CONVERGENCE starteten als Melodic Death-Band, entwickelten sich dann jedoch zunehmend in den trendy Nu-Sektor. Einiges haben sie sich glücklicherweise bewahrt. Und so klingt »Points of View« streckenweise recht flüssig, nicht so sperrig. Gerade diese Gradwanderung zwischen Alternative-Sounds, Nu-Brachialität und der Verspieltheit des Melodeath laassen die Italiener hörenswert erscheinen. Leider schaffen sie es nicht, sich wirklich nachhaltig in den Gehörgängen festzusetzen. Wenn Alessandro seine variable Stimme in Ähnlichkeit zum METALLICA-Frontman bringt, wird es leicht catchy. Wohl aber nur deswegen, weil man meint, sich erinnern zu können. Nur eben nicht an CONVERGENCE. Muß man mal sehen, wie sich das Schiff entwickelt, ein brauchbarer Rohbau existiert.
Metalcore ist so 'ne Sache, die in meinen Augen nun völlig überflüssig ist. Genauer muß man natürlich "neuen" Metalcore sagen, denn genau wie die unsägliche "neue" Crossoverwelle in den '90ern, gab es das Genre schon einmal - in den '80er. Und wir wissen alle, da war alles besser (oder fast). Musikalisch auf alle Fälle. Aber die Entwicklung war ja eh merkwürdig. Eigentlich ist das ja die new new School des Hardcore. Nur die neuen Hardcorekiddies fingen irgendwann an, keinen Hardcore mehr zu spielen. Dafür Death Metal oder Melodic Death. Der typische HC-Gesang blieb und oftmals auch die PC-Texte. Völlig daneben! Und nun scheint es sich soweit vorgefressen zu haben, daß Metalcore daraus geworden ist, wo die Herkunft der Mitglieder schon völlig egal geworden ist. Die Österreicher LORDS OF DECADENCE beschreiten grob gesagt mit »Bound to Fall« genau jenen Weg. Prinzipiell klingt das Album aber näher am Melo Death, denn sonstwas. Das hört sich teilweise richtig gut an. Vor allem ist der Gesang kein abartiges Gebrülle, wie bei vielen ihrer Mitbewerber. Da scheint wesentlich mehr musikalische Vernunft vorhanden zu sein. Okay, vielleicht ist es aber auch nur Glück, genau jenen Shouter gefunden zu haben. Interessant sind elektronische Soundspielereien im Hintergrund. Eher untypisch, bereichern sie hier die Songatmosphäre. Andernorts wird da gerne ein kitschiges Keyboard hingeklatscht. Daran merkt man dann wohl auch, daß man es nicht mit einer reinen Melo Death-Band zu tun hat. In den Songs finden sich durchaus neumodische Erscheinungen - glücklicherweise meist recht dezent. In der Art also auch durchaus okay für Traditionalisten.
Einen Stilmischmasch bieten LIVID BREW. Das zweite Album »Shot of Adrenalin« hält einen kleinen Suchtfaktor bereit. Die Songs sind hart und modern. Dazu gesellt sich ein markanter, METALLICA-ähnlicher Gesang, der zu den harten, teilweise sanften Songs sehr gut paßt. Die Musik ist unaufdringlich, geht leicht runter und auch die modernen Elemente sind nicht überbordend in die Fresse gedrückt. Das ergibt im Ergebnis eine runde Sache und eine sinnvolle Definition von modernem, harten Rock.
Die ganzen merkwürdigen Zahm&Wild-Bands hören sich auch alle gleich an. Softige Mucke mit fast säuselndem und jammerndem Sänger und dann völlig sinnlose Brüll-Attacken und Aggro-Parts in der Mucke. Auch AIRWAY fahren diese Schiene und ich kann nicht einen einzigen Unterschied zu den stapelweise anderen CDs finden, die von solchem Zeug hier rumschwirren. »Faded Ligths« kommt aus Italien und dürfte es deswegen schon erheblich schwerer haben.
Wesentlich knalliger und direkter sind ihre Landsleute von BLEED SOMEONE DRY, die mit »The World is falling apart« irgendwie so leicht in neue SEPULTURA/SOULFLY-Richtung zu gehen versuchen. Haben aber die Tribals nicht drinne oder wenn, dann nur andeutungsweise. Dafür knüppeln sie des öfteren ordentlich derb und straight drauf los. Kann man sich durchaus anhören.
Brüllaffen-Attacke! THE MARCH OF SEASONS spielen Metalcore. »My Winter« ist demzufolge komplett überflüssig, wie die Band auch selbst. Wer braucht nach Milliarden von durchschnittlichen Melo Death-Bands noch Milliarden durchschnittlicher Melo Death-Bands mit ekligen Schreihälsen? Genau, vernünftige Menschen nicht. Aber wer auf Grütze wie CALIBAN und Konsorten steht, dem werden auch THE MARCH OF SEASONS gefallen.
Und als ob das Ende noch nicht erreicht wäre, kommen jetzt ANARCOTICI aus Italien. Leute, Leute! Könnt ihr die Irren nicht einfach in ihren Anstalten lassen? »Iride« ist dermaßen nervig, daß ich mich arg zurückhalten muß, um hier nicht völlig ausfällig zu werden. Die Musik ist dermaßen gezügelt und schräg, daß es mich abstößt. Dazu gesellt sich der passende Sänger, welcher gequält herumbrüllt. Die CD ist mehr als überflüssig!
Nun, kann man von THE FALL OF TROY nicht behaupten. Aber dies impliziert nicht, daß »Manipulator« essentiell wäre. Das rad wird hier nicht neu erfunden. Emo trifft auf Aggro. Einfaches Rezept und Millionenmal erprobt. Mich hat's noch nie vom Hocker gerissen und das ist auch hier nicht der Fall. manchmal hat man den Eindruck, daß die band richtig was raushauen könnte, wenn man überlegen würde, wo die Stärken liegen und konsequent in diese Richtung arbeitet. Aber hey, klar, könnte dann bedeuten das man sich "ausverkauft" und "abwimpt". Nur wie nennt man das eigentlich, wenn man Trendmucke zockt? Ausverkaufen, abwimpen? Ich sach einfach mal, die softeren, meldoischeren und trotzdem kickigen Passagen mit cleanem Gesang und vielleicht einem spacigen Unterton sind eher geeignet, aufhorchen zu lassen, als die sinnlosen Krachorgien, die jder, der halbwegs ein Instrument in der hand halten kann auch so hinkriegt. Und der ständige Wechsel hat in meinen Augen noch nie was mit Songbau zu tun gehabt sondern eher mit Stümpern. In diesem Fall ändern die vielen Prog-Fideleien auch nichts an der Zusammenkleisterung verschiedener Fragmente. Ein "Tschüß" ohne "Schade eigentlich"; eher "selbst schuld".
Merkwürdig, wenn man u.a. MAIDEN als Einfluß (an den Haaren) herbeizieht und dann Metal Core runterreißt. Jedenfalls nerven mich A PLEA FOR PLUNGING nicht mit einem unmöglichen Kreischhannes. Da hat man sich vielmehr auf die traditionelle Death Metal-Sichtweise eingeschossen, ohne daß der Sänger arg tiefgelegt wurde. Geht gut durch. Musikalisch sind unverkennbar Neo-Einflüsse vorhanden, doch agiert der Fünfer immer wieder relativ straight. Da auch ein wie gearteter - ähem - Götheburg-Einfluß nicht auszumachen ist, geht »A Critique of Mind and Thought« durch. Nicht, daß ich in Jubelgeschrei ausbreche, aber man kann die CD durchaus durchlaufen lassen.
Zusammenstellung: Otger Jeske
Noch vor wenigen Wochen habe ich "A chorus of obliteration" der us-amerikanischen Überraschungsüberflieger THE SHOWDOWN besprochen, einem Re-Release, der mich aufgrund seiner unglaublichen Mischung aus Death Metal, Hardcore und modernem Metalcore ordentlich begeisterte. Wenige Wochen später liegt nun Album Nummer zwei vor, dass zwar ebenso abwechslungsreich klingt wie sein Vorgänger, stilistisch mit diesem allerdings nur noch wenig bis gar nichts gemein hat und aufs Neue völlig überrascht. "Temptation come my way" klingt nun endlich nach Heimathafen, den die Amis gefunden zu haben scheinen. Hierzu gehört zum einen die leicht todesmetallische Vergangenheit, aus der wenigstens gelegentlich noch 2% IN FLAMES-Roots herausblitzen, die ehemalige Hardcore-Kante, von der bestenfalls 2-3% übrig geblieben sind und eine rasante und überlegte Fortentwicklung des Metalcore-Konzeptes, dem man mit "Temptation come my way" völlig hat entfliehen können und ein neues Kapitel der Stilisierung aufstößt. Im wesentlichen spielen THE SHOWDOWN echten Heavy Metal mit allen denkbaren Facetten, stets stimmig, extrem melodisch, musikalisch herausragend komponiert und instrumentell hochklassig in Szene gesetzt. THE SHOWDOWN verpacken Hooklines in Masse, drücken dir mit den hammerfetten Melodien die Freudentränen in die Augen und das ständige Wiederauflegen der Scheibe zeugt bereits im Anfangsstadium von echtem Klassikerfeeling. Auffällig ist dabei sicherlich der Weg, den die Amis eingeschlagen haben: Weniger Brutalität, weniger Kompromisslosigkeit, mehr Rock, mehr cleane Passagen, mehr Stadionfeeling, mehr MTV-Kompatibilität. Langweilig? Keineswegs! Für mich klingt "Temptation come my way" nach dem schwarzem Album von METALLICA plus NICKELBACK, gespickt mit einem Hauch Metalcore-Vergangenheit und klassischem Hard Rock- bzw. Metal-Verständnis. Ein zeitloses, völlig überraschendes und gänzlich vom Vorgängeralbum losgelöstes Album einer Band, die eine gigantische Metamorphose durchgemacht hat. Unglaublich. METALLICA-Fans der softeren, älteren Periode sollten genau hinhören!
Versehen mit einem netten Posterbooklet und einem ästhetisch schönen, nachdenklichen Cover poltern BENEATH THE SKY als x-te Metalcore-Band aus den USA zu uns herüber. Der Zug, auf den unzählige SHADOWS FALL-Clones, KILLSWITCH ENGAGE-Kopierer und sonstige Nachahmer aufgesprungen sind, scheint immer noch nicht ganz abgefahren zu sein, anders kann ich mir diesen vorhersehbaren Release kaum erklären: Geboten werden alle Standardzutaten: Fiese Breakdowns, schwedische Melodien, Death Metal und Hardcore, nette Singalongs und Weichspülrefrains, Punkt. Bliebe das nervig und unpassend hinzuaddierte Keyboard zu erwähnen, dass jeder Gitarrist besser hätte ersetzen können. Alles andere als Up to date ist leider der unterproduzierte, wenig transparente Sound, der "What demons do to saints" nicht gut tut. Die Drums setzen sich leider nicht durch und auch die leicht verstimmt klingende Saitenfraktion geht in all dem teilweise leicht neben dem Punkt liegenden Gepolter etwas unter. Der Gesang offenbart ebenso nichts Neues: Wenn nicht gerade clean, dann böses Pseudogekeife ohne Eier und Growls ohne Rückgrat. BENEATH THE SKY besitzen zwar den ein oder anderen interessanten Ansatz, werden aber mit diesem lausigen Sound und der offenbarten Leere an eigenen Ideen international sicherlich keinen Blumentopf gewinnen. Mir scheint, dass der Release schnell noch rausgehauen wurde, um noch irgendwas vom Metalcore-Kuchen abzubekommen, von dem sich wirklich jedes Label der Erde einen kleinen Teil abschneiden möchte. Victory Records wird das mit diesem Release nicht gelingen. Viel zu viel Einheitsbrei und offensichtliche Schwächen in vielerlei Hinsicht verderben mir leider den Spass, sehr schade, sorry.
Ne, oder? APRIL aus Finnland rocken mir mit ihrem Debüt "Tidelines" die Birne weg und rücken in meine persönliche Top 10 der "Best Album 2007"-Liste ein! APRIL rocken und grooven mächtig schwer, wobei das Hauptaugenmerk auf den dicken Singalongs und einprägsamen, recht hoch gesungenen Refains liegt, um die sich donnernde Riffberge auftürmen. Stilistisch ist das ebenso Heavy Metal wie auch Alternative Rock, manchmal gar eine kaum wahrnehmbare Spur Pop, vor allem aber auch und immer irgendwie mit einer Prise Metalcore versehen, den APRIL überrunden, fortentwickeln und auf die nächste Stufe der Entwicklung bringen. Manchmal blitzen, wie für den Metalcore typisch, IRON MAIDEN durch, hingegen fehlt die typische Hardcore-Brutalität völlig, obgleich das Riffing manchmal aus jenem Bereich entwachsen zu sein scheint. Sei es Emocore oder Post-Metalcore, mir ist es egal, so lange es rockt wie "Tidelines", auf dem zehn Stücke stehen, die ich alle als Anspieltipp geben möchte, da wenigstens jeder dieser verdammten Songs eine brilliante Idee hat, die man einfach immer wieder hören muss. Sei es die groovige, musikalisch extrem coole Bridge in "Dead man walking", dessen Refrain sich im hintersten Hirnwinkel festfrisst, oder gleich das Anfangsriff zu "Colourblind", das klingt, als hätten IN FLAMES die Fernsehserien "Buffy" oder "Charmed" geschaut: Mal gefühlvoll leise, dann wieder mit Schmackes nach vorne versohlen euch APRIL schön das Hinterteil. Als weiterer Pluspunkt wäre sicherlich zu erwähnen, dass ich keine halbwegs vergleichbare Band anführen kann, obgleich im entfernteren FUNERAL FOR A FRIEND irgendwie denkbar sind. Der Sound kommt insgesamt furztrocken und dicke, keine Kritik. Wer sich gleich die Stereoanlage zerstören möchte, der sollte den brutal heftigen Opener "The power of one" schön laut aufdrehen...
Kaum das man über TRIVIUM spricht, sind die ersten Nachahmer auf dem Plan, was bei der schamlosen Abkupferei, die eben jene selbst betreiben, eigentlich ein schlechter Treppenwitz ist. Dem Bandinfo nach sind LOST EDEN Japans bestgehütetes Metal-Geheimnis und die Antwort des Orients auf ebenbesagte TRIVIUM, uuuarks wird mir schlecht. "Cycle repeats" bietet einmal mehr Metalcore von der Stange, hörbar getriggerte Drums, Gitarrenbreitwände im altbekannten Format und null neue Ideen, obgleich es insgesamt natürlich dicke scheppert und sittsam metallisch kracht. Irgendwo auf dieser Welt muss es einen Automaten geben, an dem man sich Sänger für Eins-Fuffzich ziehen kann, anders kann ich mir die inflationär auftauchenden Brüll- und Kreischwürfelbrigaden nicht erklären, die allesamt den Metalcore-Zirkus für sich erfunden haben wollen. Ruck Zuck ne cleane Melodei reingesungen, bisschen Punch untenrum, Schwedentod dort und fertig. Auch in Japan weiss man, wie SOILWORK und IN FLAMES klingen und dass man das optimalerweise mit einer Spur Core jeglicher Art spicken sollte, um bei den jungen Käuferschaften anzukommen, haben die kapiert. Diese Stangenware löst bei mir mittlerweile Brechreiz aus! Ich hab den Kanal und vor allem das Regal voll mit halbgarem Death-Metal-Hard-Melodisch-Was-weiss-ich-denn-Core, ohne dass mir hier mal jemand kräftig die Hammelbeine lang zöge. Entweder bin ich total abgestumpft, satt, oder es kommt tatsächlich nur noch halbgares Zeug raus. Ich mag mein Fleisch jedenfalls schön durch und dieser halbgare Sushi Metal-Happen der japanischen LOST EDEN liegt mir krumm im Magen. Schnaps, Spülen, weg damit.
NINE sind der Überraschungsüberflieger schlechthin! Die Schweden donnern mit "It´s your funeral" eine dermaßen harsche, megabrutale Death Rock-Walze heraus, das mir der Kittel wegfliegt! Als Grundgerüst für dieses sechste Album standen sicherlich ENTOMBED oder CRACK UP Pate, zu denen man sich neben einer Spur TURBONEGRO und INTEGRITY bitterbösen New Orleans-Sludge der Marke CROWBAR hinzudenken muss, über dem ein absolut genialer Brüllgesang thront, der mich hin und wieder doch an SKITSYSTEM erinnert. Wenn die Herren dann auch noch wie im treibenden Überflieger "Nothing left for the vultures" dezente Melodiegitarren in die rhythmisch mehr als reizvolle Songstruktur einbauen, schießen sicherlich nicht nur mir WOLFBRIGADE durch den Kopf, die in der Doomvariante wohl wie NINE klängen. Die sporadisch eingesetzten melodischen Vocals bzw. Refrains klingen typisch skandinavisch und passen zum Rest wie der Arsch auf den Eimer. Schöner kann man Metal, Rock, Hardcore, Sludge und Death 'n' Roll einfach nicht durchmischen als NINE: "It´s your funeral" ist hochgradig eigenständig, wegweisend, individuell, tonnenschwer und absolutes Gift für die Trommelfelle, die nach immer mehr und vor allem mehr Lautstärke schreien. Im Gegensatz zu seinen letzten Soundverbrechen hat Daniel Bergstrand dieses Mal wirklich alles richtig gemacht und ein topmodernes Kreuzüberwerk produziert, welches euch keineswegs durch die Finger flutschen sollte. Auch nach dem zwanzigsten Durchlauf und zwei Strafzettel später muss sagen, dass sich NINE exzellent zum Autofahren, Chillen, Abhotten und Feiern eignen und welche Platte schafft das heutzutage schon!? Mit dieser Band ist schwerstens zu rechnen, das hat Hand und Fuss und vor allem Zukunft! Himmel, jetzt muss ich aber schleunigst zusehen, dass ich die alten Alben der Burschen noch in die Finger bekomme...
Mal wieder eine Mischung aus rhythmischer Vertracktheit á la MESHUGGAH, amerikanischem Bollwerk der Sorte MACHINE HEAD nebst postcorigem, melodiebeseeltem Groove- und Breakdowngehämmer: HACRIDE liegen mit "Amoeba" zum einen stilistisch hinsichtlich kommerzieller Verwertbarkeit durchaus richtig und weisen auch die dafür notwendige, beinahe überproduziert - weil unnatürlich fett - klingende Produktion vor, andererseits lassen es die vier Burschen weitgehend an individueller Durchschlagskraft und Kompromisslosigkeit missen, so dass ich alle Songs so oder in einem anderen Zusammenhang alle schon einmal zu hören geglaubt habe. Teils disharmonisch gehen die Herren über weite Strecken mit der Brechstange vor und brechen dabei durchaus den ein oder anderen Wirbel, leider tun sie das über weite Strecken mit einer nicht zu verleugnenden Belanglosigkeit und Austauschbarkeit, so dass mich der Todesmörtel von HACRIDE nicht wirklich berührt, obgleich die extravaganten, cleanen und durchgeknallten kleinen Spielereien in Songs wie "Zambra" oder "Fate" immerhin interessante Akzente setzen. Das zweifellos schöne Cover als auch die überzeugende Aufmachung des Releases, die international anstinken kann, reißen HACRIDE leider auch nicht aus dem Mittelmaß anderer Groove-Frickel-Bollo Monster heraus. "Amoeba" klingt schon sehr speziell und wird sicherlich auch eine eingeschworene kleine Anzahl von Death-Prog-Core-Feinschmeckern zu überzeugen wissen, für die breite Masse ist deren Sound aber sicherlich nicht geschmiedet worden. Letztlich werde ich auch nach mehrmaligen Durchläufen nicht warm mit dieser Scheibe und fühle mich eher von versierten Musikern vorgeführt statt wirklich beeindruckt oder mitgerissen, so dass ich die Segel streiche und HACRIDE mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn bis auf weiteres in meinem CD-Schrank versauern lasse.
THE YOUNG GODS verstehe ich nicht. Schon das Cover zu "Super ready / Fragmente" ließen mich die CD zunächst nach ganz hinten in den Stapel der zu besprechenden CDs legen. THE YOUNG GODS aus der Schweiz gibt's schon seit Urzeiten und sind international schon zu großem Ruhm, Ehre und Anerkennung gelangt, waren mir bisher jedoch unbekannt. Im wesentlichen gibt's hier eine Packung Grunge plus Stoner, aufgefrischt mit Elektro- und sanften Industrialelementen (MINISTRY, Mike Patton bzw. FANTOMAS-Wahnsinn). Hinzu kommt eine Spur Popappeal, Unkonventionalität, Stilbruch, progressiv vertrackte Rhythmik, die gelegentlich bis in den Techno/Trip Hop vorrutscht und cleaner, halliger Gesang aus dem Düster Rück-Spektrum. Egal ob mit verzerrter Gitarre oder mit Synthesizern: THE YOUNG GODS nutzen alle erdenklichen Einflüsse, Instrumente und Spielereien zu einem innovativen wie einzigartigen Cocktail, der trotzdem rund, flüssig und nachvollziehbar klingt, so dass auch die Metalszene durchaus ernsthaftes Interesse an diesem Avantgrade-Werk finden dürfte. Stilistisch ist das nicht so mein Ding, allerdings musste ich kürzlich feststellen, dass sich "Super ready / Fragmente" hervorragend dazu eignet, in tiefschwarzer Nacht Auto zu fahren. Selbstredend nur mit verriegelten Türen und doppeltem Sicherheitsgurt. Irgendwie angsteinflössend und dennoch ziemlich leichtfüßig spielen THE YOUNG GODS eine Art moderne Welt-Musik, bei der rücksichtslos in allen Sparten der Tonerzeugung gewildert wurde. Ein gigantisches Puzzle aus Tönen, Sounds, Instrumenten und Fragmenten für all jene, die mit ihren Ohren und Synapsen gerne puzzlen und fernab von roher Gewalt mal andere Töne an ihr Ohr kommen lassen wollen. Eigentlich echt nicht mein Stil aber trotz aller Vorbehalte so genial und überlegt gemacht, dass ich das einfach nicht schlecht finden bzw. bezeichnen kann. Ziemlich irres, abgedrehtes Teil trotz bescheidenem Coverkonzept.
Strunzlangweiligen Thrash gniedeln mir die norwegischen SUSPERIA um die Ohren, die inflationärerweise einmal mehr Daniel Bergstand als Mischer beauftragten, was in der Regel für zu stark getriggerte Drums und einen unnatürlichen fetten Sound spricht. Wenn man sich also vom dicken Sound, der nicht meine Wellenlänge ist, täuschen lässt, kommen unter dem Strich bei "Cut from stone" musikalisch ziemlich banale, modern angehauchte Thrashnummern raus, die wir trotzdem allesamt schon zu kennen scheinen. Eine Spur Bay Area, viel MACHINE HEAD und noch mehr RAUNCHY und FEAR FACTORY und fertig ist ein Gebräu, welches nach wie vor gut verkauft, auch angesagt sein mag, mir jedoch nicht mehr als ein müdes Gähnen abringt. Gitarrengewichse, ein paar einprägsame Refrains von der Stange und kilometerweites Geschrubbe auf der E-Saite plus Grooveanfälle und kurzem Herzschmerz-Schmacht-Vocalanfall, ach nee, das kenne ich alles schon zur Genüge und nichts von alledem, was SUSPERIA hier offerieren, habe ich nicht schon einmal so oder in anderer Form besser gehört. Gutes Zitieren ist ja auch eine Kunst, gell? Nach den ersten fünf Durchläufen finde ich das Album zwar nun nicht mehr ganz so schlimm, aber immerhin noch belanglos genug, um keine Kaufempfehlung auszusprechen, außer ihr steht auf besagte Bands und habt als Allessammler genügend Geld für Mittelklasse-Alben von der Stange.
Was für ein Kaliber... In der klassischen Musik nennt man Stücke (soweit ich das mit meinem allgemein-musiktheoretischen Spatzenhirn weiß), die keinem festen Schema oder irgendeiner Struktur folgen "durchkomponiert". SEE YOU NEXT TUESDAY sind ein ebensolcher Fall, dieses Mal jedoch alles andere als klassisch sondern nervenzerfetzend im Mathcore-Stil, einer jüngeren Stilbeschreibung, die sich des Wahnsinns des Grinds bedient, jedoch weitaus technischer und brutal-progressiv zu Werke geht. Hardcore ist da ebenso zur Hand wie eine Idee von Noisecore und natürlich death metallischem Urhandwerk. "Parasite" ist brutalster Mathcore pur, aberwitzig verrückt, schmerzhaft und durchgeknallt, fernab von jeglichem bisherigem Musik- und vor allem Songverständnis. Ungerade Zählzeiten, fortschreitender Rhythmik- und Taktoverkill, frei von Tonarten oder Harmonien, völlig gelöst von "alten" Schemata wie Refrain oder Strophe. Ich verstehe SEE YOU NEXT TUESDAY fast mehr als ein künstlerisches Experiment, um bisher angenommene Extremgrenzen erneut zu verschieben. "Parasite" hat folglich schon nichts mehr mit subjektivem Gefallen zu tun, denn wirklich interessiert kann man diese Wall of Sound ehrlich gesagt nur wenige Minuten aushalten. Eine ganze Scheibe lang ist doch ganz schön viel, macht aber auch mal Spaß, sich selbst zu quälen. SEE YOU NEXT TUESDAY sind quasi Kunst, vielleicht eher "Violent Art" statt wirklicher Musik, die hin und wieder noch durchschimmert, wenn sich die Gitarristen ausnahmsweise einmal nachvollziehbare, kurze Melodien erlauben, während die Rhythmusfraktion total abdreht und der Sänger wie ein abgestochenes Schwein schreit. Hat irgendwas. Im übrigen solltet ihr den Bandnamen mal mit englischen Buchstaben übersetzen... C.U.N.T. findet ihr nur in unanständigen Englischwörterbüchern, könnte aber darauf hindeuten, wie Songtitel wie "Baby, you make me wish I had three hands" zu verstehen sind. Völlig kaputt...
Zusammenstellung: Dirk