Von den großen Metal-Bands der Gegenwart ist MOTÖRHEAD, im Gegensatz zu METALLICA, JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN, diejenige, die ihren Backkatalog am kompromißlosesten ausschlachtet. Was freilich aber nicht an Lemmy selbst liegt, der hat nur den einen Fehler begangen, damals nicht nur seine Seele, sondern auch die Verwertungsrechte des klassischen Songmaterials an Bronze zu verkaufen. Sukzessive landeten die Rechte mal bei Receiver, dann bei Castle und jetzt bei Sanctuary. Und natürlich brachte jeder, quasi im Zwei- bis Dreijahresrhythmus, die Alben neu auf den Markt. Da bei den Gigs auch immer wieder unbekannte, junge Gesichter auftauchen, die MOTÖRHEAD erst in den 90ern oder noch später entdeckt haben, ist durchaus Bedarf für den Backkatalog vorhanden. Und Sanctuary geben sich durchaus Mühe, die ollen Kamellen mit Liner Notes, schnieken Fotos und nicht zuletzt Bonus-Material anzureichern. Mal mehr exklusiv, mal weniger ... »Overkill« liegt als Doppeldecker vor, CD 2 beinhaltet satte 19 Songs, ein schönes Sammelsurium, wenn auch für die eingefleischten Fans bekannt. Das 79er BBC-Konzert ist vertreten sowie die 78er Peel-Session, dazu die Single-B-Seiten der Zeit und komische Alternativversionen, "Louie Louie" gibt es gleich dreimal, nett, aber nicht essentiell! »Iron Fist« ist ebenfalls im Doppelpack veröffentlicht worden, die zweite CD beinhaltet mit "Remember me, I'm gone" die B-Seite der Single »Iron Fist«, dazu ein 82er Live-Gig mit 14 Songs, der mir bereits das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Leider entpuppte sich die Aufnahme aber bei näherem Hinsehen lediglich als eine Audioversion des bekannten »Live in Toronto«-Videos. Schade! »All the Aces« will, so der Titel, nichts anderes sein als eine "Best of"-Compilation, auf CD 1 gibt es 14 Hits von "Ace of Spades" bis "Overkill" um die Ohren, der zweite Silberling ist die DVD »The Best of Motörhead«, eine Sammlung von 15 Clips. Eine nette Angelegenheit für komplette Neueinsteiger. Bleibt mit »Orgasmatron« noch die wirkliche Perle am Schluß, denn neben drei raren Single-B-Seiten setzt es zusätzlich noch elf unbekannte Live-Versionen des "Kerrang! Weekenders" von 1984 - selbst mir unbekanntes Material!
Viele werden das Solo-Schaffen von Mantas, Abaddon und Cronos als völlig überflüssig ansehen. Nun ja, zumindest brachte es CRONOS zahlenmäßig und auch was die Qualität betrifft auf den hochkarätigsten Output. Ob man die Alben aber wirklich braucht? VENOM-Komplettisten vielleicht schon, aber für die anderen reicht die gerade erschienene Best of Doppel-CD auf Sanctuary locker aus. »Hell to the Unknown« ist aber kein sehr origineller Titel, nannte sich so doch bereits eine VENOM-Compi ...
Eine METALLICA-Fete ohne METALLICA-Songs? Kein Problem! Nachhilfeunterricht für all diejenigen, die immer noch denken, "Green Hell" und "Am I evil?" wurden von James Hetfield geschrieben, bietet die 27 Songs enthaltende Doppel-CD »Full Metal Garage«. Von BLACK SABBATH über BLUE ÖYSTER CULT und DIAMOND HEAD bis hin zu DISCHARGE und THE MISFITS, »The Songs that drove Metallica« erteilt eine wertvolle Lektion in gutem Musikgeschmack. Vertreten sind auch die Originalversionen von Songs, die sich METALLICA nicht getraut haben, offiziell zu covern, etwa von SAVAGE ("Dirty Money") oder aber JAGUAR ("Stormchild").
Was ist von einer Band zu halten, die anno 2007 einen Titel "Heavy Metal Thunder" nennt? Richtig - das Herz am richtigen Fleck aber nicht besonder originell. So lautet dann auch das Fazit der elf Songs, die uns die schwedische Formation DECOY hier präsentiert. Melodischer Heavy Metal mit einigen Finessen aber keinen übermäßigen Keyboardspielereien. Alles sehr gefällig, obwohl man sich bei der Auswahl der Songtitel auf »Call of the Wild« nicht gerade viele Gedanken gemacht hat, siehe Titelsong, "Brothers in Arms" oder "Peace of Mind" ...
Gibt es eigentlich noch eine Band, in der Mike Terrana nicht trommelt? Nach MASTERPLAN und RAGE lugt seine Visage jetzt auch vom Backcover der CD »Deadringer« von RAZORBACK. Wie unschwer zu vermuten ist, haben diese sich dem traditionellen Heavy Metal verschrieben, ohne dabei allzu viele Klischees zu verbraten. Oftmals, gerade auch der Opener und Titelsong "Deadringer", erinnert mich das Quartett stilistisch an die SCORPIONS zu ihren absoluten Glanzzeiten, also »Blackout«. Elf Nummern, die für sich selbst sprechen und zur Abwechslung einmal nicht kopieren. Gut gemacht!
Es gibt Bands, die sind einfach nicht totzukriegen. Es gibt aber auch Bands, die haben den Zeitpunkt verpaßt, einfach von der Bildfläche zu verschwinden. Zu welcher Spezies zählt denn nun unser alter Bekannter Blackie Lawless? Nun, die neue W.A.S.P.-CD »Dominator« ist auf dem englischen Resterampen-Label Demolition erschienen, was mich eher zu zweiterer Kategorie tendieren läßt. Doch, hört man sich die neun Songs genauer an, dann merkt man schnell, daß W.A.S.P. immer noch relevant ist. Zumindest für ihre Fans. Die Zeiten von "I wanna be Somebody" oder "Blind in Texas" sind zwar ein für allemal vorbei, aber den Status von »The Crimson Idol« hält »Dominator« locker. Ob das gut oder schlecht ist, müßt Ihr selbst entscheiden ...
CRUSADER - da braucht man wohl über die musikalische Richtung, die die Band aus Ostflandern einschlägt, nicht mehr lange nachzudenken! Doch halt, CRUSADER sind alles andere als ein SAXON-Rip-Off, spielen zwar traditionellen Heavy Metal, aber erinnern stilistisch an keine bestimmte Band. Das ist gut so, denn so laufen Plagiatsvorwürfe ins Leere. Nummern wie "The Catcher" haben einen leichten Hang zum Epic Metal, ohne indes aufgesetzt zu klingen. Das größte Manko der Scheibe ist sicherlich die sehr dünne Produktion aber das Songmaterial auf »Skinclad« stimmt in jedem Fall. Besonders der Gesang ist sehr positiv hervorzuheben, David Walgrave pendelt zwischen Blitz und John Bush, ein sehr variables und volles Organ, das die zehn Songs nicht unwesentlich prägt und in die richtige Richtung lenkt!
»Book of the Dead« nennt sich ein recht originelles Album der schwedischen BLOODHOUND. Originell deshalb, weil die Band zwar traditionellen Metal spielt, aber sowohl klanglich als auch stilistisch auf aktuelle Trends pfeift. Der Sound der zehn Nummern ist recht roh, sehr höhenlastig, ein wenig mehr Wumms im Baßbereich hätte sicherlich gut getan, aber was soll's? Zumindest paßt der blecherne Klang schön zum Gesang von Michael Bormann, der zwischen Dave Hill von DEMON und Udo Dirkschneider ins Ziel geht. Sein Reibeisenorgan bietet einen tollen Kontrast zu knackigen Metal-Nummern wie "The Tempter" oder "Bless the Unholy". Insgesamt eine wirklich absolut hörenswerte Scheibe.
Weitaus durchschaubarer und irgendwie auch stereotyper gehen dagegen die Finnen ALTARIA zur Sache, die ihre CD »Divine Invitation« irgendwo zwischen Symphonic Power Metal und Prog einlaufen lassen. Leider sind die Melodien und Refrains sehr durchsichtig angelegt und ermüden bereits nach dem ersten Hördurchgang, bestes Beispiel ist der gleichermaßen melodische wie nichtssagende Opener "Fire & Ice". Drücken die Finnen ein wenig mehr aufs Tempo, wird's sogleich interessanter ("Unchain the Rain"). Sänger Marco Luponero beherrscht stimmlich ein sehr breites Spektrum, das er indes leider viel zu wenig zeigt, von melodisch bis aggressiv (bei den spitzen Schreien erinnert er ein wenig an Paul Di'Anno). Eine CD mit guten Ansätzen aber zu wenig Mut ...
Nun ja, wenn man (wie im Rock Hard geschehen) eine junge, aufstrebende All-Girl-Band aus England (genauer gesagt aus Brighton) in eine Ahnenreihe mit Legenden wie GIRLSCHOOL und ROCK GODDESS stellt, macht man dem betreffenden Act das Leben nicht unbedingt leichter. MC QUEEN reichen weder spieltechnisch noch kompositorisch an genannte Bands heran, wäre dem so gewesen, hätten sie wahrscheinlich nicht beim Resterampen-Label Demolition Records unterschrieben. Dennoch ist »Break the Silence« kein Komplettreinfall, die Girls zeigen viel Enthusiasmus und rocken kräftig ab, die spielerischen Defizite lassen die zehn Songs ein wenig in Richtung Punk abdriften. Mit "Running out of Things to say" wird sogar ein Highlight mit Hitcharakter gesetzt. Leider bleibt das aber die Ausnahme, zu oft bekommt man den Eindruck, die Gitarristin würde ihr Instrument mit einer gebrochenen Hand beackern.
Ich hatte schon immer eine Schwäche für DOKKEN, womit ich nicht die Erscheinung der Band meine, die mit »Tooth and Nail« im Zuge der Haarspray-Welle den Durchbruch in Amerika schaffte, sondern die aufstrebende, von Dieter Dierks entdeckte Hardrock-Legende, die in Deutschland 1981 ihr überragendes Debüt »Breakin' the Chains« einspielte (sowie wenig später mit einem Auftritt im legendären Beat Club Aufsehen erregte). Von dieser Warte her ist »From Conception - Live 1981« ein gefundenes Fressen für mich, ein roher Livemitschnitt aus Amerika (wahrscheinlich L.A.), der die ungezügelte Energie der Gruppe in ihrer Frühphase perfekt einfängt und mit "Going down", "Hit and run" sowie "You're a Liar" drei völlig unveröffentlichte Kompositionen bereithält.
STORMAGE sehen sich selbst als Power-Metal-Band, nun ja, bei diesem Bandnamen nicht gerade überraschend. Dennoch gehört zu einer guten Power-Metal-Band natürlich mehr als eine passende Außendarstellung. Mir ist der Stil von durchaus komplexen Nummern wie "The Betrayal" jedenfalls ein wenig zu konfus: Stop-and-Go-Parts wechseln sich mit längeren Malmsteen-artigen Gitarrenpassagen ab, dann wieder gibt es kurze Speedausbrüche. Das klingt alles sehr unorganisch, zusammengestückelt, entbehrt allerdings nicht eines hohen technischen Anspruches. Früher nannte man so etwas Techno-Speed, was den Kern von »Sudden Awakening« wohl viel eher trifft und dementsprechend Fans von WATCHTOWER, ANACRUSIS oder LAST DESCENDANTS gefallen sollte.
Nun ja, bereits die ersten Töne von »World Entry« bringen mich auf die Fährte: Skandinavien, durch und durch, da ist ein Blick auf die Besetzungsliste eigentlich gar nicht mehr notwendig. STONE LAKE aus Schweden bieten neunmal klassischen Skandi-Metal mit den üblichen Trademarks, nämlich einer melodischen, recht hohen, stellenweise an Rob Halford errinernden Stimme, akzentuierten Gitarrenparts und einprägsamen (aber nicht ausgelutschten) Refrains. Keyboards werden zum Glück nur sehr sparsam eingesetzt. Eine CD, die voll und ganz den Erwartungen entspricht, ohne über die gesamte Spielzeit übermäßig zu glänzen (sieht man einmal vom wirklich starken Opener "Deal with the Devil" ab).
TOXIK ist für mich eine der am meisten unterbewertestent Thrash-Bands der 80er Jahre überhaupt, mit »World Circus« und »Think This« (beide Roadrunner) veröffentlichten die New Yorker zwei heimliche Klassiker, bei denen von den Songs über die Produktion bis hin zu den genialen Repka-Covers eigentlich alles stimmte. TOXIK waren keinen Deut schlechter als etwa TESTAMENT oder ANTHRAX, leider sind sie eine Randnotiz der Metal-Geschichte geblieben. Dennoch hat Displeased Records die beiden CDs jetzt mit sehr viel Liebe wiederveröffentlicht. Vor allem »World Circus« ist vollgestopf mit Bonus-Tracks, Demo-Aufnahmen, Live-Takes, ein KISS-Cover und sogar Radiospots! Kaufen und Genießen!
Oh weia, HEEL hören sich auf »Evil Days«, na ja, eben typisch skandinavisch an. Die Schweden machen von der ersten bis zur letzten Nummer einen auf Melodic Power Metal, leider mit einer viel zu hohen (unvariablen) Stimme und einer entschieden zu dünnen Produktion (das Schlagzeug hört sich an, als ob es in einer Sardinenbüchse aufgenommen worden wäre). Natürlich haben mal wieder HELLOWEEN zu Kiske-Zeiten Pate gestanden, was vor allem bei "Northern Light" evident wird, das sich anhört wie "Dr. Stein" mit einem maritimen Grundthema. Wirklich nicht mein Geschmack!
Auch auf dem rührigen und eigentlich für hochklassige Outputs bürgenden Label Rivel Records ist ORATIO erschienen. ORATIO reimt sich auf Laudatio und eine eben solche kann ich dann (mit kleinen Abstrichen) auch auf »Redemption« halten. Die Finnen verstehen sich ebenfalls als melodische Heavy-Metal-Band, aber ganz im Gegensatz etwa zu HEEL versuchen sie ihren eigenen Stil zu finden und schrecken dabei auch nicht vor neuen Elementen und einer zeitgemäßen Produktion zurück. Der zweite Song "Burning" beispielsweise ist verhältnismäßig düster, eher im Midtempobereich angesiedelt, und pendelt zwischen PARADISE LOST und METALLICA (zu Zeiten des schwarzen Albums), zumindesdt was die Grundstimmung angeht. »Redemption« ist ein durchaus abwechslungsreiches, abenteuerlustiges Album mit Tiefen- und Langzeitwirkung.
Eine deutliche Spur eingängiger gehen STEEL DAWN auf »(R)EXcuse me!« zu Werke, und tappen, das sei ihnen an dieser Stelle hoch angerechnet, weder in die HELLOWEEEN-Falle, noch biedern sie sich allzu sehr dem Teutonic Metal der ACCEPT'schen Schule an. Die deutsche Band versucht auf Songs wie "Shadow Games", "Little Child" oder "Six Wheels" ihren eigenen Weg zu gehen. Dabei gehen sie sehr variabel zur Sache, haben Einflüsse des Heavy Rock, Metal und ansatzweise auch AOR in ihren Sound aufgenommen. Vor Speed Metal schrecken die Jungs dann aber doch zurück, was ihren Stil sehr bodenständig macht, mein Fuß stampft unwillkürlich mit, und eine Band, die 2007 einen ihrer Titel "Headbangers Ball" nennt, kann doch eigentlich gar nicht mehr verlieren ...
MANITOU - da muß ich wieder unwillkürlich an den gleichnamigen VENOM-Song denken, mit dem die finnischen Power-Metaller aber nicht das mindeste zu tun haben. Die letzte Scheibe ist doch noch gar nicht so lange her, oder? Nun, mit »No Sign of Wisdom« legen MANITOU jedenfalls noch einmal neun schicke Power Metal-Granaten hinterher, daß es sich gewaschen hat. Da stimmt vom abwechslungsreichen Gesang bis hin zu den Mörderriffs sowie melodischen Refrains nahezu alles perfekt zusammen. Allein die etwas matschige Produktion gibt ein wenig Anlaß zur Sorge und noch ein wenig Luft nach oben für zukünftige Releases ...
Wow, endlich mal eine Female-fronted Band, deren Sängerin auch wirklich singen kann und die nicht nur als billiger Blickfang taugt. Auch die Backing Band von JET TRAIL aus Schweden hat es in sich. »Edge of Existence« knallt an allen Ecken und Enden, was gleich der Opener "War Zone" eindrucksvoll beweist. Sehr dynamischer Heavy Metal mit melodischen aber nicht zu theatralischen Vocals, eine solide Rhythmussektion und dazu ein virtuoser aber songdienlich agierender Gitarrist. Wem BENEDICTUM, MELDRUM, MCQUEEN und Konsorten einfach zu schlecht sind, der kann sich in Form von JET TRAIL davon überzeugen, daß es auch anders (besser) geht ...
MAN OF THE HOUR bezeichnen sich selbst als Mischung aus PRIEST und PANTERA und liegen dabei ziemlich genau richtig. Erschienen auf dem Label der englischen CONQUEST OF STEEL, nämlich No Face Records, tendieren die zwölf Songs von »Destroy the Machines of Slaughter« zum Glück eher in die traditionelle Metal-Richtung, versetzt mit einigen PANTERA-artigen Groove-Parts. Die Schotten sind sicherlich um zwei Stufen härter als CONQUEST OF STEEL, lassen sich aber trotzdem auch von absoluten Traditionalisten gut durchhören ...
IVORY MOON, der Bandname hört sich schon ein wenig nach Doom an, aber nichts da, auf »Human Nature« wird typischer südeuropäischer Metal geboten. Mit einem Hang zu epischer Breite, wallenden Keyboard-Orchestrationen, schwülstigen female Vocals, getriggerten Drums und vertrackten Breaks. Puh, ganz schön viel auf einmal wollen IVORY MOON, zu viel, um trotz aller Melodiösität auch noch ein Fünkchen Eingängigkeit an den Tag zu legen. Das, was RUSH und mit Abstrichen sogar RHAPSODY auszeichnet, nämlich mitreißendes Songmaterial, geht bei IVORY MOON leider in Technokratie unter ...
Der Labelname Rivel Records steht für Qualität, in relativ kurzer Zeit konnte sich die Firma einen wirklich guten Ruf im Bereich des traditionellen Metal erarbeiten. Qualitätskontrolle wird hier noch groß geschrieben und als Resdultat fallen mir nur sehr wenige mittelmäßige Veröffentlichungen des Labels ein. MERCURY FANG aus Schweden zählen ebenfalls nicht zu jener Kategorie, gespickt mit alten Hasen (u.a. von den finnischen OZ), gelingt es der Band auf »Ignition« alten Metal und aktuellen Prog so zu verschmelzen, daß es eine helle Freude ist. Nummer wie "Fly away" oder "Run for you" haben Zweifels ohne einen Hang zum Symphonischen aber die Musiker finden immer wieder den Weg zurück zum Song, verlieren niemals den roten Faden. Empfehlenswert wie fast alles auf Rivel Records.
Bleiben wir gleich bei Rivel Records, gehen aber zu einer doch anders gelagerten CD. CJ GRIMMARK ist ei schwedischer Produzent, Gitarrist und Komponist, der jetzt eine selbstbetitelte CD auf den Markt gebracht hat. Hmm, tja, getüftelt hat der Gute im Studio wohl schon, irgendwie wirken die neun Songs ein wenig zusammengestückelt - erst wird ziemlich lange in 70er Jahre-Manier auf der Gitarre gedeudelt, dann wieder setzt es moderne Metal-Riffs und plötzlich setzt der melodische Gesang ein. Da verliert man leicht den Überblick, so daß ich dieser CD ein wenig zwiespältig gegenüberstehe ...
Und nochmal sehr symphonischer Metal, von DARKSUN aus Spanien: Hier paßt wirklich alles zusammen, vom Fantsay-Cover (durchaus gelungen), über die HELLOWEEN-artigen Vocals, die aufdringliche Keyboard-Begleitung und sogar massenhaft Streicher-Arrangements (wohl aus der Konserve). Tja, »The dark Side« ist sicherlich näher an RHAPSODY als an LINGUA MORTIS (obwohl Peavey einen Gastauftritt bei "Prisoners of Fate" hat) oder gar MEKONG DELTA (falls die noch jemand kennt) ...
Jordi SANDALINAS ist ein in Barcelona geborener Ausnahmegitarrist, der mit »Fly to the Sun« sein Zweitlingswerk herausbringt. In seinem Line Up hat er einige namhafte Musiker von Bands wie AT VANCE, BLACKMORE'S NIGHT, YNGWIE MALMSTEEN und DRAGONLAND um sich geschart. Dazu komen noch Gastmusiker wie Andy LaRoque oder Chris Caffrey. Da kann natürlich wenig schiefgehen und in der Tat bieten die elf Songs tollen Heavy Metal zwischen Melodic und Speed. Abgedeckt wird ein sehr breites Spektrum, das komische Cover soll wohl von Derek Riggs stammen, ist aber leider keine Zecihnung, sondern ein reiner Photoshop-Job ...
Aus Schweden kommen LECHERY, die mit »Violator« einen prächtigen Job abgeliefert haben. Elfmal klassischer Heavy Metal mit stellenweise Blackmore'schen Gitarrenläufen und einem Power-Metal-Beat, der sich wirklich gewaschen hat. Simpel strukturierte aber dadurch extrem eingängige Nummern wie "Rise with me" erinnern mich irgendwie an Mittachtziger German Metal der Sorte BULLET oder DARXON. Geffält mir ausgesprochen gut, auch wenn der hohe Standard des Openers nicht immer gehalten werden kann ...
REDRUM aus Thessaloniki sind schon längst keine Unbekannten in der Melodic-Hardrock-Szene mehr, 2003 aus der Taufe gehoben, hat sich die hellenische Formation mit dem deutschen Ausnahmesänger Michael Bormann bereits einen guten Namen und eine kleine Fangemeinde erspielt. Und das völlig zurecht, was ihr neues Album »No turning back« nachdrücklich unter Beweis stellt. Die Vocals erinmern mich in der Tat ein wenig an Ted Bullet, der Gesamtsound von REDRUM an die sträflich unterbewerteten THUNDERHEAD.
Tja, sehr vielseitig sind SINWELL aus deutschen Landen in der Tat, aber irgendwie erkenne ich auf »True Sense« keinen roten Faden, was ihren Sound angeht. Somit sitzen sie zwischen allen Stühlen, obwohl sie doch eigentlich Melodic-Hörer ansprechen sollten. Dafür wird aber auf den zwölf Songs zu viel gegroovt und gefrickelt. Stellenweise, bestes Beispiel ist "Say what", fühlt man sich an FAITH NO MORE und sogar die RED HOT CHILLI PEPPERS erinnert, handwerklich alles nett gemacht, aber eindeutig übermotiviert und konfus.
Sehr rough kommen ANGER BANE rüber, und da ich lediglich eine gebrannte Promo-CD vorzuliegen habe, kann ich nicht bewerten, ob es sich eventuell um eine Eigenproduktion handelt. Der sehr rumpelige Sound spricht ebenso dafür, wie das eher nichtssagende Cover - keine Ahnung! Musikalisch hauen mich Nummern wie "Dragonfly" oder "Black Wine" auch nicht gerade vom Hocker. Die Basis ist in der Tat Hardrock, mit ein paar Doom- und Stoner Rock-Zitaten, dann aber wieder sehr massive Grunge-Einschübe, die »On Wings of fallen Rock« in PEARL-JAM-Gefilde abrutschen lassen ...
Zusammenstellung: Matthias Mader
»The Traitors« von PRIVATEER ist ein Debütalbum. Die Einstufung liegt bei Melodic Power Metal... Danke, kennen wir! 10.000e von Bands aus der Achse Italien-Deutschland-Schweden. Dazu schon seit Jahren auch immer wieder Nebenschauplätze. Wie diesmal. Die Band stammt aus Polen und klingt 100% geclont. Was soll man damit machen? Hören? Kann man gerne. Tut nicht weh und man kann ohne einen Song jemals gehört zu haben, mitsingen, -klatschen und weiß genau, was als nächstes kommt. Hat schon Vorteile. Warum man sich deswegen aber noch eine CD zulegen soll, wenn bereits stapelweise solchen Typus im Schrank stehen? Gute Frage, die die Band musikalisch jedenfalls nicht beantworten kann.
Ein paar Kerle von VINTERSORG bewegen sich mit der Veröffentlichung »Worlds Collide« in das Experiment Thrash Metal. Name des neuen Babies ist TME. Die Herkunft aus dem skandinavischen Extrem-Genre merkt man an allen Ecken und Enden. Gleich der Opener "The Worlds Collide" läßt 'ne mächtige Death Metal-Kante hervorlugen. Danach wird es jedoch deutlich thrashiger, obwohl ein leichter Death-Unterbau immer noch spürbar ist. Das ist aber auch ganz gut, denn das sorgt für eine fette Power in den blitzenden Riffgewittern der Band. Am deutlichsten wird der Einfluß jedoch gesanglich. Die Nähe zum Death Metal kann Andreas Stenlund nicht verleugnen. Wie die Gitarre, leicht tiefergelegt, jedoch durchaus um Abwechslung stilistisch-klanglich bemüht. Nach dem ersten Hören des Albums konnt ich mich noch nicht richtig erwärmen. Doch nach einigen Durchläufen sieht es mittlerweile recht positiv aus. Der Pfeffer schmeckt mir derzeit. Panische Musik für hektische Zeiten.
Bei den chilenen HUMAN FACTOR rennt der Hase andersrum. Beim ersten Hören war ich richtig euphorisch, nach ein paar Durchläufen hat sich »Unleashed« relativiert. Power versprühen die Jungs mit Dame, ohne Frage. Doch erstens gibt es immer wieder einige Hänger im Feuerwerk und dann trägt Dan teilweise arg triefschmalzig auf. Der Gesang driftet dann in üble Klischees von frickelnden Kindergarten-Metal-Bands. Uaarrgh! Und gerade da wackelt der Kandidat auch noch. Ich habe den Eindruck, da trifft Dan nicht immer sauber die richtige Stelle. Oder aber er hat generelle Probleme, die an der ein oder anderen Stelle zu Tage treten. Auf jeden Fall gibt es neben einigen Übertreibungen auch einige Unsauberkeiten, die das ansonsten nette Hörvergnügen ein wenig trüben. Am besten agiert Dan jedenfalls in mittlerer Tonlage, völlig unspektakulär zwar aber sicher.
Mit den Italienern von HYADES gibt es wieder eins ordentlich auf die Rübe. Für Freunde längst vergangener Thrash-Traumtage ist eigentlich alles klar, wenn sie das Ed Repka-Coverartwork sehen. Kann es da noch Fragen geben? Na also! So Bay Area-mäßig wie Repka es früher in Szene setzte, lärmen die Italiener herum. Naja, ein bißchen europäische Ungezähmtheit läßt den Thrash nicht ganz so sauber und perfekt wirken, wie die großen Vorbilder (die ihn mit ihrer klinischen Sichtweise aber auch todritten). »And the worst is yet to come« sollte man sich deshalb auf der Vormerkliste notieren. Nicht unbedingt essentiell aber 100% Spaß. Auf gelegentlich auftauchende Reminessenzen ist in diesem Zusammenhang geschissen (siehe "Toxic Waltz"-Klau).
Der Oberhammer kommt aber aus USA, genauer Texas. Hmm, Texas-Metal, da war doch was. Ja richtig, in den '80ern stand dieser Bundesstaat für eine ganz erlesene Art von Metal. OUTWORLD sind zwar nicht ewig Gestrige, doch die Tradition retten sie ins neue Jahrtausend. Texas steht mit OUTWORLD und deren selbstbetitelter CD immer noch im Zeichen des progressiven, technischen Metals. Muß man mehr sagen? Wahnwitzige Licks, ein hoher Sänger, eine druckvolle Produktion und Dampf aus allen Rohren. So muß sich Prog Metal anhören!
CYPHER SEER konnte zumindest im Demostatus mit bekannten Namen wie James Rivera aufwarten. Ist natürlich eine schwere Hypothek für Michael Grant. Doch CYPHER SEER bestehen aus gestandenen US-Underground-Musikern. Leider ist das Material zu symphonisch ausgefallen und steht damit eher in Italo-Skandinavischer Tradition als in der bester US Power Metal. »Awakening Day« ist also nicht schlecht, nervt aber mit Keyboard-Kleisterungen die die Power rausnehmen. Ein leichter progressiver Hang kann auch nicht geleugnet werden, der allerdings nie soweit reicht, daß man schon allein deswegen die "Intellektuellen"-Keule auspacken müßte - und in laustarkes Jubeln oder Fluchen verfallen.
Wesentlich direkter sind da die englischen CONQUEST OF STEEL. Ihr zweites Album »Hammer & Fist« ist nun nicht der Oberbrüller. Aber direkter HM mit ein paar epischen Anleihen und dem ein oder anderen Mitgröhl-Chorus ist schon okay. Das kann man sich öfter geben, ohne das man in Langeweile verfällt. Zwar könnte es an der ein oder anderen Stelle noch etwas gestrafft und damit direkter werden, doch die Jungs haben ja noch ein wenig Zeit zum Entwickeln. Momentan ist eben die ein oder andere Stelle etwas zu langatmig ausgefallen und deswegen alles andere als songdienlich. Zieht die Gesamtbewertung ein wenig herunter.
GRAND LUX warten Live mit spektakulärer Pyroshow auf. Müssen sie wohl auch, denn »Carved in Stone« ist alles andere als spektakulär. Über weite Strecken recht öde und weicheierig. Wie die von PRIEST, DIO und Konsorten beeinflußt sein können? Aber wäre ja sonst wohl kaum über AOR Heaven im Vertrieb. Da steht die Softigkeit ja schon im Namen. Üble Häme? Nee, eigentlich nicht, denn die CD fängt durchaus brauchbar an. Beim Opener "1000 paper cranes" (inspiriert von den Hiroshima-Papier-Kranichen?) merkt man sogar einen Schuß PRIEST. Doch danach stürzt die Kiste schon ab. Lalala... Der Gesang ist mau, den Songs fehlt die Power und zum Ende der CD wird es richtig übel. Das muß einfach mehr knacken, mehr Radau machen. Schluß Aus und Basta!
Lieber SACRED OATH. »Darkness Visible« wurde im Original-Line-Up der '80er »A crystal Vision«-LP eingespielt. So ganz läßt sich der Sound der Band aber nicht mehr vergleichen. Keine Frage, sie sind weiterhin old-school und 100% Metal. So richtig zünden will die CD aber nicht. Aber bei SACRED OATH tobte ja noch nie der Mob. Und deswegen will sich die CD erschlossen werden. Sie ist vielseitig ausgefallen und fällt eindeutig unter die Kategorie "zuhören". So kann man sie auch problemlos ein paar Runden drehen lassen, immer und immer wieder, ohne das einem langweilig wird. Daran erschließt sich auch ein Potential. Leider fehlen ein paar Erkennungshymnen und das ist dann das Hauptproblem der Band. Da man diesen Stoff aber eh nicht für neue Fans spielt, bleiben die US Metal-Puristen übrig und die werden es eh mögen...
In München treiben FREE KEY BIT CHESS ihr Unwesen. Mit der neuen CD »Kiss my Ass« versuchen sie, dieses Treiben auf Deutschland auszudehnen. Es wird schwer. Also erstmal würde ich bei dem Namen auf dreckigen Dirty'n Roll tippen und nicht auf Metal. Und zweitens wenn schon Metal, dann sollte es auch ein bißchen mehr auf die Glocke hämmern. Genau das ist aber das Problem der CD. Hier hämmert recht wenig. Der Titeltrack ist nett. "S.H.E." ist dann mal ein wenig flotter. Ansonsten läßt man die Aggression recht gezügelt, packt einen düsteren Unterton rein und langweilt irgendwie auf Dauer nur. Ständig wird es noch ein paar Zacken softiger, wo andere Blast-Parts einschieben. Nun ist das eine wie das andere genauso störend und die Umkehr ansich nicht wirklich innovativ. Lau!
Wesentlich besser sind da die spanischen KATIE KING. »1870« ist jetzt nicht der Oberbrüller, um das gleich vorwegzunehmen, macht aber über weite Strecken Spaß. Leider zieht sich der ein oder andere Songs etwas in die Länge und man fabriziert auch solche Komplettausfälle wie "Intolerancia". Der ist völlig lahmarschig und daneben. Gerade der Refrain hat ein wenig Leben in sich. Ansonsten ist es das Markenzeichen der Band, daß man zwischen HM und HR hin- und herwechselt. Und genau das ist dann auch das Problem, wenn man HR so definiert, daß er bloßer Rock ist. Größtenteils bevorzugt die Band aber durchaus eine Gangart, die Drive hat. Und dann ist es eben mehr als nur okay. www.katieking.net
MUST MISSA sind schwerstens mit Nieten und Patronengurten behangen. Was glaubt Ihr was sie spielen? Klar, ziemlich rüpelhaften Metal, auch Thrash genannt. Ihre 2005er Scheibe »The Target of Hate« hörte sich streckenweise noch ein klitzekleines Wenig nach CELTIC an. Mit ihrem neuen Album »Martyr of Wrath« ist davon nichts mehr zu hören. Sie hetzen größtenteils durch ihre Songs und füllen mit massig Mitgröhlparts auf. Zwar kommen auch immer wieder etwas slowere Passage, doch irgendwie fließt es bei ihnen. Es sind nicht wirklich harte Breaks. Klingt deswegen überaus kompakt und ist damit absolut gelungen. Dicke Empfehlung!
Die gibt es ebenfalls für die italienischen NEURASTHENIA, wenn auch nicht wirklich dick. Aber die Jungs gefallen mir ganz ordentlich. Ein bißchen BLIND GUARDIAN, dann wieder ein bißchen Thrash und dazwischen viel Power. Null Keyboards! Schon mal ansich eine Empfehlung und der Umstand läßt für Italien hoffen. »Possessed« ist genau das, was der Titel aussagt. Oder glaubt Ihr, die Band meinte was anderes als von Metal besessen zu sein?
Rotziger ... Ja was? NITROUS spielen absolut groovig. Sind dabei tonnenheavy aber keinesfalls Stoner. Man spielt auf »Dominant Force« nicht wirklich flott, trotzdem, ein gewisser Drive ist auf alle Fälle enthalten. Richtiger Metal ist es aber auch nicht. Death 'n Roll? Letztlich egal, weil die Jungs richtig drücken und alles plattwalzen. Macht auf alle Fälle Spaß und ist tausendmal besser als die fünfmillionste Italo-Gerskandi-Frickel-Schlagerband. Definitiv was für Männer!
Die neue CD der argentinischen DHAK ist schlichtweg hammermäßig geworden. Okay, mit »Se decide Justicia« erobert man nicht den Thron des südamerikanischen Metallandes. Aber das ist bei der Masse an guten Bands dort unten auch ziemlich schwer. Aber ihr äußerst druckvolles Spiel, welches mit jeder Menge Power und Geschwindigkeit gewürzt ist, begeistert vom ersten Song an. Die CD kennt keine Gnade, es gibt keine Ruhepause. Dafür aber einen Sänger, der sich extrem in die Songs reinsteigert und inbrünstig intoniert. Für anständige Metaller Pflicht! Vertrieb: krukenberg at freenet.de
Horror-Thrash-Metal kommt von dieser Silikon-Zombiebande. Im Gegensatz zum Image ist die Musik biederer Thrash. Zudem ist das Coverartwork von »Roll the Dice« eher bescheiden. Aber was steht nicht alles im Schrank... Ob POWER sich nun dazu gesellen muß? So manches Mal hat man den Eindruck, die Jungs spielen mit angezogener Handbremse. Man will, traut sich aber nicht. Also rüpelt man teilweise gut rum, um aber jedesmal recht schnell wieder Tempo und Drive wegzunehmen. Das ist bei gelegentlichen Durchläufen zwar nett aber eben auch nicht zwingend.
Das sieht bei der Ami-Undergroundlegende STEEL ASSASSIN natürlich ganz anders aus. Beim ersten Mal hören, war ich noch nicht gänzlich begeistert. Das änderte sich aber beim 2. Durchlauf. »War of the eight Saints« ist dermaßen geil, daß jeder US Metal-Freund, der das Teil nicht spätestens nach Erscheinungskenntnisnahme sich besorgt, erschossen gehört. Keine Gnade, keine Ausnahme! Die alten Herren um den neuen Sänger John Falzone hämmern dermaßen einen auf das Silber, daß man gar nicht anders kann, als nur noch ausrasten. Das ist US Power Metal in bester, feinster Manier. Endlose Melodien, endlose Power und ein super Shouter ausgesucht, der die 4 Originalleute grandios in Szene setzt. Es hört sich an, als ob STEEL ASSASSIN nie weg waren und sich logisch mit ihrem 80er-Stil in das neue Jahrtausend hineinentwickelt haben. Ohne Frage eins der besten Alben des Jahres.
Und wenn wir schon gerade bei Superlativen sind, schreibt gleich noch SPACE EATER auf den Einkaufs- oder Wunschzettel. »Merciful Angel« ist ein oberamtlicher US Metal-Brüller aus Südeuropa. Die Serben sind truer als true und hämmern viele US-Kapellen einfach an die Wand. Der Sänger ist leicht gewöhnungsbedürftig, könnte aber in den '80ern auch in der Bay Area gewirkt haben. Und eine leichte Kante Speed und Thrash haben die Brüder im Geiste durchaus in der Mucke drinne. So hetzen sie unnachahmlich durch die Songs, daß es ein rüder Spaß ist. Manchmal erinnert es mich an frühe OVERKIL. Würde dem KIT gut zu Gesichte stehen, ein Gig der Jungs, denn einem Livetest müßte man sie nach dieser CD unbedingt unterziehen.
Da gehen HELLISH CROSSFIRE ziemlich unter. Eigentlich hatte ich mich auf das Teil gefreut, da die Rüpel-Thrasher durchaus positiv im Hirn herumspuken. Doch wenn man »Slaves of the burning Pentagram« zeitglich mit STEEL ASSASSIN und SPACE EATER kriegt, können HELLISH CROSSFIRE nur den Kürzeren ziehen. Pech! Aber die Hatzjagd durch die old school Black Thrash-Nummern ist soundlich ein wenig zu old schoolig, um die Nummern in besseres Licht zu setzen und so manches Mal zermatschen die Songs ob des halsbrecherischen Tempos einfach. Da muß man mal Klassiker heranziehen, um Räudigkeit und Eingängigkeit zu vergleichen. KREATOR, DESTRUCTION, IRON ANGEL, VIOLENT FORCE, VECTOM... Sie alle haben sich wesentlich nachhaltiger mit ihren Songideen in die Gehörgänge gefräst. Und das schaffen HELLISH CROSSFIRE trotz aller old school-Romantik eben nicht. Am nähesten ist der Rausschmeßer "Hallowed in Fire" an diesem Spirit dranne. Schreibt die Jungs deswegen aber nicht ab und gebt ihnen trotzdem eine Chance.
Auch GORGONS EYES müssen bei der übermächtige Konkurrenz passen. »Inglorious Birth« hat einfach mal ein sehr bescheidenes Cover. Inhaltlich ist die Band ja nicht schlecht. Nur beim Live-Review steht ja schon, daß die CD gegen ihre eigene Performance nicht anstinken kann. Erstmal ist die Produktion ein wenig dünne geraten. Da fehlt ein wenig der Druck. Und dann wäre da noch das weitaus größere Manko: Der Sänger wirkt nicht auf der Höhe. Sein Gesangsstil ist eh nicht gerade das Gelbe vom Ei, doch was er Live noch ordentlich bewerkstelligt, klappt auf Silberling eben nicht mehr. Die gepreßte Sangesweise klingt gequält, gekrächzt und läßt Volumen vermissen. Man, der Kerl ist kein Hänfling, warum hört sich das dann so an? Und hier kann er nicht seine durchaus gute Bühnenpräsenz in die Waagschale werfen... Rein musikalisch betrachtet sind die Jungs durchaus konkurrenzfähig. Schnelle und epische Tracks mit Schlachtenfeeling erinnern etwas an glorreiche MANOWAR-Zeiten. Nun ist GORGONS EYES eine andere Nummer, der Vergleich hinkt dennoch nicht. Und ehrlich, bei dem Müll, den die "Kings of Metal" heuer hinlegen, würde ihnen der ein oder andere Song GORGONScher Feder durchaus positiv zu Gesichte stehen. "Farewell my Friend" z.B. ist lupenrein. Müßt Ihr Euch nur mehr Druck durch Produktion vorstellen, ein - logischerweise - aufdringlicheres Baßspiel und Eric Adams am Mic... "Under a frozen Sun" ist eine 1A-Hymne und "Bloodlust" oder auch "Warriors" - schon die Titel... - ballern als Ausgleich voll rein. Dies Niveau möchte gerne so manche Band mal haben, die dafür etablierte, große Label sowie Bombenproduktionen besitzen aber völlig blutleere Mucke verbrechen. Wenn nicht die Schwächen wären...
Zusammenstellung: Otger Jeske
Was meine Hausaufgaben hinsichtlich ONSLAUGHT betrifft, muss ich eingestehen, sie nicht gemacht zu haben. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich 1983, im Gründungsjahr von ONSLAUGHT, gerade mal eingeschult wurde. Ich kenne deren alte Scheiben nicht, bin aber reichlich entzückt, was uns die alten Kult-Haudegen von der Insel im Jahre 2007 in Form von "Killing peace" vor den Latz knallen. Brettharter, gnadenlos fett gemischter Thrash Metal in Reinkultur verteilt auf neun Stücke, die sich allesamt in nichts nachstehen. Immer schön mit Drive nach vorne klingt das für mich wie eine Mischung aus OVERKILL und EXODUS, herrlich Old School und in keinster Weise irgendwie auf modern getrimmt. Cover und Sound sind erste Sahne, die Songs hobeln schön abwechslungsreich, mal melodisch, dann wieder groovig oder bretthart, kurz: Die Abwechslung stimmt, dicke Spannungsbögen ziehen sich quer über das ganze Album, sogar der ein oder andere fette Moshpit-kompatible Breakdown wird hier verbraten, so dass ich unter dem Strich nur sagen kann, dass sich diese Reunion gelohnt hat, "Killing peace" ein mehr als wertiger Wiedereinstand ist und ich Idiot nun endlich einmal zusehen muss, mir deren alte Veröffentlichungen zuzulegen, da ich offensichtlich ne ganze Menge neben TESTAMENT, OVERKILL und EXODUS verpasst habe. Fettes Teil!
Heiland, TWISTED TOWER DIRE spielen genau den Sound, der meine Kumpels in tollwütige Rage versetzt... Klassischer Heavy Metal spaltet noch immer die Gemüter und "Netherworlds" ist da lediglich ein weiterer Keil für die Szene. Diese True Heavy Metal-Kiste gerät immer mehr zu einem Randphänomen verklärter Alt Achtziger-Fanatiker, die wie Kleinkinder protzen und nicht einsehen wollen, dass ihnen böse Death Metaller und fiese Thrasher sowie szenefremde (?) Hardcore-Jungs im Lauf der Zeit die wirkliche Szene bzw. jugendliche Basis genommen haben. Mal ganz im Ernst: Bei aller Liebe zu Remedy Records weiss ich keinen wirklichen Grund, warum man diesen betont kitschigen und ultraklassischen Heavy Metal von TWISTED TOWER DIRE heutzutage noch kaufen soll, zumal Scheiben dieser Art schon vor 10 Jahren keiner mehr aus den Billig-Wühlkisten bei Karstadt für eine Mark hat mitnehmen wollen. Vielleicht ist es heutzutage auch cool, noch mal die alte Kutte rauszuholen und mit Schnauzbart und Vokuhila auf Old School zu machen, mich jedenfalls reizt das alles nicht die Bohne. Ich denke, ich könnte es mir sparen, hier Bands wie JUDAS PRIEST, HELLOWEEN, JAG PANZER oder HELSTAR anzuführen, die hier zweifellos als gewisse Grundreferenz herhalten können. Was diese Truppen damals machten, hatte seine Berechtigung, hatte Hand und Fuss, war damals eben modern, aufregend, cool und zog die Leute in Scharen an, aber im Jahr 2007 muss man langsam mal einsehen, dass diese Schlacht längst vergessen und in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Ich benötige keinen anachronistischen Aufguss für Ewig-Gestrige, der klingt, als wäre er zwanzig Jahre in irgendeiner Kiste bei Karstadt vergessen worden. Die Jungs bringen nichts Neues, kupfern Altbekanntes und tausendfach Abgekupfertes erneut ab und lassen mich mit diesem für mich sinnlosen Plastikscheibchen fassungslos zurück. Was soll das!??
Laus mich doch der Affe: Wer hat da eine Band wie SKYWARD ausgegraben?! Ich habe ja zweifellos eine wirkliche Schwäche für weiblichen Gesang, aber in Verbindung mit altbackenem, alles andere als up to date klingendem Heavy Metal werde ich damit nicht warm. Die im Bandinfo erwähnte Verbindung zur Musik von NIGHTWISH lasse ich sicherlich nicht gelten, das bloße Vorhandensein einer weiblichen Stimme genügt da sicherlich nicht, um mit diesem eher kläglichen Versuch des Namedroppings bei mir zu punkten. Mit einigem Schmunzeln nehme ich zur Kenntnis, dass SKYWARD neben Bands wie SONATA ARCTICA und FREEDOM CALL, zu denen sie hervorragend passen, auf einer Bühne gestanden haben, jedoch ebenso bereits mit SENTENCED aber auch OBITUARY gespielt haben, was mit Sicherheit zu einiger Belustigung bei der Härtnerfraktion geführt haben dürfte. "Skyward" klingt leider ebenso kitschig wie die Scheibe aussieht, wobei es fürwahr eine lobenswerte Kunst darstellt, so viel weichgespülten Pop Hard Rock ganz ohne Keybaords zusammengezimmert bekommen zu haben, Respekt. Das mir unbekannte Label Manitou Music hat übrigens dieses Langeisen ins Rennen gesandt, wobei mich der sonst eher für hochklassiges Gebretter zuständige Vertrieb von Twilight in diesem Zusammenhang eher verwundert. Ich will die Kritik mal nicht zu hoch hängen: SKYWARD sind eine junge, völlig unbekannte Band, die versucht, mit klassischem Heavy Rock plus weiblichem, immherhin gut gesungenem Schmalz zu punkten und haben ein klitzekleines Underground-Label im Rücken, dass wohl noch niemand von euch kennt. Irgendwie muss man ja mal anfangen und wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Nächstes Mal vielleicht.
Klassischer Thrash Metal brüllt mich durch die Boxen an: Die vielerorts im Underground über den grünen Klee gelobten BLOOD TSUNAMI knüppeln uns mit "Thrash Metal", ihrem ersten richtigen Release nach mehreren Demos, zunächst eindrucksvoll beginnend die Ohren weich, wobei dieser Effekt leider schon nach den ersten drei Songs verschwunden ist: Allzu gleichförmig und vorhersehbar gniedeln die vier jungen Burschen eine Mischung aus typischem Alt Achtziger Thrash, der irgendwo bei DESTRUCTION und KREATOR beginnt und letztlich in der Bay Area-Ecke der Marke EXODUS oder auch OVERKILL endet, wenngleich die Produktion heutigen Massstäben vollauf gerecht wird. Die Norweger weisen trotz ihres jungen Alters bereits auf ihrem internationalen Debütwerk ein hohes Maß an handwerklicher Perfektion und Spielkunst auf, so dass da für die Zukunft sicherlich noch einiges zu erwarten sein könnte. Ich denke, wenn die Burschen sich in Zukunft stärker auf ihre wirklichen Stärken konzentrieren, nämlich die einprägsamen und gefühlvollen Gitarrenmelodien neben druckvollen Uptemporiffs, könnte noch einiges an Land gewonnen werden. Für die erste Scheibe bleiben ein paar gute Ideen zurück, über die Länge eines vollen Albums hinweg haben BLOOD TSUNAMI jedoch noch nicht genügend Saft. Neben einigen Killern bleiben in der Mehrzahl Füller übrig, die das Album unnötig in die Länge ziehen bzw. mich schlicht langweilen. Da wäre mir eine EP lieber gewesen, auf der man eine konsequentere und eindeutigere Marschroute vorlegt.
Uh, klassischer kann ein Heavy Metal-Cover gar nicht aussehen: BLACK RAIN legen uns "Black rain" vor, das so klingt wie es aussieht: Ganz klassisch bretzeln BLACK RAIN truen Heavy Metal alter Schule, der auch in Sachen Sound mehr wie eine Zeitreise und nicht wirklich topaktuell klingt. Die neun Stücke des Albums bringen nichts, was es nicht schon einmal so oder in anderer Form gegeben hätte und auch der Verweis im Bandinfo stimmt recht trefflich: Man nehme das Weinerliche von MOTLEY CRÜE, addiere die Sologitarrenarbeit von GUNS 'N' ROSES sowie den Gesang und packe Power Metal-Pomp der Güteklasse HAMMERFALL hinzu, ohne jedoch deren Geschwindigkeit, Bissigkeit und Güte zu erreichen. Großer Nachteil neben dem anachronistischen Sound ist vor allem die mangelnde Eigenständigkeit der Tracks, die allzu austauschbar auf mittlerem, biederem Niveau herumdümpeln, ohne wirklich aufhorchen zu lassen. Der Gesang schleift schön an den Eiern, wie wir das aus den Achtzigern zur Genüge kannten. Ich für meinen Teil bin durch mit dieser CD, die nach zweimaligem Durchlauf wohl bitter in den hintersten Regionen meines Schranks versauern wird. Da gibt's weiß Gott bessere Originale aus alter Zeit, die ich alternativ dazu aus dem Schrank zerren könnte, vorausgesetzt, der seit Jahren ausgebliebene Hunger auf Old School Heavy Metal käme wieder zurück, was ich bei der seit Jahren währenden Dauerdosis an Extrem Metal jeglicher Coleur nicht wirklich glaube. Vielleicht einfach die falsche CD für mich.
Dieses kleine Manitou Label aus Frankreich, bisher völlig neu für mich, fällt völlig aus dem Rahmen: Jeder, wirklich jeder Release fällt sogleich aufgrund der saumiesen Cover auf, für die jeder Grafiker erschossen gehört. Auch bei MZ, die mir mit "Nostalgic heroes" die kostbar kurze Zeit zu vertrödeln suchen, liegt ein kapitaler Fall von Augenkrebsgefahr vor. MZ dödeln den typisch schwülstigen Pomp Power Metal, den sie allerdings als Orchestral Metal verstanden wissen wollen. Ich kann leider gar nichts mit Bands wie SYMPHONY X oder FREEDOM CALL anfangen, für mich ist und bleibt das lausige Popmusik mit Schnauzbartcharme und pseudoharter, alibimäßig verzerrter Gitarre, obgleich ich auch MZ einiges technisches Können nicht absprechen will. Sicherlich sind die Bassfiguren z.B. teilweise ziemlich gut und bemerkenswert, auch die Drums, seien sie auch noch so pappig dünn produziert, offenbaren einiges an spielerischem Können. Großer Knackpunkt ist für mich der Gesang, der sich einmal mehr mächtig nach Eierfeile anhört und mir den letzten Nerv raubt. Diese Zeit ist einfach durch und ich bin heilfroh, dass die Spandexzeiten vorbei sind. Witzigerweise stoppt mein CD Player immer beim dritten Track automatisch und bewahrt mich davor, die 50 Minuten in Gänze zu hören. Mutigerweise habe ich natürlich auch bei Track 4 weiter bis zum Ende gehört, muss aber sagen, dass das nicht gerade die schönsten Minuten meines Lebens waren, urks. Was nimmt man nicht alles auf sich, um eine Kritik zu schreiben... Soll ja keiner sagen, ich würde nicht wenigstens jede Scheibe einmal bis zum Schluss aushalten. Wiederholungsgefahr besteht hier jedoch nicht.
TWILIGHTNING waren in meinem persönlichen Geschmackshorizont immer die angenehme Ausnahme von der Regel: Die Finnen spielten einst waschechten Power Metal in der HELLOWEEN plus X Liga, hatten aber dennoch seit jeher schon diese Kante PRETTY MAIDS im Sound und stampfende Hard Rock-Groover im Programm, die mich die Band ins Herz schließen ließen, obwohl selbiges eigentlich eine "Power Metal No-go-Area" ist. Die neue Scheibe "Swinelords" zeigt die Burschen in neuem Gewand: Endlich (?) ohne Keyboarder unterwegs, haben sich die Skandinavier auf ihre Hard Rock-Stärken konzentriert und diese in allen Belangen voll ausgespielt: Schon der Opener "Isolation shell" ist eine granatenstarke Melodic Heavy Metal-Wand mit einem unglaublich geilen Refrain, der sich tief im Hirn festfrisst. TWILIGHTNING drücken massenweise Hooklines und Hits am laufenden Band raus, die zu keiner Zeit "alt" oder anachronistisch klingen, sondern stets topmodern und erstklassig umgesetzt bzw. in Szene gesetzt wurden. Seit langem mal wieder eine Scheibe, die zehn Mal gute Laune satt liefert. Endlich mal wieder eine Band, die genug Atem hat, um zehn mal frische, neue Ideen in Songs zu gießen, die lange im Oberstübchen nachhallen. Endlich mal wieder eine hardrockende Metal-Scheibe, die nicht peinlich und nicht nach Schnauzbart klingt. In der nun dargebotenen Form, sittsam auf die wirklich wichtigen Strukturelemente reduziert und um den Power Metal gänzlich befreit, dürfte TWILIGHTNING nun auch die MTV-Türe offen stehen, ohne dass die Fünf sich hier zu stark anbiedern müssten oder allzu gezwungen modern klängen. TWILIGHTNING sind für mich nach wie vor eine Band mit Zukunft und klasse Songs, nach wie vor sträflich unterbewertet und szeneweit nur ungenügend wahrgenommen. Weiter so! "Swinelords" rockt euch das Haus! Fans von TREAT, EUROPE und PRETTY MAIDS sollten sofort zuschlagen.
Die Thrash Metal-Opas von HIRAX, die mal für ein Jahrzehnt locker von der Bildfläche verschwunden waren, poltern auch im 22. Jahr des Bestehens noch recht anachronistisch durchs Geäst. Geblieben ist alles beim Alten. Wer immer noch Bock hat, sich eine Mischung aus uralten OVERKILL, EXODUS und NUCLEAR ASSAULT reinzupfeiffen, liegt mit "Assassins of war" goldrichtig, zumal eine Mini CD mit 21 Minuten auch nicht allzu stark an die Nerven und den Geldbeutel geht. Eigentlich cool, da Mini LPs so ein Ding der Achtziger Jahre waren und heute so gut wie gar nicht mehr veröffentlicht werden. Andererseits klingen aber auch die 5 Thrashnummern wie vor 20 Jahren aufgenommen, sind sowohl kompositorisch als auch aufnahmetechnisch alles andere als up to date und somit wirklich nur für die Old School Thrash-Legionen unter euch gemacht, die frischen Stoff benötigen, der klingt, als wäre er vor langer Zeit vergessen worden. Selbstredend ist auch das Cover Metal-Klischee pur, was euch nicht zwingend vom Kauf abhalten sollte. Meiner Ansicht nach prinzipiell eher eine Scheibe für alte Säcke wie mich und garantiert nichts für die moderne Metalcore- und MTV-Generation, was ja irgendwie auch wieder charmant ist. Oder können die jungen Burschen da draußen noch was mit EXODUS oder eben HIRAX anfangen? Mir selbst ist das nach all den Jahren metallischer Hörgenüsse einfach ein Stückchen zu vorhersehbar und zu altbekannt, da kann ich einfach nicht mehr richtig drauf abgehen, ich bin satt.
Zusammenstellung: Dirk Wettlaufer
Eine Platte wie das Leben - Spaß und Ernst. Was 2002 als Helloween-Bückling begann, kann heute zumindest teilweise eine eigene Note vorweisen. Und genau in den Momenten wird die CD »Evil Needs Candy Too« gut und interessant. "Sunday Morning In London" ist hier besonders hervorzuheben; Flair nennt man das wohl. Das hat auch "Who Will Save The Hero", allerdings in einer anderen Schattierung. "Perfect Life" basiert auf einem MAIDEN-Riff und ist von allen Tracks am straffsten arrangiert - Kompliment! Daneben hat es mir vor allem der Humor der Italiener angetan - siehe "Like Donald Duck". Und das Cover ist einfach cool! Wenn TRICK OR TREAT dagegen einen auf HELLOWEEN machen (das haben sie ja schließlich "gelernt"), gehen bei mir die Schotten runter. Im Titeltrack spielt die Band so schnell, als wolle sie DRAGONFORCE überholen - oder als liefe sie vor sich selbst davon. Und das würde ich dann auch am liebsten tun... Hilfe! Völlig daneben sind "Back As A Pet" und "Back To Life". Bei letzterem wundere ich mich immer noch, wie langweilig man 9.23 Minuten gestalten kann. Fast genauso öde ist das pseudo-cool nachgeäffte "Girls Just Want To Have Fun" von Cyndi Lauper. Der Rest liegt irgendwo in der Mitte; wie auch der Gesang: Alles nicht überragend, nervt aber auch nicht. Tja, eben eine Platte wie das Leben - Licht und Schatten.
Was für CORNERSTONE im melodischen Hardrock gilt, sind MESSIAH'S KISS für die Hartgesottenen: eine Bank, so sicher wie Fort Knox. Die ersten beiden Kracher "Prayer For The Dying" (02) und "Metal" (04) machten schon keine Gefangenen, aber spätestens mit der neuen Abrißbirne "Dragonheart" braucht die deutsch-amerikanische Freundschaft absolut keinen Vergleich mehr zu scheuen. Vielleicht war der Vorgänger "Metal" doch nicht ganz so brillant, denn die Verbesserungen sind nicht zu überhören. Ob das daran liegt, daß mit Herman Frank der Produzent des Debüts wieder an den Knöpfen gedreht hat? Dabei spielte er gleich noch die Soli ein, und die klingen viel prägnanter als zuletzt. Überhaupt schlägt der Dynamik-Pegel ständig bis zum Anschlag aus, egal ob beim Epic "The Ivory Gates" oder den Nackenbrechern "Steelrider" und "Nocturnal". (Apropos "Nocturnal": Das Ding sollten sich alle "Trampeltiere" mal anhören: SO spielt man Doublebass!) Was auch immer die Gründe hierfür sein mögen, MK klingen kompakter denn je. Die vier verschwenden keine Zeit, montieren dir lässig die Rübe ab - ohne viel Federlesen, aber immer mit Stil und Klasse. Zum Beispiel wird diesmal auf ein Intro verzichtet und stattdessen mit "The Ancient Cries" gleich in die Vollen gegangen. Monsterröhre Mike Tirelli paßt sich jedem Song optimal an und klingt von Stück zu Stück ein wenig anders. So könnte ich noch endlos weiterschwärmen, etwa daß sich der Titelsong auf "Painkiller" in bester Gesellschaft befunden hätte, daß "Open Fire" ebenso rotzig wie elegant aus den Boxen stürmt usw., aber dies ist eine Scheibe, die man gehört haben MUSS. Keine Ausreden!
Zusammenstellung: Michael Schübeler