gemacht!
Endlich ist sie da! Die Sympathiebolzen von ENTOMBED, die man in den letzten Jahren erfreulich oft auf deutschen Bühnen hat wüten sehen dürfen, schieben ihrer von mir kürzlich verrissenen Mini CD "When in Sodom" nun ihr neues Album namens "Serpent saints" nach, auf dem der unsägliche Titeltrack der Mini CD leider wieder enthalten ist. Eigentlich hatte ich ja nach dem besagten Mini CD-Fehltritt etwas Magenschmerzen, ob sich die Schweden wieder fangen würden. Nachdem die zehn Stücke nun aber mehrfach durch meine Ohrmuscheln gegeistert sind kann ich sagen, dass das neue Album einiges kann und reißen wird. Dicker Old School Schweden Death Metal, der wieder mehr in Richtung "Clandestine" und "Left hand path" schielt, ohne die alten Kultscheiben zu kopieren, aber auch, ohne sie qualitativ und soundtechnisch wirklich zu erreichen. Trotzdem gut gemacht. Auf ihrem neunten Album sind die im Verlauf der Karriere hinzugekommenen Rock'n'Roll Riffs (siehe "Wolverine Blues") geblieben, schieben aber nun wieder etwas heftiger, thrashiger, coriger und knalliger nach vorne. Gewöhnungsbedürftig ist sicherlich das Line Up mit nur einem Gitarristen, so dass sich auch das neue Album zum Teil etwas zu reduziert anhört und an manchen Stellen etwas mehr Druck und Aggressivität nicht hätte schaden können. Ich will auch nicht das Haar in der Suppe suchen: ENTOMBED klingen auf "Serpent saints" sehr spontan, beinahe live, was eine dreckige, abgefuckte Atmosphäre erzeugt. Alles andere als feingeschliffen rödeln die Burschen in ihren alten Tagen zum Teil auch wieder mit richtig viel Blast Speed und Biss nach vorne, was ich so gar nicht mal erwartet hätte und was den Release unter dem Strich zu einem guten werden lässt. Wäre zwar sicherlich noch etwas mehr drin gewesen, die Route stimmt aber endlich wieder und mit einem solchen Release sind die Schweden noch lange nicht weg vom Fenster. Kann man drauf aufbauen! Back to the Roots!
Ausgestattet mit einem absolut unlesbaren Schriftzug knattern die norwegischen OBLITERATION verdammt old school-mäßig durchs Geäst, wie man das sonst nur aus alten Frühneunziger-Floridatagen kannte. AUTOPSY sind sicherlich der wichtigste Bezugspunkt (man höre den Gesang, Chris Reifert lässt grüßen!), wobei eine Spur alter POSSESSED, noch älterer DEATH und frühe OBITUARY nicht falsch erwähnt sind. Kurzum schlürfen und eitern die Burschen zum Teil in Old School Doom Death-Manier durch die Boxen, um ganz unvermittelt in brutale Hasenfick Drumgewitter überzugehen, die von derb schrotenden Thrash- und Death Metal-Riffs umgarnt werden. Wer in den letzten Tagen auf die Releases von EVOCATION und DEATH BREATH abgefahren ist und sich auf der Retro-Schiene wohl fühlt, der sollte OBLITERATION mit ihrem Debütwerk "Perpetual Decay" gleich mit auf den Einkaufszettel schreiben. Erschienen ist die CD übrigens über Tyrant Syndicate Records, dem Label von Nocturno Culto und Fenriz von DARKTHRONE, die mit ihren Releases einfach ihrem untrüglichen Old School Metal-Geschmack nachgehen und dabei stets nur exklusive Bands unter ihre Fittiche nehmen. OBLITERATION, die gerade mal um die 19 Jahre alt sind, haben sich von ihren Ziehvätern DARKTHRONE, die aus demselben norwegischen Kaff kommen, offensichtlich deutliche Nachhilfe in Sachen extremer Metal Frühgeschichte geholt, was auch am rohen, ungeschliffenen Sound deutlich wird, der schmutzig nach Underground klingt und sehr erdig wirkt. Hier wurde garantiert nichts getriggert oder künstlich aufpoliert. Ganz allein die Musik und die schroffe Atmosphäre sprechen hier für sich, manchmal hört man auch hier und da mal einen Spielfehler bzw. eine Timingunsicherheit, unter dem Strich wurde einfach zugunsten der Atmosphäre alles so belassen wie es eingetrümmert wurde, was mir ziemlich gut gefällt. Hat Charme und ich denke, OBLITERATION werden noch viele weitere Metalheads mit ihrem ursprünglichen Charme zu begeistern wissen.
Äußerst schwerverdauliche Kost präsentiert uns das polnische, mir mittlerweile irgendwie ans Herz gewachsene Mini-Label Selfmadegod Records in Form von MYOPIA, die "Enter insectmasterplan" ins Rennen schicken. Völlig schräger und vertrackter Death-Thrash Metal, der den musikalischen Ergüssen altgedienter Helden wie ATHEIST, DEATH, PESTILENCE oder CYNIC prinzipiell in nichts nachsteht. Ebenso verfrickelt und verspielt erhebt sich hier ein wahres Rhythmus-, Tempiwechsel und Figurenmonster, an dem Taktklopfer, Drummer im allgemeinen und Musiktheoretiker ebenso ihre helle Freude haben dürften wie all jene, denen stures Geprügel manchmal einfach zu wenig ist. Folglich sind MYOPIA alles andere als eingängig und unglaublich verkopft, deshalb jedoch alles andere als schlecht: "Enter insectmasterplan" braucht einige Durchläufe, damit man hinter die extravaganten technischen Eskapaden blicken kann. Der eher im Thrash-Sektor anzusiedelnde Gesang hätte zwar noch etwas mehr Schmackes und Brutalität gebrauchen können, unter dem Strich ist den Polen aber ein pervers mathematischer Death Thrash-Glückstreffer gelungen, der mit unzähligen Ideen und verwirrenden Strukturen zu begeistern weiß. Ich kann so etwas zwar nicht jeden Tag hören und auch das Cover gehört eher in die Kategorie "peinlich schlecht", aber anchecken solltet ihr das Werk dennoch einmal bei passender Gelegenheit. Dafür, dass es das Dreiergespann schon weit über 10 Jahre gibt und nach 2002 erst jetzt das zweite Album vorliegt, scheint die Beweisführung offensichtlich: Andere Bands hätten aus diesen Ideen und Riffmonstern locker 10 Alben geschraubt, so sei es MYOPIA verziehen, dass sie sich die Ideen jahrelang gut aufsparten und nun hochdosiert auf ein einziges Album konzentriert zum besten geben.
BURDEN OF GRIEF haben sich deutlich verändert: So sind seit der letzten Scheibe "Fields of salvation", die lange drei Jahre zurückliegt, nur noch Sänger Mike und Bandleader bzw. Gitarrero Phillip erhalten geblieben, die sich eine komplett neue Mannschaft zusammen stellen mussten. Eine Veränderung, die man durchaus hört: Waren die Drums beim Vorgänger meist noch messerscharf, technisch anspruchsvoll verfrickelt und häufig rasend schnell, pflegt Nachfolger Sebastian auf "Death end road" eher die gemäßigtere, konstante, nur noch mittelschnelle, nicht mehr allzu technische Keule zu schwingen. Leider klingen die Drums doch sehr getriggert und unnatürlich, was sicherlich an Produzent Tommy Hansen liegen mag, der es diesbezüglich in letzter Zeit häufiger übertreibt. Auch die Neuzugänge an Bass und zweiter Gitarre haben offensichtlich dazu geführt, dass man von der typischen, urdeutschen Melodic Death Metal-Route zugunsten modernerer, groovigerer Songs abgewichen ist und mehr Wert auf einprägsame Refrains legt, wobei die gesangliche Weiterentwicklung und Variabilität von Sänger Mike sehr positiv auffällt. Natürlich gibt's von den Kasseler Burschen nach wie vor Death Metal mit Melodien, die jedoch zum Teil akzentuierter eingesetzt werden und die Riffs nicht mehr wie früher über weite Strecken verfolgen. Der früher deutlicher zu hörende IRON MAIDEN-Einschlag ist kaum noch zu spüren, aber immer noch als Bauchgefühl präsent, was den Jungs schon in der Vergangenheit einige Fans zuspielte. Ich hätte ein solches Album ehrlich gesagt nicht erwartet: Die früher lieb gewonnenen, technischen Bassfiguren und Spielereien gibt es leider nicht mehr, so tönt der Bass leider etwas leise und "nur noch" songdienlich, was aber in Verbindung mit den ebenfalls "reduzierten" Drums für eine klarere, sehr straighte Albumlinie sorgt. Raserei und skandinavischer Speed sind einem neuen Grooveverständnis gewichen, was für die Band hoffentlich den richtigen Schritt in eine noch erfolgreichere Zukunft bedeutet und als Indiz für einen kapitalen Runderneuerungsschlag im Hause BURDEN OF GRIEF steht, der ihnen gut zu Gesicht steht.
Dem gesamten Coverlayout nach zu urteilen haben AMOK nicht mehr alle Tassen im Schrank. Sehr brutal, morbide, abartig, kriegslüstern und krank poltert "Necrospiritual deathcore" durch die Boxen und vereint Bands wie AUTOPSY, BLASPHEMY und BEHERIT plus Old School Schwedentod in einem ungezügelten, blasphemischen Bastard, der scheppert und hämmert wie Sau. Die vier Norweger bekamen dabei populäre Unterstützung aus dem näheren Black Metal-Umfeld, so dass "Necrospiritual deathcore" von einigen Gastauftritten beseelt ist: Mitglieder von Bands wie ORCUSTUS, TAAKE oder ABORYM gaben sich hier ein Stelldichein. Am Bass von AMOK ist übrigens Iscariah, der seinerzeit mal eine Weile bei IMMORTAL war, mit dem ich das wohl lustigste und unvergesslichste Telefoninterview aller Zeiten machte. Kaum zu glauben, mit welcher angsteinflößenden Hässlichkeit und Bösartigkeit der so nett geglaubte Herr nebst Mitstreitern dieses Werk rausgerotzt hatÉ Kurze Rede, langer Sinn: AMOK sind anachronistisch, Old School im allerengsten Sinne, verstörend, brutal und vor allem necrophil deluxe. Der Sound klingt nach achtziger Jahre, die Gitarren schlürfen und eitern in AUTOPSY-Manier, die Drums scheppern samt Kellersound eher Thrash- und Black Metal-like bzw. höhenlastig durch die Membranen und der Bassverstärker der Norweger scheint mindestens bis 666 aufgerissen worden zu sein. Der Gesang klingt nach düsterem, live vertontem Exorzismus, wirkt verstörend, widerlich, kotzig und schlürfend, kurzum: nach einem echten Kaufargument, haha. Wer auf eine gelungene, blasphemische und alles andere als melodische Mischung aus Death Metal, Thrash und Black Metal in rauester Urform steht, sollte zuschlagen.
BIRDFLESH gehören in die Kategorie "Hassen oder lieben". Die auf der Bühne als Kasperköpfe agierenden Schweden hauen uns mit "Mongo musicale" einen Grindbrocken vor den Latz, der auch ohne visuelle Unterstützung Spass macht und für das ein oder andere fette Grinsen sorgt. Ständige Seitenhiebe in die Metalszene neben lyrisch-sarkastischen Verarschenummern anderer Bands geben sich unentwegt die Klinke in die Hand: "Wigdestroyer" kann man, auch musikalisch, problemlos auf die Grindkings PIGDESTROYER beziehen und wer mit "Bass of thunder" oder "Guitars of steel" gemeint ist, dürftet ihr selbst wissen. BIRDFLESH sind nach wie vor herrlich abwechslungsreich und verstehen es, Überschallgeprügel mit groovigen Riffs zu kombinieren. Der Gesang schwankt wie eh und je zwischen Gurgelsau, angeschossenem Elch und besoffener Nebelkrähe. Die Drums scheppern herrlich grindig und furztrocken durchs Geäst, wobei die gesamte Saitenfraktion eine mehr als gute und sichere Figur macht und mächtig nach vorne drückt. Die Schweden poltern sich mit "Mongo Musicale" durch ein ganzes Arsenal an Stilkisten und schrecken keineswegs davor zurück, Grindcore mit Gore, Death Metal mit Crust, Rock mit HC-Punk und anderem derben Geschrote in einen Sack zu stecken und kräftig durchzurühren. Mit 25 Stücken gibt's hier wahrlich nichts zu meckern, so dass sich die Grindcore-Gemeinde erfreut ins Getümmel stürzen darf. Well done!
Aus den ehemaligen schwedischen FURBOWL sind HEARSE hervorgegangen, die über das brandneue, soeben gegründete Label Dental Records "In these veins" vorlegen und mehr als galant hammerharten Schwedentod mit melodischem Crust fusionieren, wobei der Schwerpunkt doch deutlich auf der Death Metal-Seite liegt. Als vergleichbare Bands schießen mir sofort VOMITORY durch den Kopf, die zwar eine Spur brutaler sind, stilistisch aber in dieselbe Kerbe hauen, wenn man sich außerdem eine Kelle frühe BOLT THROWER hinzudenken mag. Am Gesang ist übrigens Johan, der früher mal bei ARCH ENEMY gesungen hat, bevor Frau Gossow das stimmliche Ruder der Schweden übernahm. Die Produktion, die von Producerlegende Dan Swanö übernommen wurde, lässt folglich keine Wünsche offen: Die Drums ballern fett und satt, die Gitarren klingen schwedischer, wie sie kaum schwedischer klingen könnten und Johan an den Vocals ist natürlich ein geübter alter Hase, der weiss, wie man richtig Dampf macht. Bliebe noch zu erwähnen, dass man sich für den coolen Smasher "Intoxication" kultige Unterstützung von MOB 47´s Jugga (eine der Crustlegenden überhaupt!) geholt hat und mit einem Cover der Schwedenpunks SATOR deutlich aufgezeigt wird, wie stark der crustpunkige Einfluss für HEARSE ist, obgleich die Scheibe wie gesagt eine überdeutliche Death Metal-Schlagseite besitzt. Was ich wirklich herausragend und bemerkenswert finde, sind die zum Teil gar rockig klingenden, schweinecoolen Gitarrenlicks und extrem einprägsamen Melodien, die man so bei keiner anderen Death Metal-Band zu hören bekommt. HEARSE machen richtig Spass und knattern neun Mal schön kompromisslos auf die Mütze, genau so und nicht anders muss das sein!
Jawoll, die Eiterschlürfer- und Madenfresser Fraktion darf erneut die Messer wetzen: Die Könige des schlechten Geschmacks sind zurück! ABSCESS, hervorgegangen aus der Asche der kultigen AUTOPSY, legen mit "Horrorhammer" einen wirklichen Hammer hin, der vielmehr in Richtung alte AUTOPSY schielt, als die letzten ABSCESS Veröffentlichungen selbst. Geboten wird demnach räudiger Old School US Death Metal der allerfrühesten Stunde, völlig befreit von jeglichen technischen Kabinettstückchen oder gar schändlicher Melodien: ABSCESS holpern und prügeln sich durch 12 bärenstarke Ur-Death Metal-Granaten, so dass vor allem die jüngere Death Metal-Gemeinde aufgerufen sein sollte, hier in puncto alter Death Metal-Schule ein paar Hausaufgaben nachzuholen. Der Sound klingt wie immer unnachahmlich authentisch und ist nach Sekunden als ABSCESS bzw. AUTOPSY zu erkennen. Geblieben ist der tiefschlürfende, ultrabrutale Gesang von Chris Reifert, der wie gehabt nebenbei mächtig Blut in seinen Drumkesseln rührt. Witzigerweise haben sich nun die beiden DARKTHRONE-Jungs Nocturno Culto und Fenriz den Amis angenommen und einen Plattenvertrag via Tyrant Syndicate zusammengeschneidert, die wiederum über Peaceville Records promotet und vertrieben werden. Als Anspieltipp sei vor allem mal das achtziger Jahre beeinflusste, beinahe schon als Old School Heavy Metal-Stück zu bezeichnende "Another private hell" genannt sowie das doomig beginnende, schnell messerscharf dahin galoppierende Titelstück "Horrorhammer", bei dem die alten Herren sich ganz ihrer alten und beliebten Kunst hingeben, die da heisst: Stumpf ist Trumpf!
MORS PRINCIPIUM EST hatte ich seinerzeit eine rosige Zukunft vorausgesagt. Mit "Liberation = termination" möchte ich von dieser Behauptung ein kleines Stück Abstand nehmen. Zwar vermögen es die sechs Burschen nach wie vor mitreißenden Melodic Death Metal mit rasanten Thrash-Einsprengseln zu spielen, leider sind sie jedoch bei weitem nicht mehr so unnachahmlich einprägsam wie in der Vergangenheit. Der Sound ist wie gewohnt eine echte, satte Breitwand, die kompromisslos fett klingt, insofern gibt's diesbezüglich gar nichts zu meckern. Auch die eingestreuten Keyboards fügen sich galant und gewitzt in den Gesamtsound ein, der noch mal einiges an Härte gewonnen hat, was vor allem an den in DEFLESHED-Regionen vorstoßenden Thrash-Riffs liegt. Wenn die Jungs den Gang rausnehmen, dürfte auch die SOILWORK- und IN FLAMES-Brigade wohlwollend aufzucken, insgesamt ist mir aber der stilistische Crossover ein Stück zu hart: Einerseits gibt's dicke Melodien und schwermütige Grooves, dann aber wieder fettes Metalgewitter, dass sich die Balken biegen. Hört sich ja prinzipiell gut an, leider stehen die einzelnen Parts etwas zusammenhangslos sortiert auf der Scheibe, so dass zumindest mir neben der fehlenden Catchyness der rote Faden fehlt und ich auch nach mehrmaligem Hören nicht weiss, ob die Platte nun eigentlich Fisch oder Fleisch ist, schade. Kein Überwerk aber dennoch alles andere als schlecht. Punkt.
Die deutschen IN SLUMBER wissen mit "Scars incomplete" bei mir zu punkten: Gar typisch deutsch halten sie die Flagge des hiesigen melodischen Death Metals nach oben, wie ihn bereits Bands wie NIGHT IN GALES, PATH OF DEBRIS oder BURDEN OF GRIEF vor einiger Zeit zu etablieren wussten, wobei wohlgemerkt natürlich schon der Blick etwas nach Schweden geht, da letztlich Bands wie IN FLAMES oder DARK TRANQUILLITY irgendwie mit in den zu beschreibenden Stilkontext gehören. Einerseits sind IN SLUMBER damit schon für die melodische Old School Death Metal-Fraktion interessant, andererseits vermögen es die Jungs, moderne Ansätze zu integrieren, die ich zwar nicht zwingend als Metalcore bezeichnen möchte, die Art der Breakdowns und mitreißenden Moshparts jedoch rechtfertigt diesen hörbaren, kleinen Querverweis. Macht ja auch Sinn: IN SLUMBER knüpfen damit an die Geschichte an, entwickeln sie aber fort und fügen neue Ansätze und Stilabwandlungen mit ein, so dass ein sehr eigenständiges, frisches Werk dabei herausgekommen ist. Der Sound ist wirklich Zucker, so knallen vor allem die Drums erstklassig, werden vom tonnenschweren Bass dick nach vorne gedrückt und bekommen ultrafette Unterstützung von der schneidigen Sechsaiterfraktion, die auf hohem Niveau sowohl donnernde Rhythmusgitarren produziert als auch bombastische Soli beizusteuern weiss. Die Refrains, die einiges an Wiedererkennungswert besitzen, werden mit kraftvoller, abwechslungsreicher Stimme immer geradeaus nach vorne rausgebrüllt und machen wirklich Spass. Eigentlich als Projekt von Wolfgang Rothbauer (EISBLUT) angelegt, dürften sich IN SLUMBER mit diesem Werk schnell als eigenständige Band etablieren und in aller Kürze ihren Projektstatus einbüßen. Starkes Teil!
Die finnischen OMNIUM GATHERUM kannte ich als vielgepriesener Geheimtipp, musste jedoch vor zwei Jahren auf dem »Party San Open Air« mitansehen, wie die Burschen ganz klassisch auf die Nase fielen. Die Leute rannten scharenweise von der Bühne weg und ließen OMNIUM GATHERUM mehr als verloren wirken, wobei das musikalisch dargebotene Komplott wie auch auf dem neuen Langeisen "Stuck on snakes way" einiges an Abwechslung und Ideenreichtum bietet, womit aber durchaus der ein oder andere Headbanger aufgrund mangelnder Eingängigkeit seine Probleme haben könnte. Zwölf Stücke lang knüppeln die Nordlichter recht progressiven Death Thrash Metal, der einerseits viele klassische Metal-Roots besitzt, andererseits aber auch genügend Brutalität und Raserei freisetzt. Die Finnen sind sich nicht zu schade hier und da auch mal ein rockiges Riff, Keyboards oder mysthisch angehauchten Doom-Schwermut der Sorte KATATONIA mit einzustreuen. Die im Bandinfo eher fälschlich erwähnten AT THE GATES mag ich aufgrund der doch weitaus vertrackteren Songstrukturen so eigentlich nur ungerne stehen lassen, wobei der Verweis auf DEATH alles andere als falsch ist, wenn OMNIUM GATHERUM auch deutlich tiefer brüllen bzw. grunzen als weiland Chuck und DEATH mit Keyboards völlig unvorstellbar gewesen wären. Letztlich bekommt ihr mit "Stuck on snakes way" eine Vielzahl musikalisch anspruchsvoller und instrumentell abgedrehter Ideen präsentiert, was Konsumenten leichterer Metal Kost sicherlich abschrecken wird, die Frickel Gourmets unter euch hingegen mehr als nur ansprechen wird. OMNIUM GATHERUM machen ihr ganz eigenes Ding und sind eine ganz eigene Klasse für sich selbst, was in heutigen Releaseschwemmezeiten unglaublich wichtig ist, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden.
Häufig als SIX FEET UNDER-Abklatsch ein stückweit zu Recht verschriehen und des öfteren verrissen, hat den kompromisslosen Siegeszug der deutschen DEBAUCHERY noch niemand ernshaft zu stoppen gewusst. Die Jungs ziehen einfach ihr Ding durch und bleiben sich dabei von Scheibe zu Scheibe mehr als treu, so dass man bei deren viertem Album "Back in blood" eigentlich gar nicht meckern darf, Originalität hin oder her. Wo DEBAUCHERY drauf steht, steckt auch DEBACUHERY drin, dass heisst, die Neulinge unter euch dürfen sich auf eine zwar sittsam bekannte, dafür aber alles andere als langweilige Old School Death Metal-Packung gefasst machen, die zwar recht simpel gespielt ist, dafür aber einiges an Druck bietet und Laune macht. "Back in blood" groovt und donnert im Midtempobereich munter vor sich hin, wobei vor allem die Vocals von Thomas den wesentlichen Bezugspunkt zu SIX FEET UNDER offenbaren, die sich ja auch vor allem über die brutal tiefen Vocals definieren. Letztlich ist es egal, ob euch bei OBITUARY, BOLT THROWER oder SIX FEET UNDER die Mütze wegfliegt, DEBAUCHERY reihen sich da problemlos ein und stehen den genannten Bands qualitativ sicherlich in nichts nach. Das Layout ist zwar in Anlehnung an AC/DC´s "Back in black" entsprechend simpel, dafür ist die musikalische Anbiederung an eben genanntes Werk nicht gegeben, was auch nur wenig kreativ bzw. innovativ gewesen wäre. Angeblich soll das Teil noch mit Bonus CD erscheinen, wo die Burschen RAMMSTEIN, MANOWAR, GENESIS oder die BEATLES covern, was ich aber gar nicht unbedingt hören muss, da es sicherlich tausend andere Bands gäbe, bei denen mich ganz persönlich eine Coverversion viel mehr reizen würde, als die genannten Millionenseller.
Death Metal aus der Schweiz hat zweifellos einen gewissen exotischen Charme, kommen doch leider nicht allzu viele Bands aus unserem geschätzten Nachbarland. Im Falle von ARKHAN sollte man dem ersten Höreindruck zufolge zunächst meinen, dass uns da eine weitere US Truppe den Hintern versohlt, da deren brutaler, technisch fein gemachter Death Metal alles andere als europäisch klingt. Gerade hinsichtlich des Gesangs und des Riffings mörteln die Deather im DEICIDE-Fahrwasser, weben eine leise Prise MALEVOLENT CREATION plus SLAYER-Soli ein und zeigen sich hinsichtlich verschachtelter Groove meets Gefrickel Parts auch mal in MORBID ANGEL-Gewässern. Was die Songs von "M.A.C.H.I.N.E." dabei immer wieder angenehm belebt, sind die straighten, nach vorne dampfenden Death Metal-Riffwalzen, die gerne in Midtemposchlachten übergehen, nur um danach in gemeinen, manchmal maschinenartig monotonen Blast Speed Parts den Feind gänzlich zu überrollen. ARKHAN machen ihre Sache gut, amtlich und ehrlich und beherrschen ihre Instrumente, die sie nach allen Regeln der Kunst zerhacken. Der Gitarrensound ist dabei recht amtlich, der Gesang ist in der Lage Därme zu zerreissen und auch der Bass zermatscht mit wachsender Freude jegliche Synapsen. Die krassen Synthies, die man hier und da einbaute, drücken den Wahnsinnsfaktor auch noch mal einige Prozentpunkte nach oben. Einziger Schwachpunkt sind die sehr klinischen und sehr unnatürlich klingenden Drums, die entweder zu stark getriggert wurden oder gänzlich dem Drumcomputer entstammen, was meine Benotung einige Punkte nach unten zieht. Einen weiteren Abzug bekommen die Burschen für ihr gänzlich bescheidenes Cover, hinter welchem ich einen solch coolen Death Metal-Bastard niemals erwartet hätte. Unter dem Strich aber eine fette, ziemlich abgespacete Scheibe, die Lust auf mehr macht, trotz Cover, trotz Schlagzeugsound.
Bitterböses IntroÉ "Censored Coverartwork"-Einleger im Cover und Apathic View Productions prangt als das wohl durchgeknallteste und fieseste deutsche Label auf der Mini CD von CARNAVAGE aus Algerien, ui ui ui, das kann ja heiter werden. Entsprechend klein die Überraschung bzw. entsprechend groß der Faktor Wahnsinn: "The hairless fat carnage deed" knüppelt widerlich brutal durch die Boxen. Extrem schneller Blast-Grind hämmert durch die Boxen, der von tief gurgelndem Frognoise Gekotze begleitet wird. Der Bass scheppert schön tief und verzerrt im untersten noch hörbaren Segment und die Gitarren klingen auch ebenso herrlich nach aufgebohrter Motorsäge. Der zweite Track, die Grindcore Version von "Bruder Jakob", klingt nach schauerlichem Grindkinderlied und hat auf alle Fälle einen recht witzigen Charme. Die Synthies, die man gaaanz gelegentlich eingebaut hat, muss ich zwar nicht verstehen, im Bereich Goregrind bzw. Noisegrind gehört so was aber einfach mal dazu. Klar, dass hier weder ein technisches Highlight abgefeuert wird, klar dass mit CARNAVAGE eine Randgruppe unserer Szene bedient wird, klar dass es hier um den Effekt und mehr um Brutalität als um Musik an sich geht, klar dass man so etwas nur lieben oder hassen kann, klar dass die Behörden ohne den Coverartwork-Einleger schnellstens Alarm schlagen würden, da nen zerpflückter Torso eben nicht nach jedermanns Geschmack ist. Wer jedoch Bock auf einen schönen Cocktail aus Wundwasser und Leichenbrühe hat, sollte mal bei Apathic View anklopfen und sich diesen fünfzehnminütigen Rundling zwecks Verkostung ins Haus holen, auf dem sich übrigens noch Coverversionen von MORTICIAN (die als Vergleich zum Teil wie der Arsch auf den Eimer passen) und AVULSED (deren Durchschlagskraft, Musikalität und Brutalität man jedoch nicht erreicht) befinden. Lecker dat, mjam. Freunde von LAST DAYS OF HUMANITY könnten übrigens auch mal auf nen Schlürf vorbeischauen.
Die Leute vom G.U.C. Label veröffentlichen seit Jahren auf DIY Basis wirklich nur Sachen, auf die sie richtig Bock haben und hinter denen sie völlig stehen, was man an dieser Stelle einfach mal sehr wohlwollend anerkennen muss. Nicht nur sich selbst, sondern der Melodic Death / Thrash Metal-Szene allgemein haben sie jüngst mit BITTERNESS und der kultigen, lilafarbenen 10"-Vinylscheibe "As all beauty starts to fade" einen großen Gefallen getan. Die deutschen BITTERNESS zocken erfrischenden Old School Schwedentod der Sorte AT THE GATES und GATES OF ISHTAR und lassen die ein oder andere gewaltige Thrash-Note nicht vermissen, so dass neben NIGHT IN GALES oder den sehr ähnlichen bzw. vergleichbaren alten BURDEN OF GRIEF aus deutschen Landen wohl kaum etwas vergleichbares kommt. Angenehmerweise prügeln BITTERNESS wirklich nie im seichten Melodic Death Metal-Gewässer oder klingen irgendwie nach moderner Einheitssauce á la IN FLAMES, nein, immer straight nach vorne, mit blitzschnellem Riffing und fetter Produktion mit mächtig Speed und Drive, was mich von der Wucht her manchmal auch an DESTRUCTION erinnert. Die fünf Stücke sind schön einprägsam und leben von ihrem hohen Wiedererkennungswert, so dass, wenn die Burschen ihr extrem hohes Konzertpensum beibehalten, ein größerer Deal bald in greifbare Nähe rücken könnte, so dass ihr euch spätestens jetzt darum bemühen solltet, von der sehr wertig aufgemachten, kleinen Auflage von gerade mal 1.000 Exemplaren eine Scheibe zu besorgen, bevor in ein paar Jahren das große Heulen auf ebay losbricht, wenn die Jungs erwartungsgemäß durch die Decke gehen sollten, wofür mehr als genügend Potenzial vorhanden ist. Sehr vielversprechende, deutsche Band mit großartigen Songs. Weiter so! Kaufanfragen zum schmalen Kurs gehen umgehend an www.guc-area.de.
AGATHOCLES und kein Ende: Auch nach über hundert Veröffentlichungen und mehr als zwanzigjähriger Bandgeschichte ist immer noch keine Ruhe im Stall der Belgier eingekehrt. Wohl kein noch so fanatischer Grindcorefreak dürfte es schaffen, alle Releases der Band sein eigen zu nennen, außer er verkauft Haus, Hof, Frau und Kind. Einige Zeit nach Veröffentlichung der CD-Version des neuen Albums "Mincer" liegt nun die entsprechende Vinylversion des Albums auf Power-It-Up Records vor, was zumindest die Komplettisten der Band einmal mehr in den Wahnsinn treiben dürfte. Für alle, die bisher mit einem Kauf warteten, dürfte zumindest jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, in die herrlich rumpelige Welt des belgischen Mincecores einzutauchen, für dessen Stil die Belgier als Synonym stehen. AGATHOCLES sind die Urgesteine der Grindszene, so dass es kaum Sinn macht, neuere Bands als Vergleiche heranzuziehen, da selbige meist die Belgier als Einfluss angeben. Für Neuseinsteiger sei gesagt, dass "Mincer" sicherlich kein technisch großartiges Werk ist und das spielerische Niveau der Scheibe eher flach bis punkig-profan ist. Ziemlich simpel gestrickter Grind mit gesellschaftskritischen Texten ist keine neue Erfindung und abseits von CRIPPEL BASTARDS, frühen REGURGITATE und ganz alten NAPALM DEATH bzw. CARCASS tausendfach kopiert und zum Teil auch besser gespielt worden. Die Produktion erreicht eher untere Mittelklasse und klingt mehr wie in Schnelle zusammengezimmert, was aber ehrlich gesagt bei jeder Veröffentlichung der drei Sickos so ist. AGATHOCLES muß man einfach lieben und akzeptieren wie sie sind, dafür gibt's einen recht schmerzfreien Spass der größeren Sorte geboten, da zumindest mir nach 21 Stücken mächtig der Arsch und die Ohren glühen. Wer kann bei einem solch energischen Geschepper, Gehämmer und Geschrote schon ruhig sitzen bleiben oder die Anlage nicht auf 12 aufdrehen?! Eben! Macht Spaß und muss so sein!
Mit einem anderen Cover kommt der langerwartete Vinyl LP-Release des jüngsten GENERAL SURGERY-Albums "Left hand pathology" aus dem Hause Power-It-Up Records zu uns, wobei die wertige, geile Gatefold Aufmachung den CD-Release von Listenable um Längen aussticht! Die schwedische Ausgabe von HAEMORRHAGE war beinahe zehn Jahre von der Bildfläsche verschwunden und sicherlich nur die wenigsten können sich beispielsweise noch an "Necrology" von 1993 auf Nuclear Blast erinnern. Leider bauten die Schweden damals nicht auf ihrer Mini CD auf und waren nach einiger Zeit von der Bildfläche verschwunden, was immerhin dem Wachsen ihres Legendenstatus gut getan hat. Nun liegt "Left hand pathology" vor und es scheint, als wären GENERAL SURGERY nie weg gewesen: Tonnenschwerer, höchst aggressiver und extrem brutaler Grindcore typischer Machart mit einigen Crustriffs und bollerndem Death Metal wird einfach nie unaktuell sein. Wer sich immer noch kein Bild machen kann, der nehme den Gitarrensound alter ENTOMBED, mische viel HAEMORRHAGE oder RETALIATION plus ein wenig NASUM hinzu und schiebe das Ganze durch den frühen CARCASS-Fleischwolf. Besonders positiv sticht der wahnsinnig druckvolle Sound hervor, bei dem die Gitarren ganze Arbeit leisten, der Bassdruck einfach unglaublich scheint und die Drums dir die Hirnmasse scheibchenweise von der Hirnschale schälen. Sehr gutturaler "Gesang", im wesentlichen kotzig bis diabolisch grunzend setzt dem Ganzen die Krone auf: GENERAL SURGERY liefern mit "Left hand pathology" ein in der Form unerwartetes Old School Grindcore-Meisterwerk ab, dass all die nächsten Jahre problemlos überleben, für einige Nachahmer sorgen und die Grindszene am Leben halten dürfte. Klarer Fall von Sammlerdruck: Wer jetzt nicht zugreift, der darf später keine Krokodilstränen weinen nud verpasst ein essentielles wie außerordentliches Meisterwerk an Brutalität und Kompromisslosgkeit allererster Kajüte.
Ein echter Old School Death Metal-Knaller ist den schwedischen EVOCATION gelungen, deren neues Album "Tales from the tomb" bei mir rauf und runter läuft. Ebenso wie die kürzlich gestarteten DEATH BREATH knüppeln die Nordmänner in allerbester, früher Schwedenmanier los: Im wesentlichen liegen EVOCATION eng an ganz alten GRAVE, wobei der ultrafette Gitarrensound manchmal auch ENTOMBED-Format aufweist. Allgegenwärtig, vor allem bei den einprägsamen, mitreissenden Melodielinien sind DISMEMBER, die hier Ton für Ton mitschwingen, ohne allzu stark kopiert zu werden. Folglich sind EVOCATION alles andere als innovativ und dennoch ein extrem gelungener Ausflug zurück in alte Zeiten, in denen neben den genannten Bands Combos wie UNLEASHED, NIHILIST, NIRVANA 2002 und vor allem GROTESQUE einen Stil schufen, der bis heute für blutige Ohren und feuchte Höschen sorgt. Bliebe zu erwähnen, dass sich EVOCATION tatsächlich bereits zu den Gründerzeiten in der Szene tummelten und selbstredend seinerzeit auch eine Sunlight Produktion vorweisen konnten, bevor man sich 1993 trennte und einige Mitglieder in Bands wie CEMETARY oder LAKE OF TEARS aktiv wurden. Nach der Wiederveröffentlichung alter Demos im Jahr 2004 haben sich die Jungs nun noch einmal aufgerafft und sind zurück als alte-neue, vollwertige Comeback-Band im Death Metal-Zirkus. Zusätzlich mit einer fetten ENTOMBED-Coverversion und einem geilen Dan Seagrave Cover ausgestattet, spricht absolut nichts gegen einen Kauf von "Tales from the tomb", so dass jeder Old School Schwedentod-Fan ungehört und bedenkenlos die Scheibe kaufen kann und sollte. Ganz großes Kino!
Es geht auch anders: Die aufgrund der brutal schlechten Cover bei mir schnell in Ungnade gefallenen Manitou Music aus Frankreich veröffentlichen statt des bisher von ihnen gekannten Schwulst Pomp Metals offensichtlich auch Härteres: DSK, verpackt in ein abermals völlig nichtssagendes und belangloses Cover, rumpeln uns "Opressed/Deformed" vor den Latz. Hier gibt's muckemäßig zwar keine Bundesliga geboten, dafür aber ein nettes Oberligaspiel mit ordentlicher Härte und Biss. Das beiliegende Bandinfo hätte man sich im Übrigen sparen können, außer viel weißem Papier und dem Hinweis, dass die Burschen (?), Mädels (?) aus welchem Land auch immer (?) einen Mix aus Death Metal, Hardcore und Grindcore spielen und dabei Death Metal-Riffs verbraten (Hört! Hört!) finde ich so gar keine Informationen, die ich euch darüber hinaus geben könnte. Sehr abenteuerliche PromotionÉ Wie auch immer: Die Gitarren scheppern schön krachig, nicht gerade glöckchenklar, dafür aber immerhin mit einem gewissen Charme. Der Bass knötert schön brummelig zwischen den Klepper-Kleffer-Klapper-Drums hindurch, so dass sicherlich nicht nur mir als erstes AUTOPSY in den Sinn kommen. Hin und wieder wildert man mal gaaaanz kurz bei SLAYER, um dann zum frühen US Death Metal der Sorte INCANTATION zurückzukommen. Die Hardcore-Anleihen beziehen sich da eher auf den Gesang, der mir recht gut gefällt, weil eben nicht nur gegrunzt, sondern eher im BENÜMB-Stil auch mal kräftig krank in normaler Stimmlage gebrüllt wird. Die Grindausbrüche klingen eher noch etwas schwächlich auf der Brust und machen einen größeren Trainigsrückstand klar. Wirklich hängen bleibt keiner der 10 Tracks, schlecht gemacht ist "Opressed/Deformed" aber auch nicht. DSK kann man folglich kennen, wirklich verpassen tut ihr aber nichts.
Nicht nur ich weinte der schwedischen Death Metal-Legende CENTINEX bittere Tränen nach. Umso hoffnungsvoller stimmte mich die Meldung, dass sich CENTINEX nun unter dem Namen DEMONICAL erneut zusammengefunden haben, wobei die ehemaligen Gitarristen Jonas und Johan nun nicht mehr mit an Bord sind, wofür der ehemalige CENTINEX-Sänger Johan an die Klampfe bei DEMONICAL gewechselt ist, der übrigens nebenbei bei REGURGITATE Bass spielt und bei UNCURBED trommelt, wobei er logischerweise die ein oder andere sehr angenehme Crust-Note mit ins Riffing hat einfließen lassen. Sein "Nachfolger" Ludvig am Gesang klingt eher nach dem alten CENTINEX-Sänger Mattias, so dass sich vor allem Fans von Frühwerken wie "Reflections" oder "Reborn through flames" auf "Servants of the unlight" freuen dürften. Überschalldrummer Ronnie, der nebenbei übrigens bei GRAVE trommelt, hat seinen Trainingsvorsprung mehr als nur hörbar in Szene setzen können: Die Anzahl an Bassdrum- und Snareschlägen auf "Servants of the unlight" ist unglaublich hoch, so dass ihr euch auf eine satte Packung schnellsten Death Metals gefasst machen solltet. DEMONICAL verlassen ein Stück weit die letzte CENTINEX-Marschroute, die von deutlich mehr Melodien und auch Gitarrensoli geprägt waren und spielen wieder mehr ursprünglichen, dunklen und diabolischen Schweden Death Metal früher Schule, jedoch mit einer modernen, druckvollen und unglaublich breiten Produktion versehen. DEMONICAL sind wie schon CENTINEX hörbares Kind von Basser Martin, der einen extrem individuellen Songwritingstil besitzt, so dass seine Kompositionen unter abertausenden anderer Death Metal-Bands nach kürzester Zeit herauszuhören sind. Folglich darf die CENTINEX Gemeinde das Weinen einstellen und sich auf einen rohen, brutalen Death Metal-Kracher erster Klasse aus dem schönen Schweden freuen. DEMONICAL sind bereits mit ihrem Debütwerk weit über meine Erwartungen hinausgeschossen, so dass ich abschließend hoffe, dass man nun mit DEMONICAL endlich den Respekt und die Anerkennung bekommt, die ihnen bisher mit CENTINEX verwehrt geblieben ist.
Wo Relapse Records drauf steht, ist auch Relapse drin: Noch vor einem Jahr prügelten die polnischen ANTIGAMA auf dem kleinen Label Selfmadegod dahin, mittlerweile ist man zu höheren Krachweihen durch besagtes Kultlabel berufen worden, so dass man sich nach nur einem Jahr und "Zeroland" nun mit "Resonance" lautstark und ebenso verwirrend wie in der Vergangenheit zurückmeldet. Die siebzehn Tracks bieten schroffen, technisch anspruchsvollen Grindcore mit Brutal Death Metal-Anleihen und technisch progressivem Anspruch, der folglich Jüngern von Bands wie CEPHALIC CARNAGE, aber auch von CYNIC oder NECROPHAGIST gefallen könnte. Die Technik hat bei ANTIGAMA größtes Gewicht und es ist fürwahr erschreckend, wie abartig genial die Herren mit Zählzeiten, Takten und vor allem unglaublicher Geschwindigkeit umgehen können. Hier ist nichts auch nur halbwegs eingängig, alle siebzehn Tracks wirken gleichermaßen verstörend bis chaotisch nervös, stets jedoch aber böse genug, um auch Kollegen wie MORBID ANGEL das Fürchten zu lehren. Sehr präzises Drumming trifft auf abwechlungsreiches Riffing und oberbrutalen, kraftvollen Gesang, wie wir ihn eigentlich nur von schwedischen Grindbands und einigen US Brutal Death-Combos kennen. Leider ist das Cover abermals völlig lahm und langweilig, so dass ich nicht zuletzt auch aufgrund der "exotischen", weil polnischen Herkunft einige Marktnachteile für ANTIGAMA befürchte. Deren Landsleute von VADER können im übrigen das manische, kranke Geprügelniveau nicht halten und ANTIGAMA weisen sich vergleichsweise mit "Resonance" als die besseren und verrückteren polnischen Techniker aus, wenn mir stellenweise jedoch auch das ein oder andere, konsequentere und durchgängigere Riffschema wie bei VADER besser gefallen hätte bzw. der Eingängigkeit der Scheibe zuträglicher gewesen wäre.
Auch aus unserem polnischen Nachbarland kloppen sich die TOXIC BONKERS aus den tiefsten Proberäumen einmal mehr zu uns durch. Immerhin seit 1993 im Rennen hat man international eher noch wenig Notiz von den fünf Death Metallern genommen, obgleich man im weiteren Ostblock bereits mit Bands wie NAPALM DEATH oder PUNGENT STENCH auf Tour gegangen ist. Auffällig ist der für osteuropäische Bands vergleichsweise gute und differenzierte Sound der Polen, die sowohl groovige Death Metal-Downstrokes im Angebot haben, als auch sanfte moderne Metalcore- bzw. Hardcore-Anleihen, die jedoch völlig klischeefrei in die Songs integriert wurden, ohne dass hier auch nur im geringsten irgendeine Trendreiterei betrieben würde. Sehr integrativ, intelligent und schlüssig gemacht! Hin und wieder laden die TOXIC BONKERS auf "Progress" auch zu einer herzerfrischenden Thrash-Hatzjagd ein, die in so manchem Old School Grindcoreausbruch gipfelt, ich denke NAPALM DEATH oder RIGHTEOUS PIGS sind hier sicherlich nicht ganz falsch erwähnt. Die Vocals sind recht diabolisch dunkel gebrüllt bis gegrunzt und stechen positiv hervor, vor allem, weil man sich hin und wieder gar traut, "echten" Gesang in die Songs einzubauen, der das Album frisch und aktuell klingen lässt, obgleich die Wurzeln der Truppe sicherlich im Frühneunziger Death Metal liegen. Ungewöhnlicherweise gibt's hier auch keine schwedischen Wurzeln zu erkennen, sondern mehr die alte US Schule, so dass neben alten IMMOLATION auch mal TESTAMENT durchschimmert, was ebenso am Gesang liegt. Schön und solide gemacht, zwar mit wenigen echten Highlights versehen, unter dem Strich aber alle Mal sein Geld wert und unbedingt von euch mal anzutesten.
Dänemark ist zweifellos schwer im Kommen, was nicht nur die momentan häufige, schwermetallische Inaugenscheinnahme der dortigen Szene seitens Presse bezeugt, sondern natürlich vor allem auch eine Reihe mittlerweile international hoch geschätzter Acts oder Bands, die gerade dabei sind, richtig durchzustarten, so dass ich mir Namen hoffnungsvoller Acts wie RAUNCHY, MNEMIC oder PANZERCHRIST neben dänischen "Klassikern" wie ILLDISPOSED oder HATESPHERE möglicherweise schenken kann, um dem bisherigen Metalszene-Nischenkandidaten Dänemark seine vollste Daseinsberechtigung abermals auszusprechen. Auch die dänischen COMPOS MENTIS schicken sich an, mit ihrem zweiten Album "Gehennesis" von der momentanen Überaufmerksamkeit zu profitieren. Gleich zu Beginn ließe sich ins Feld führen, dass sicherlich die Keyboards über Erfolg und Misserfolg des Unternehmens entscheiden werden. Der zum Teil recht melodische Death Metal ist ganz nett gemacht, immerhin ausbaufähig produziert (Gehobenes Undergroundniveau) und ansonsten auch von einigen sehr geilen melodischen Ideen gespickt, die mal groovend, dann im mittleren Tempo bei nicht allzu hoher Brutalität klassisch skandinavisch vorgetragen werden. Um zurück auf die Tastenklimperei zu kommen: Ich finde die Keys zu wenig integrativ, sie "verbilligen" den ansonsten eher sauberen Eindruck und führen ärgerlicherweise verstärkt vor Augen, wie viele Riffs sich auf "Gehennesis" wiederholen und wie simpel doch so manches Riff gestrickt wurde. Ich möchte nicht unbedingt von heißer Stricknadel sprechen, aber vom nächsten Überflieger ganz sicher auch nicht. Könnte auch damit zusammenhängen, dass ich CRADLE OF FILTH selbst und deren Einflüsse in noch keiner Band (wie eben bei COMPOS MENTIS) gemocht habe und die referenzfähigen MERCENARY ebenfalls nicht zu meinen Lieblingsbands zählen. Na jaÉ Wer letztgenannte Bands mag und auf billige, einfache Cover steht, möge kaufen.
Die neue EXMORTEM? Ne, da steht aber SPECTRAL MORTUARY drauf! Stecken aber 3/5 EXMORTEM drin und die Marschroute Brutal US Death Metal im Fahrwasser von MORBID ANGEL plus SUFFOCATION ist die gleiche. "From hate incarnated" brettert ziemlich fett aus den Boxen und gefällt mir auf Anhieb auch weitaus besser als die letzte Scheibe der eigentlichen Stammband der Dänen, sieht man vom einzigen Schwachpunkt der gar zu leiernden Gitarrensoli der Marke SLAYER-meets-kaputte-verstimmte-Gitarre in Überschallgeschwindigkeit ab, die gelegentlich doch nerven. Großes Plus der Band sind sicherlich die messerscharfen, unglaublich tighten Drums, die jegliche Membran binnen Sekunden zu zerhäckseln vermögen. Auch der Gitarrensound ist ansonsten sehr homogen, im Klangbild ordentlich verteilt und sehr druckvoll, so dass sich ein echtes Death Metal Riff-"Rundum-Klangerlebnis" einstellt, welches trefflich passend vom punchenden Bass flankiert wird. Morten am Gesang zieht alle Register und lässt seine Stimmbänder gefühlte zwei Meter erscheinen, dessen Länge er bis in die tiefsten Abgründe ausreizt, ohne an brutalem Growl zu verlieren, klasse gemacht! Um Mighty Records war es ja eine Weile eher ruhig, nach und nach kommen die Dänen aber wieder stark zurück ins Geschäft und ich denke mit der entsprechenden Supporttour dürften SPECTRAL MORTUARY in nicht allzu langer Zeit ein Wörtchen im gehobenen Undergroundsegment mitsprechen. Machen wir uns dennoch nichts vor, Brutal Death Metal ist und bleibt Underground und wird niemals allzu massenkompatible Musik sein. Fein soweit.
Vorsicht! PIG DESTROYER sind alles andere als KindergeburtstagÉ "Phantom limb" donnert wie schon die alten Releases der wahnsinnigen Krachmaten stets mit einem frischen Quentchen Spontaneität durch die Boxen. Die Songs sind quasi immer in Bewegung und der akustische Gang durch die Welt von PIG DESTROYER gleicht einem Hindernissparcour mit zwei entsicherten und geladenen Maschinenpistolen am Hosengürtel. Von einer auf die nächste Millisekunde rasieren dir die Burschen mal ganz in ultrabrutaler Slow Motion Groove-Grind Manier den Schädel, verkloppen dir aber selbigen einen Hauch von Augenblick später wie ein frisierter Schlagbohrer auf Speed, während fiese Gitarrennadeln deine Gehörgänge zerstechen. Recht höhenlastiger und bassarmer Sound zwar, was mich aber richtig anfixt ist der fortwährende, abartige Geruch des Grindcore, der Unmittelbarkeit, der Gestank von Proberäumen und Bier. Hier klingt garantiert nichts aufgesetzt oder konstruiert, die Welle der sich eröffnenden Gewalt fließt einfach wortlos durch dich hindurch. In Sachen Kompromisslosigkeit spielen die Jungs ohne Frage in der NASUM-, ROTTEN SOUND-, REGURGITATE- oder RETALIATION-Liga, sind aber immer noch indivduell genug, um PIG DESTROYER ganz klar und abgegrenzt im weiten Feld der Ballerbands wahrzunehmen. Bliebe ein schweinecooles Coverartwork zu erwähnen, weches auch den letzten Zweifler endgültig an seine Geldbörse fassen lassen sollte, um ganz fix Bares für "Phantom limb" auf den Tisch zu legen. Die Scheibe ist zwar bei 39 Minuten Länge nicht ohne Folgeschäden oder Schmerzabstumpfung hinnehm- bzw. aus Ausdauergründen hörbar, aber versuchen könnt ihrs ja. Harter Test für Nerven und Ohren.
Auf kaum eine Scheibe aus dem Hause Relapse Records habe ich mich in den vergangenen Monaten mehr gefreut als auf die neue CEPHALIC CARNAGE-Scheibe. Die unbestrittenen Kings of Ich-zersäge-die-Bühnenluft-mit-meiner-Gitarre-während-ich-kaum-nachvollziehbare-brutale-Fickelkapriolen-spiele schießen mit "Xenosapien" für meinen Geschmack leicht über das Ziel hinaus. In der Vergangenheit hatten die Sickos noch dieses trashig kaputte Moment, das bei aller Ballerei noch für ein fettes Grinsen sorgte. Unvergesslich die schlechten Samples und IntrosÉ Mittlerweile scheinen es die Spassvögel aber ernster als je zuvor zu meinen, was zumindest aus musikalischer und kompositorischer Sicht nicht erst jetzt sondern schon immer voll berechtigt war. Leider geht bei allem wirren Gewichse der Spaß ein wenig verloren und die früher stärker vorherrschende Brutalität ist einer kaum noch nachzuvollziehenden Frickelwut gewichen, die bei allem technischen Können den Songs die Durchschlagskraft raubt. Ja verdammt! Man darf auch mal einen Akkord länger als zwei Schläge aushalten und statt 24 Riffs in 2 Minuten würde ich schon mit der Hälfte besser klarkommen! Vielleicht suche ich auch ein Haar in der Suppe, in der gar keines ist. CEPHALIC CARNAGE sind quasi die logische Fortführung brutalen US Death Metals, der durch die brutale Grindsuppe gezogen wurde und mit Urwurzeln á la ATHEIST, DEATH und CYNIC gespickt wurde, deren Niveau man aus spielerischer Sicht hier locker übertrifft oder zumindest einstellt. Extrem brutaler, avantgardistischer Progressive Hyperblastgrind, der das Zeug dazu hat, zukunftsweisende neue Grenzen aufzuzeigen, die in Sachen Spielkultur ein beängstigend neues Extremniveau aufweist, der kaum eine andere Band das Wasser reichen kann. Aber was nutzt alle Technik und ein wie hier vorliegender superb brutaler Sound, wenn die Songs auf der Strecke bleiben und Brutalität einzig durch technische Kapriolen ersetzt wird. Zweifelhafte Scheibe.
Was für ein ÜberfliegerÉ Geschätzte zehn Mal am Stück habe ich gebraucht um DARKEST HOUR mit "Deliver us" zu verdauen. So hätte ich mir die Fortführung jenes Stils gewünscht, den IN FLAMES nach den ersten beiden Alben einschlugen, einem Weg, den die Schweden jedoch mittlerweile zu gunsten kommerziellerer Klänge leider verlassen haben, ein Stil, den die in den USA schwer angesagten DARKEST HOUR jedoch aufgegriffen und rabiat verfeinert und nochmals modernisiert haben. Melodischer Schwedentod deluxe, aufgewertet durch moderne Anleihen aus dem Metalcore-Bereich (Gesang!), ohne dass hier allzu trendgerecht musiziert oder bereits Bekanntes zitiert würde. DARKEST HOUR verbinden mächtigen Drive, einprägsames Riffing und eine top Produktion von Devin Townsend zu einem Meisterwerk, welches bei Erscheinen international für sperrangelweite Münder sorgen wird! Vor allem die hochmelodiöse Soliarbeit ist derart filigran und vielfältig, dass mir die Spucke wegbleibt. Endlich mal wieder richtige Soli ohne sinnloses Gefrickel, mit Spannungsbögen ohne Ende und doch gibt es ausschließlich homogene Songs statt einem bloßen Zurschaustellen musikalischer Finessen und Technikgehudel. Auch das eher bunte Coverartwork ist absolut exzellent und außergewöhnlich geworden, so dass kein Zweifel darüber herrschen sollte, wer in Kürze IN FLAMES, KILLSWITCH ENGAGE oder SHADOWS FALL den Rang ablaufen sollte, wobei auch das SOILWORK-, DARK TRANQUILLITY-Lager erhebliche Konkurrenz bekommen hat. Dennoch muss ich nochmals auf den hohen Härtegrad und teilweise immensen Speedgrad hinweisen, mit dem DARKEST HOUR hier zu Werke gehen. Neben den Highspeedriffs und Speedsoli brillieren aber ebenso die groovigen Moshparts, die live absolut ihre volle Wirkung entfalten und einige Schädel spalten werden. Auch die modern orientierte Hardcoregemeinde darf hingebungsvoll lauschen. Genau SO spielt man eine endgeile moderne Scheibe mit massenhaft vorhandenen Hits ein!
Bands mit leichtem SLAYER-Einfluss gibt es wie Sand am Meer, dennoch sollen auch MAN MUST DIE ihre klitzekleine Daseinsberechtigung erhalten, wenn sie auch natürlich nicht an die Originale heranreichen, die sie (bei aller seitens Label proklamierten Nähe zu SLAYER) in einigen Riffs grundsätzlich nicht erreichen. Überhaupt klingt "The human condition" mehr nach allzu typischem US Death Metal mit DEICIDE-, INCANTATION-, VITAL REMAINS- und MORBID ANGEL-Einschlag. Vor allem der tief gurgelnde Gesang positioniert MAN MUST DIE ganz klar in der Brutalo Death Metal-Ecke. Einige sanft eingewobene Melodien machen das Album zum Teil doch abwechslunsgreich und phasenweise interessant, leider gibt es doch einige Schwächen im Blastspeed-Bereich, da vor allem die Bassdrum und Snare nicht genügend punchen bzw. Druck aufbauen. Wer braucht schon eine Brutal US Death Metal-Scheibe, auf der das Schlagzeug eher nach Black Metal klingt?! Die Geballerkurve nimmt mit dem Verlauf der Albums noch einmal zu, obgleich hin und wieder einige Midtempo-Grooveparts verblasen werden, die die Scheibe auflockern und live sicherlich zu den umjubelten Stellen gehören werden. Dennoch bleibt ein Album, dass insgesamt nicht richtig zu überzeugen weiß. Es ist mir etwas schleierhaft, warum sich gerade ein Krachspezialist wie Relapse Records eine solche Band in ihre Reihen holt, ist man doch gerade aus deren Haus weitaus mehr Individualität, Wahnsinn und unglaublich brutalere bis durchgeknalltere Releases gewöhnt als dieses biedere Standard Brutal US Death Metal-Album, bei dem einfach nichts neues oder aufregendes passiert. Sehr schade.
CARNAL FORGE hatten in den letzten Jahren viele persönliche und personelle Rückschläge zu verkraften, was sie jedoch nicht davon abhielt, sich nach langen Jahren Abstinenz mit "Testify for my victims" zurückzumelden. Schmerzlichster Verlust ist sicherlich der Fortgang von Sänger Jonas Kjellgren, dessen Nachfolger Jens nur unzureichend in dessen übergroße Fußstapfen zu treten vermag. Die zwölf neuen Stücke der schwedischen Death Metaller, die sich nie für großflächige Thrashriffs zu schade sind, sind zwar einerseits handwerklich geschickt und anspruchsvoll gemacht, letztlich lassen sie aber einiges an brutaler Kraft vermissen, was das Album ins Mittelmaß zieht. Einzig die zum Teil sehr einprägsamen Refrains heben CARNAL FORGE aus dem Mittelmaß hervor und positioniert die Schweden damit phasenweise auf Augenhöhe von SOILWORK oder IN FLAMES, ohne dass die Bands ansonsten allzu viel miteinander gemein hätten. Die typisch schwedische Note kommt mir leider zu selten hindurch. Gutes Beispiel ist sicherlich ein mittelmäßiger Track wie "Burning Eden", der superstark schwedisch und zwingend beginnt, dann aber in ein flaches, altbekanntes Standard US Thrash-Geballer verfällt und dann beinahe Metalcore-mäßig und allzu gezwungen modern abdriftet und den roten Faden verliert bzw. nur noch im Refrain Freude aufkommen lässt, während sich die Hintermänner in zum Teil belanglosen Thrashriffs verlieren, die Mitstreiter wie z.B. HATESPHERE, wegen mir auch CATARACT, einfach besser und kompromissloser drauf haben. Candlelight wollten CARNAL FORGE mit diesem Album die Chance zum Comeback geben, andererseits hat sich gerade in den letzten drei Jahren in der Szene soviel entwickelt und verändert, dass es die Schweden schwer haben werden, wieder im oberen Drittel der Szene anzuknüpfen und weiterhin ein paar gewichtige Worte mitzureden. Letztlich befürchte ich, dass CARNAL FORGE mit diesem Werk nicht mehr über den gehobenen Undergroundstatus hinauskommen werden. Dafür hätte man einfach noch mehr Zeit in einen besseren Spannungsaufbau und homogenere Songs stecken müssen, die weniger zusammenkonstruiert und gebastelt klingen wie auf "Testify for my victims". Schade.
Die japanischen Grindcore-Maniacs von BATHTUB SHITTER, die man aufgrund des nervenzerfetzenden Wechselgesangs zwischen erwürgtem Singvogel, tollwütiger Nebelkrähe und trächtiger Wildsau einfach lieben oder hassen muss, werfen uns via Power It Up Records einen amtlichen Livemitschnitt ihres 2004 absolvierten »Gigs auf dem Giants of Grind«-Festival vor die Füße, der amüsanterweise "Shitter at Salzgitter" getauft wurde. Waren BATHTUB SHITTER auf ihrer Kult 10"-Scheibe "Wall of worlds" nahe am Königsthron vertonter Urgewalt, haben sich die Japaner in den letzten Jahren leicht verändert und gewandelt. Mehr rhythmische Spielereien, rockige Einsprengsel á la CSSO, Tempowechsel und unerwartete Breaks erschweren den Zugang leider etwas, glücklicherweise kommt jedoch auf "Shitter at Salzgitter" auch der ein oder andere ältere Kracher der Jungs aufs Tablett. Der Liverelease glänzt mit spontanem, ehrlichem Charme, hier wurde garantiert nichts nachbearbeitet oder ausgebessert und man kann den untrüglichen Geruch des Grindcore wahrlich riechen, wofür ein herrlich brutal schepperndes Schlagzeug, ein bitterböse gurgelnd verzerrter Bass und der besagte Wechselgesang sorgen. Leider geht die Gitarre etwas unter und lässt den Druck etwas vermissen, der vor allem die älteren Studioreleases der Japaner zu echten Gewaltjuwelen macht. Sei es drum, nicht nur für die, die da waren, haben BATHTUB SHITTER einen wertigen Release hinterlassen, auch Neueinsteiger seien mit "Shitter at Salzgitter" herzlich eingeladen, die Welt der völlig wahnsinnigen Stöpsel zu entdecken, die zwar kaum bis zur Tischkante reichen, dafür aber mit filmreifen Kung Fu-Sprüngen in Kamikaze-Manier sämtliche Liveshows zu denkwürdigen Abenden werden lassen. Leider fehlt auf dem besagten Release dieser visuelle Aspekt, aber der auditive Eindruck allein genügt als Kaufempfehlung, wenn man mit einem eher schwachen Gitarrensound leben kann.
In letzter Zeit kommen immer häufiger CD-Releases auf den Markt, bei welchen alte Vinyl-Singles lieblos zusammenkompiliert und zu neuem Geld gemacht werden. Es soll ja immer noch Menschen geben, die keinen Plattenspieler haben, gell? Nicht so im Falle von BLOODRED BACTERIA, die mit "Kiss the goat" einen anderen Weg gewählt haben. Die bereits bekannten Songs der nur noch schwer erhältlichen Split-Releases mit TOTAL FUCKING DESTRUCTION, BASTARD NOISE, SWARRRM, AGATHOCLES, RUINED oder ABSCESS wurden im März 2006 allesamt neu in die Rillen gefräst und abermals aufgenommen, was vor allem einen homogenen Gesamtsoundeindruck der Scheibe hinterlässt, was bei sonstigen, ähnlichen Zusammenstellungen alter Tracks anderer Bands sonst häufiger als hörbarer Minuspunkt wahrzunehmen ist. Den Komplettisten unter euch sei hiermit ebenfalls gesagt, dass ihr mit "Kiss the goat" nunmehr wirklich alle Songs der Überschallgrinder der Jahre 2000 bis 2006 auf einer CD kaufen könnt, was an und für sich eine feine Sache ist. Stilistisch prügeln sich die vier Sickos durch rumpeligen, teils groovigen Grindcore, der immer wieder von fies scheppernden Blastspeedparts durchzogen wird. Hin und wieder hört man hier die frühe Old School Achtziger Highspeed Hardcore-Schule durch, zu der sich apokalyptischer Doom Crust und fiese Death Metal-Anleihen gesellen. Stilistisch sicherlich nicht weltbewegend oder aufregend anders, dafür aber mit Hingabe gespielt und hörbar ehrlich und brutal aufgenommen, so dass ihr auch aufgrund des gelungenen Layouts zugreifen dürft, egal ob ihr nun auf REGURGITATE, alte NAPALM DEATH, EXTREME NOISE TERROR oder GENERAL SURGERY steht.
Mein Kumpel Aykut hat mich wieder einmal mit neuem, exotischen Stoff versorgt: Zunächst möchte ich euch die türkischen HECATOMB vorstellen, die auf "Impaled apocalypse" bitterbösen Gurgel Death Metal in us-amerikansicher Manier bieten. Teilweise grooven die Herren recht munter drauf los und würden damit auch im Vorprogramm von Bands wie SKINLESS oder REGURGITATE bestens bestehen können. Dicht auf Grooves gefolgt beherrschen die fünf türkischen, finster drein blickenden Jungs ebenso die hohe Kunst abwechslungsreicher und dennoch schwer brutaler Blastspeedattacken, die sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken brauchen. Die Scheibe ist recht basslastig ausgefallen, woran sicherlich ebenso die hörbar heruntergestimmten, breitwandigen Gitarren Anteil tragen. Die Drums scheppern schön schwer und lässig, vor allem aber genügend druckvoll, um eurer heimischen Anlage den Staub aus den Boxen zu pusten. Trotz des vergleichsweise hohen spielerischen und kompositorischen Könnens nebst individueller eigener Note haben die Jungs zwar noch die ein oder andere Schwäche beim tiefen Wildsau-Gurgel-Gesang, der nicht immer richtig böse gurgelnd genug bzw. leicht nachbearbeitet klingt, machen die fünf jungen Türken aber so weiter und arbeiten ein wenig am Gesang, dürften ihnen in naher Zukunft alle Death Metal-Tore geöffnet werden. Der Sound stimmt, die Aufmachung ist mehr als gelungen, bliebe für euch also nur einen geeigneten Weg zu finden, diese türkische Pressung zu euch nach Hause zu holen. Am einfachsten versucht ihr es über www.poemproductions.com , die noch einige Perlen mehr im Band-Stall stehen haben. Weiter so!
Recht banal aber irgendwie martialisch wirkend lässt das Cover von UCK GRIND noch keinen wirklichen Rückschluss auf die Musik zu, obgleich der, wie sich später herausstellt falsch betitelte Zusatz "Grind" eine erste Interpretation zulässt, dem die Band nicht gerecht wird . Der Titel "The human race must be destroyed" wirkt provokativ, so dass die anfänglich große Neugierde sogleich gestillt werden musste: UCK GRIND poltern schwermütigen, groovigen Death Metal, der verdammt nach ganz alter Schule klingt. Ich denke Fans, die sich eine Mischung aus CELTIC FROST (Riffs und Gesang), WARHAMMER, frühen PUNGENT STENCH und alten HOMO IRATUS vorstellen können, dürfen hier ungehört und ungesehen zuschlagen. Die Jungs stammen aus der Türkei und haben mit dem türkischen Label Poem Productions die Möglichkeit bekommen, mit diesem Release über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden, was ihnen aufgrund der martialischen Gesamtstimmung und der Old School-Anleihen problemlos gelingen dürfte. Die Scheibe wurde selbstredend in der Türkei eingezimmert und kann, insofern man auf Achtziger Sounds steht, problemlos im Underground-Zirkus mithalten. Recht witzig sind die wenigen, natürlich für mich völlig unverständlichen türkischen Texte, die sich zu den restlichen, englischsprachigen Titeln hinzugesellt haben und verdammt exotisch klingen, was einen Kaufgrund sicherlich rechtfertigt. Unter dem Strich zwar sicherlich ausbaufähig und bisweilen für mich ein wenig zu stumpf und banal, dafür aber mit aller Konsequenz vertont und in die Rillen gefräst, dürfen alle Freunde simpler Brutalität gerne zuschlagen.
Die polnischen BEHEMOTH gehören ohne Frage zu den beliebtesten weil kompromisslosesten Bands auf den Metal-Bühnen dieser Erde. Mit "Zos kia kultus" haben sich die Polen ein Jahrhundertwerk erlaubt, welches sie mit ihrem letzten Album "Demigod" nochmals nahezu toppen konnten. Umso größer war die Erwartungshaltung für "The apostasy", wenngleich mich das ungute Gefühl, diese Werke nicht mehr toppen zu können, von Anfang an befiel und sich letztlich mit "The apostasy" bestätigte. Natürlich gibt es kaum Bands, die das spielerische Niveau der Extremst Death Metaller, die stets am Rande der Lichtgeschwindigkeit Unmenschliches und für Musiker eigentlich nicht mehr Greif- oder Spielbares zelebrieren, auch nur annährned toppen können. Im engen Fenster von NILE (auch hier: vergleichbare Melodiekonstruktionen!), CRYPTOPSY, KATAKLYSM, MORBID ANGEL oder VADER gibt es wahrlich kaum Bands, die hier noch mitreden können. Schwachpunkt der Scheibe sind die partiellen Rückbesinnungen in langsamere, epische Black Metal-Gewässer, die dem Album zum Teil den Drive rauben und komisch bzw. zu abstrakt und aus dem Zusammenhang gerissen wirken. Auch die superschnellen Frickeleskapaden und wahnwitzigen Rhythmik- und Taktabartigkeiten sind noch vorhanden, allerdings haben diese nicht mehr die schonungslosen Schlächterqualitäten ihrer Vorgängeralben. Das Album ist keineswegs schlecht, ich denke lediglich, dass BEHEMOTH an eine Grenze gekommen sind, an der sie umdenken müssen oder eine Zäsur brauchen, um sich auf ihre untrüglichen Stärken zu besinnen. Der gelegentliche Rückbezug auf die musikalische Vergangenheit der Polen, die immerhin stets das Death- und Black Metal-Lager gleichermaßen zu vereinen wussten, ist wie im hier vorliegenden Fall zum Teil etwas zu unausgereift und einfach an den Vorgängeralben bemessen der falsche Weg. Da wäre mehr drin gewesen.
Zusammenstellung: Dirk