Stoner-Rock-Freunde werden mit dem Namen BRANT BJORK durchaus etwas anfangen können, gründete er doch einst KYUSS. Nun, mich hat das gesamte Genre eigentlich nie so richtig interessiert und das wird »Somera Sol« sicherlich auch nicht ändern. Nummern wie "Turn yourself on" sind zugegenermaßen nette Wüstenfuchs-Dreiminüter mit trockenem Funk-Einschlag, doch in den 70er Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, so etwas als revolutionär oder künstlerisch besonders wertvoll zu bezeichnen. Das wäre auf den kommerziellen amerikanischen Radiostationen zwischen BLOOD, SWEAT AND TEARS und GOLDEN EARING gelaufen. Wem das reicht, der sollte hier natürlich zuschlagen. Denn es soll ja auch Leute geben, die WOLFMOTHER als die Wiedergeburt von LED ZEPPELIN feiern.
Lee Dorian und sein kleines aber feines Label Rise Above Records kehrt nach einer (selbstauferlegten?) kreativen Pause zurück. Und das erste neue Signing ist gleich ein absoluter Volltreffer, der sich im Bezugssystem meiner persönlichen Faves der Firma hinter CATHEDRAL gleich auf Platz zwei schiebt - und das ziemlich souverän. Gleich nach dem ersten Zischen der Synthesizer bei "Destroy the Mothership" weiß ich, das ist's. Spacerock der allerersten Güte, der zwar HAWKWIND und die ganz, ganz frühen MOTÖRHEAD als Referenzpunkte besitzt, aber vom Sound her alles andere als in den Siebzigern stehengeblieben ist. »Planetfall« von LITMUS ist auf einer Stufe mit den italienischen WICKED MINDS anzusiedeln (wenn auch nicht so doomig, sondern eher rockig), die den Spacerock über die letzten Jahre hinweg ja eigentlich erst wieder bei einem neuen Publikum hoffähig gemacht haben. Vergeßt Poser wie WOLFMOTHER, das ist hier das wirkliche Ding!
Mensch, Massacre Records existieren immer noch ... den Plan haben sie schon längst verloren. Was aber auf der anderen Seite nicht heißt, daß nicht auch ein blindes Huhn mal ein Korn findet. Dieses Huhn hört auf den Namen CORONATUS, im Grunde genommen sind es gleich zwei Hühner, denn die deutsche Gothic-Formation wird gleich von zwei Frontfrauen angeführt. »Lux Noctis« beginnt orchestral, um dann gleich schnell in genretypischen, aber gar nicht mal so schlechten Gothic Metal umzuschwenken, ganz im Stile von NIGHTWISH oder WITHIN TEMPTATION. Die Messages innerhalb der Songs "This is a promotional CD" werdet Ihr auf Eurer CD wohl nicht hören, obwohl, bei Massacre weiß man ja nie ... Wem eine zweitklassige Kopie handelsüblicher, aktueller Gothic-Metal-Bands ausreicht, der kann bei CORONATUS ohne Frage nicht viel falsch machen ...
DAYDREAMER sind noch eine recht junge Band aus der Schweiz, die aber bereits mehr als nur gute Ansätze zeigt. Die elf Songs des selbstbetitelten Albums haben Hand und Fuß, die Gruppe hat sich wirklich Gedanken über ihren Sound gemacht, der gar nicht so einfach zu beschreiben ist. Der Beat ist sehr heavy und melancholisch, deswegen zieht der Vergleich mit BLACK SABBATH auf jener Ebene durchaus, die Vocals dagegen sind melodisch und hoch, die Songstrukturen einigermaßen vertrackt, die Orgel sorgt hier und da für Gänsehaut-Atmosphäre. Vielleicht ist »Daydreamer« in der Tat die Scheibe, die BLACK SABBATH anstatt von »Eternal Idol« hätten herausbringen sollen.
Endlich mal wieder ein klassisches Doom-Meisterwerk, das voll zwischen die Zähne trifft. Da die ehemaligen Meister des Genres, also CATHEDRAL, CANDLEMASS und Konsorten, ja bereits längst den Plan verloren haben, liegt es nun an den neuen Bands, die Fahne hochzuhalten. Kaum einer schafft das besser als WALL OF SLEEP aus Ungarn, die mit »... and Hell followed with him« ein schnörkelloses Doom-Album der höchsten Qualitätsstufe abliefern, irgendwo zwischen ST. VITUS, PENTAGRAM und TROUBLE. Erschienen auf I Hate Records.
Zusammenstellung: Matthias Mader
Das neue LEICHENWETTER-Album schließt nahtlos an den Vorgänger an. Wieder gibt es Gothic-geschwängerte Musik, die mit einem leichten Metal-Unterbau in Form gebracht wurde. Über allem schwebt wieder die Bariton-Stimme von Numen, der alte Gedichte zum besten gibt. U.a. Schiller, Goethe, Hesse. Paßt nach wie vor brutal zur Musik, wie auf's Auge gezimmert. Hörten unsere Altvorderen doch andere Musik? »Klage« wandelt so zwischen Klassikern und düsteren Weisen, spielt zaghaft mit Motiven oder hämmert sie dem Hörer aggressiv um die Ohren. Numen ist zuweilen stark in den Vordergrund gemixt, dominiert über weite Strecken die Darbietung. Vielleicht wären eine paar fette Beats mehr nicht schlecht gewesen.Aber dies ist auch der einzige (kleine) Kritikpunkt meinerseits.
Von der Küste stammen MAINPOINT, die mit »Under Water« ihr mittlerweile viertes Album erschaffen haben. Auch sie zieht es in die rockende Gothic-Ecke. Die sonore Stimme von Axel prägt ebenfalls die Musik, kann aber von der Ausdrucksstärke nicht ganz so überzeugen wie Numen und klingt über weite Strecken einfach zu typisch düster-poppig. Aber das ist auch die Grundstoßrichtung. MAINPOINT sind für meinen Geschmack zu softig, zu poppig. Das hört sich alles nett an, oftmals wünscht man sich aber mehr Druck. Daß sie durchaus flott sein können, beweisen sie mit "Craving Pt.II". Und "Radioactive" hat zumindest im Refrain etwas wie eine gigantische Hymne.
WINTERS sind auf Lee Dorians Label und schrammen knapp an einem Verweis vorbei. Es gab da schon eine Band namens WINTER, die dem erweiterten Genre zuzurechnen war. Die Fabrikateure von »Black Clouds in twin Galaxies« verwenden nur eine minimale Abwandlung. Auch wenn man sich eher von HENDRIX, CREAM oder den frühen NIRVANA inspiriert sieht und eine gehörige Portion Jam und Stoner reinmischt, der schwere Doomaspekt kommt nicht von alleine angeschwebt. Und wer sich dafür interessiert, weiß um solche heiklen Dinge. Gerade mal so auf dem Grat entlangbalancierend, schaffen es WINTERS aber auch nicht wirklich, mich zu begeistern. Mal ist man gewillt zu sagen, geht doch, dann wird es schon wieder "naja". Liegt eben an den Einflüssen, die irgendwo in den '60ern liegen. Nein, kein Beat und Garage ist es auch nicht. Da hat man sich schon gut verstellt. Und die Stoner-Angewohnheit, daß Ende vor Jamsessions nicht zu finden, umgehen WINTERS ebenfalls weitestgehend geschickt, auch wenn der Hang ansatzweise vorhanden ist. Aber Andeutungen reichen ihnen bisher. Dafür wird die Heavieness durch den Gesang verwässert. Der hat zwar durchaus eine leicht charismatische Stellung, setzt jedoch die Schwere der Musik nur ansatzweise um. Aber vielleicht ist dieser teilweise kontrapunktische Ansatz von der Band gewollt. Fakt ist, daß WINTERS 'ne Menge Leute begeistern könnten und bei noch mehr auf Achselzucken treffen sollte. WINTERS sind eindeutig sehr breit aufgestellt und fordern überall die Hörer heraus, sich aus den üblichen Genre-Bahnen herauszubewegen. Letztlich fehlt der Scheibe aber irgendwo die Griffigkeit, die Songs bleiben bei mir nicht unbedingt hängen, nicht einmal ein bißchen. Es plätschert unterhaltsam, mehr nicht.
Italiener sind immer ein Garant für "extreme" Musik. Extrem meint hier oftmals, daß die Musikusse aus der Örtlichen stammen... APOSTULUM verbreiten oftmals auf ihrer CD »Anedonia« den selben Eindruck. Man will sich an Doom Deather wie MY DYING BRIDE oder PARADISE LOST orientieren, doch das Ergebnis ist nur bedingt hörbar. Man könnte ja sagen, ein gewisser amateurhafter Charme weht durch die CD. Nur ist es knallhart alles andere als charmant. Es hört sich teilweise recht hingestümpert an. Die Atmosphäre stimmt vielleicht, die Umsetzung läßt allerdings zu wünschen übrig. Vor allem gesanglich ist es recht mager. Da paßt nix zueinander. Und die atmosphärischen "Ideen" aus dem Schnellbaukasten halten einer näheren Betrachtung auch nicht stand. Greift man doch lieber zum Original! Und auch die Coverversion-Anbiederei mit KATATONIAs "Brave" ändert nichts.Ziemlich billig.
HIM... Ville ging mir mit seinem Säusel-Zucker-Organ eigentlich immer auf den Keks und dazu die Kleinmädchen-Musik... Widerlich! Doch das neue Album »Venus Doom« finde ich streckenweise richtig Klasse. Wimp ich jetzt aus? Vielleicht liegt es daran, daß Ville nicht mehr ganz so schmierig singt und streckenweise ein wenig Härte draufgepackt wurde. Dazu kommen unglaublich schöne und düstere Melodie-Kompositionen, die an sich schon fast süchtig machen. Glücklicherweise verfalle ich dem morbiden Charme nicht komplett, denn die Songs sind arg ausgewalzt und verlieren dadurch an Biß und Ville bemüht sich zwar, verfällt aber immer noch leicht in Rumgeseiere. Dazu kommt manchmal eine zu große Portion Pop-Schmalz.
TAAK sind irgendwo 70er-mäßig, mit vielen Orgeln, viel Psycho und Doom-Schwere. Dabei passen sie eigentlich nicht so richtig in diese Schublade, denn sie können durchaus recht flott agieren. Da erzählt man ja gerne vom Hardrock. Nur greift das irgendwie auch nicht wirklich, weil trotzdem ein metallischer Eindruck entsteht. Keine Frage, TAAKs CD »Koerapööriöö« ist nicht wirklich einfach einzutüten. Dennoch dürfte sich in erster Linie die 70er-Fraktion mit einem Hang zur Schlafmützigkeit angesprochen fühlen. Bei mir ist das Ding erstmal in die Dauerrotation übergegangen. Es wird mit jedem Durchlauf noch einen Tick besser. Die Jungs aus Estland sind völlig geil.
Naja, bei CENTURIONS GHOST gibt es gleich ein paar Anmerkungen. Erstens ist »The great Work« nicht sonderlich großartig. Das Debüt hatte mir noch recht ordentlich gefallen und so war ich natürlich gespannt. Doch irgendwie ist der Doom-Anteil jetzt eher ein wenig kleiner geschrieben. Und dann hatte ich den Eindruck, daß Debüt würde Doom-metallig sein, während ich nun nicht umhin komme, eher einen deathigen Unterton zu vernehmen. Kurz, die neue CD reißt mich nicht gerade vom Hocker. Ach ja, einige Anmerkungen. Vielleicht hat eine Band wie CENTURIONS GHOST es einfach nicht nötig, einen Namen auf's Cover zu bappen... Aber ich find's eher hinderlich, wenn man erstmal nicht weiß, was man da eigentlich in der Hand hält. Nur wenn man die CDs eh nicht im Laden findet, ist es auch egal. Und wer nur drei CDs zu Hause hat, kann sich auch alle Cover bestens merken...
Richtig sind SIEBENSÜNDEN aber auch nicht, oder? »Teratologen« ist Sludge Core. Bei zwei Songs auf der CD kann man sich vorstellen, in welcher Manier die Skandis hier vorgehen. Was mir tierisch auf die Nüsse geht, ist der Gesang. Oder sollte ich besser sagen das Gekreische? Weil Gesang kann man in dem Sinne nicht sagen. Tonlage und Ausspracheart sind von der Sorte, 45er und dann ist endliche Ruhe! Und wenn man es genau nimmt, hält sich der musikalische Aspekt eh in Greenzen. Eine Aneinanderreihung von Tönen und Geräuschen, die kaum ein vernünftiger Mensch als musikalische Darbietung betrachten würde. Aber da unsereins ja eh nicht vernünftig ist, redet man ja schon bereitwillig diesbezeüglich von Musik, ähem. Als Witz am Rande sind SIEBENSÜNDEN ja auch für ein, zwei Minuten ganz brauchbar. Aber spätestens nach ein paar Minuten frag ich mich, die 45er an die Beule oder die Scheibe?
EVOKEN tummeln sich auch schon ewig in der Szene und haben den Doom Death mit ins Leben gerufen bzw. hatten sich mit in der Speerspitze der frühen Bands befunden. Damit kann man natürlich nicht groß rauskommen. PARADISE LOST und Co. gingen eher verkaufsträchtigere Gothic-Wege, EVOKEN sind langsam, böse und der Sänger knurrt herum. Dennoch sind die gezeichneten Melodien auf »A caress of the Void« durchaus verlockend. Das hat streckenweise Hand und Fuß. Und da der Gesang dann doch eher spärlich eingesetzt wird, geht es gut als melancholische Stimmungsmalung für die herbstliche Jahreszeit durch. Leute, die Doom Death jedoch nicht sonderlich abkönnen, sollten mal vorsichtig die Pfötchen von dem Silberling lassen, auch wenn John nicht durchgängig sein Organ strapaziert...
Zusammenstellung: Otger
Huh?! Fette Scheisse! SWALLOW THE SUN aus Finnland erobern mein Herz mit "Hope" im Sturm. Dicker Melodic Death Metal, der die Roots alter ANATHEMA und AMORPHIS in sich trägt, trifft auf nachdenklichen, alles andere als kitschigen Gothic Doom Metal der Sorte KATATONIA. "Hope" reiht sich damit ein in das Fahrwasser der eben genannten Bands und sollte Fans von INSOMNIUM, GREYSWAN oder MY DYING BRIDE sogleich im Ansatz gefallen. Der Sound kommt ausgesprochen druckvoll und boxenzerschmetternd daher, die Gitarren säbeln hier wirklich alles kurz und klein vor Druck. Bass und Drums vervollständigen das elegische Bombastmonster, so dass der Gesang, mal herrlich tief growlend, dann nachdenklich clean gesungen, wirklich bis in die Eingeweide vordringen kann. SWALLOW THE SUN sind für mich trotz Vorliegen des dritten Albums ein echter, bisher völlig unbekannter Newcomer, der sicherlich bei Erscheinen für große neue Fanzahlen sorgen dürfte, ist doch aus dem Bereich MY DYING BRIDE oder KATATONIA in letzter Zeit kein nennenswerter "Gegner" erwachsen. Die Finnen doomen und deathen euch acht Stücke lang langsam und pathetisch / episch / bedrohlich, aber stets tonnenschwer auf direktem Weg in die Hölle, genau so muss das sein. Hier gibt's nichts mehr anzufügen außer dem dringenden Rat, die Scheibe anzuchecken! Hören!
FUNERAL aus dem hohen Norden bzw. Norwegen legen mit "From these wounds" bereits ihr drittes Album vor. Angeblich seien die Norweger die depressivste Band der Welt, na ja. Eine grobe Mischung aus PARADISE LOST und MY DYING BRIDE verwächst hier zu einem bedrohlich schweren Lava Doom Metal-Monster, bei dem die Gitarren nach wie vor das Sagen haben und der sehr variable, mal cleane, mal brutale Gesang den nächsten Lavaschub bedrohlich ankündigt. FUNERAL sind gleichermaßen episch wie melancholisch, ohne auch nur im Geringsten weinerlich oder lasch zu klingen. Vor allem die akustisch cleanen Zwischenteile machen richtig Bock auf mehr und lassen FUNERAL zu einer wirklich eigenständigen Band mit echter, dauerhafter Daseinsberechtigung werden. Mag das Cover auch ein wenig profan und allzu stiltypisch aussehen, was "From these wounds" auf alle Fälle zum Highlight werden lässt, ist der geniale Sound, bei dem jeder Schlag als solcher wahrzunehmen ist und ein Gefühl der unmittelbaren Nähe sugeriert. Man glaubt tatsächlich, mit dem Kopf an der Verstärkerbox zu liegen, während im nach allen Seiten offenen Doom-Haus der Norweger von hinten ein peitschender Wintersturm in den Nacken prasselt. FUNERAL erzeugen bei aller Frostigkeit direkte Wärme von innen heraus, härten ab und machen immun gegen die Welt da draußen. Wenigstens für 57 Minuten. Nach fröstelnder Rückkehr bleibt einem immer noch, die Repeat-Taste zu drücken. Auf ein NeuesÉ
Die letzte MOONSORROW-Scheibe bzw. die Rezension dazu war meinerseits eine Schlacht um das Ringen nach Worten, eine Schlacht um die Suche nach neuen Superlativen. MOONSORROW kehren nun mit "V: Hävitetty" zurück, einer Scheibe, die lediglich zwei Songs beinhaltet, allerdings jeweils in halbstündiger Spiellänge. Ich bin der Ansicht, dass die Herren den Pathosfaktor, der die letzte epische Götterscheibe "Verisäkeet" auszeichnete, nun zu hoch geschraubt haben. Aus der beisswütigen Wikingersau ist der daheimgebliebene Hufschmied geworden, der wehmütig alten Schlachten nachtrauert. MOONSORROW übertreiben es mit der zur Schau gestellten Dramatik derart, dass die Songs ihren Sinn und ihre einstige unnachahmliche Schlüssigkeit verlieren und letztlich ihrer wahrnehmbaren Dramatik wiederum beraubt werden. Auch über die lange Spielzeit hinweg bleiben die Songs nicht mehr nachvollziehbar genug, hier wird einfach von allem zu viel dargeboten, weshalb ich mich leicht überfordert sehe. Möglicherweise ist die Scheibe dennoch das, was sich Fans von BATHORY ("Hammerheart", "Twilight of the gods") oder IN THE WOODS nach "Heart of the ages" immer als legitime Nachfolgescheibe gewünscht haben. PRIMORDIAL- oder ENSLAVED-Fans düfen auch nach wie vor neben dem ganzen Pagan Folk Viking Metal-Szenen-Zirkus-Mitgliedern ein offenes Ohr riskieren, vielleicht werdet ihr ja mit der neuen MOONSORROW warm. Vielleicht hängt mir auch einfach noch das letzte Konzert der Nordmänner nach, bei dem sie sich viele Sympathien bei mir verscherzten. Manche Bands sollten einfach nicht live spielen, siehe BATHORY...
Ein-Mann Bands sehe ich in der Regel äußerst kritisch, zumindest kenne ich keine einzige unter vielen, die wirklich gute oder essentielle Alben veröffentlicht haben, was meiner Meinung nach daran liegt, dass erst aus dem Zusammenspiel mehrer Personen schlüssige, allgemeinverdauliche Ideen entwachsen, wohingegen Alben-Egotrips meist kauzig und schratig klingen. Der Norweger Marius Strand, der alleine hinter THE FALL OF EVERY SEASON steht, hat es mit "From below" hingegen geschafft, fünf Tracks lang in beinahe jeglicher Hinsicht zu überzeugen. Ich kenne jedenfalls kaum Musiker, die sich mit allen Instrumenten so vertraut fühlen, dass ein Album wie aus einem Guss daraus entstehen kann. THE FALL OF EVERY SEASON spielen progressiven, melancholischen Doom Metal mit schönem Wechselgesang: Mal clean, häufig tief gurgelnd, dann aber wieder druckvoll brüllend gibt's hier eine ganze Wagenladung gesangliche Abwechslung, die gefällt. Die Gitarren sägen schön tief und massiv meist im wirklich schlürfend langsamen Bereich nebst einprägsamen Gitarrenmelodielinien, wobei der Bass hier das letzte rausholt und tonnenschwer wirkt. Die Drums klingen zum Teil leider recht programmiert und unnatürlich, was der einzige Schwachpunkt auf dem ansonsten überraschend vielseitigen Album ist. Einmal mehr fällt mir auf, dass Aftermath Music diese Scheibe ins Rennen schicken, ein Label, welches im Jahr 2006 reihenweise für positive Releaseüberraschungen sorgte und nicht nur bei Doom-Freaks und Avantgrade-Spezialisten dringend auf den Einkaufszettel gehören sollte. Für musikalische Vergleiche wären sicherlich irgendwie PARADISE LOST, KATATONIA oder RUNEMAGICK anzuführen, wirklich treffen tut es aber keiner der Vergleiche, da THE FALL OF SEASON schlichtweg außergewöhnlich individuell klingen. Erste Sahne, Hut ab!
Alternative Gothic Rock bzw. Metal der Sorte THE GATHERING läuft mir trotz mangelnder Härte gelegentlich doch mal ganz lecker rein, da die eben genannten wie auch z.B. EILERA immer wieder progressivere, düster-melancholische, avantgardistische Experimente verwursten, die wirklich aufhorchen lassen. Ebenso im seichten Gothic Metal-Fahrwasser nebst cleanem, hohem Frauen-Gesang schwimmend bewegen sich AMARTIA, die zunächst böse Schelte des unterirdischen Covers von "Marionette" wegen einstecken müssen. Über einige Strecken klingen AMARTIA sehr vorhersehbar und austauschbar, ohne wirklich eigene, individuelle Note. Das ist Gothic Metal mit Frauengesang, wie er Mitte der Neunziger an allen Häuserecken auf die Straße geworfen wurde. Was die Aufmerksamkeit des Rezensenten jedoch merklich hebt, sind die zum Teil sehr progressiven, technischen Frickelkapriolen, die mehr aus dem Power und Progressive Metal stammen und mit Gothic herzlich wenig gemein haben. Keyboards sind natürlich Geschmackssache und bei nicht wenigen Metalheads ein Totschlagargument. Im Falle von AMARTIA ist mir das stellenweise eine Spur zuviel, phasenweise aber doch auch recht interessant gemacht und musikalisch bzw. kompositorisch tatsächlich herausragend zusammengebaut. Die verzerrte Rhythmusgitarre ist mit den simplen Akkordfolgen leider das einzige, was die Platte über weite Strecken irgendwie zum Metalsektor gehören lässt, was mir einfach zu wenig ist bzw. aufgesetzt klingt. Eine Platte mit einigen Höhen, zweifellos vorhandenem musikalischem Geschick und nicht wenigen guten Ideen, insgesamt aber doch zu zerfahren, manchmal ziellos oder zu frickelig, mir aber auf alle Fälle insgesamt einfach nicht hart genug.
Im Jazz würde man ELLIPSIS sicherlich als Free Jazz-Combo, im Bereich Doom Metal sicherlich als Avantgarde-Band abstempeln. Die Basis von "Imperial tzadik" liegt zweifellos im Slow Motion Doom Metal-Bereich, wobei die glöckchenklare Produktion alles andere als Old School oder gar altbacken klingt, wie so oft in diesem Metier. ELLIPSIS fusionieren diese Basis jedoch mit finsteren Elektroanleihen, die zwar noch nicht Industrial sind, aber auf dem besten Wege dorthin. Kurz bevor man glaubt, dass sich die Band im nächsten Moment in irgendeiner Soundeskapade verliert, ziehen diese Irren den Stecker und braten ein eingängiges hartes Midtempo Metal-Riff raus, gelegentlich von Gothic-Singsang, dann wieder mit NU Metal-Gesang, über weite Strecken aber auch mit bloßem Rock-Gesang oder Dark Metal-Gekreische unterlegt, was ganz schön an die Nieren geht. "Imperial tzadik" ist zwar hochgradig experimentell, jedoch immer noch eingängig genug, um auch der breiten Masse gefallen zu können. Ich finde es jedenfalls erste Sahne, wie die Burschen eine coole, einprägsame Hookline nach der anderen einbringen und andererseits quasi nebenher einen solch abgefahrenen instrumentellen Streifen fahren. Obgleich ich mich ein Stück überfordert sehe glaube ich, dass das Bandinfo mit dem Verweis, dass alle Fans von ARCTURUS, OPETH und EVERGREY genauer hinhören sollten, gar nicht richtiger hätte formuliert werden können, auch wenn ELLIPSIS noch mal eine ganz eigene Klangkategorie darstellen bzw. bilden. Ziemlich krasses Teil also, musikalisch ein echter Gewitterschlag, Junge Junge. Ich würde mal sagen, die neue Stilschublade Dark Progressive Art Metal ist hiermit eröffnet.
Zusammenstellung: Dirk Wettlaufer