Nun, ich würde behaupten "typisch deutscher" Hardrock der melodischen Sorte kommt von WILD FRONTIER auf ihrer neuen CD »Bite the Bullet«. Das heißt in diesem speziellen Falle nichts Schlimmes, denn WILD FRONTIER haben neben ihrem ausgeprägten Hang für klasse Melodien (siehe "Anything you want") auch ausreichend Grundhärte zu bieten, um nicht in die Falle von BONFIRE oder den gar gräßlich AXXIS zu tappen. Eine durchaus gelungene Scheibe, auf der hier und da auch mit Keyboards ein wenig experimentiert wird ("Don't walk away"), und auf die sich das eine oder andere ACCEPT-Riff verlaufen hat. Macht aber nichts ...
Manche Bands sind einfach nicht totzukriegen. Die jeweiligen Fans wird es freuen, ich sehe die in den letzten Jahren wieder aufgeblühte Geschäftigkeit von Acts wie MAD MAX eher mit zwiespältigen Gefühlen. Sehr, sehr melodisch, schon fast poppig gehen sie auf ihrer neuen Studio-CD »White Sands« zu Werke. Das eine oder andere nette Riff, gepaart mit einer hübschen Songidee (siehe das ein wenig orientalisch angehauchte "Little Princess"), hat sich unter den neun Songs zwar versteckt, aber inesgesamt ist mir das Songwriting doch ein wenig zu offensichtlich - der Opener "Family of Rock" z.B. läßt mich mit Schaudern an BON JOVI denken ... Doch recht glattgebügelten AOR bieten CODE auf ihrer CD »The Enemy within«. Alles sehr professionell dargeboten, äußerst kompetent produziert, aber es fehlt mir ein wenig die Seele, sehr pompös kommen Songs wie eben "The Enemy within" rüber. CODE klingen wie ein Relikt aus den 80er Jahren, legen ein Album vor, mit dem FOREIGNER sicherlich nach "Jukebox Hero" einen weiteren riesigen Hit am Start gehabt hätten, aber 2007 findet amerikanischer Pomp-Rock eben nur noch in Nischen und nicht mehr auf dem Fernsehschrim von "Formel Eins" statt. Dennoch: (Unverbesserliche) Fans von TOTO, SAGA, LOVERBOY oder NIGHTRANGER kommen bei den zwölf Songs voll auf ihre Kosten.
Tja, es gibt nun einmal bereits eine Band, die sich SHIVA nennt, nämlich die bekannte Gruppe aus der Periode der N.W.O.B.H.M., die nach dem legendären 82er Debüt »Firedance« mit »Continuance« kürzlich ein ebenso begnadetes Follow-Up hingelegt hat, das Ihr unbedingt antesten solltet. Da muß eben selbst ein so renomierter Künstler wie Mat Sinner den Hut ziehen. Dieser spielte in den 70ern laut eigener Aussage zwar selbst unter dem Namen SHIVA, aber brachte es eben zu keiner Veröffentlichung. Bis jetzt jedenfalls, denn als GODDESS SHIVA steht nun das 30 Jahre verspätete Debüt in den Läden. Im Vergleich zu SINNER kann man GODDESS SHIVA, ein Power-Trio, durchaus empfehlen, auch wenn die Vergleich mit Frank Marino's Magaony Rush doch sehr hinken. Einprägsamer, roher Hardrock dröhnt aus den Boxen, Nummern wie "Mind of a Killer" sind höchst eingängig, der fernöstliche Einfluß (den Bandname und Cover heraufbeschwören) beschränkt sich hingegen leider weitestgehend auf vereinzelte Intros.
»Saturn Skyline« ist bereits der vierte Longplayer der schwedisch-deutschen Formation LAST AUTUMN'S DREAM - wie die Zeit doch vergeht! Die Band besteht aus ehemaligen Mitgliedern von FAIR WARNING sowie TALISMAN. Spielerfahrung haben die Jungs also allemal, und das merkt man den elf Songs wie "American Girl" oder "Still on the Run" auch an. Der Opener "For the Young and the Wild" gibt dann musikalisch auch gleich die Richtung vor: Melodischer Hardrock, sehr happy, eine Mischung aus BON JOVI und WHITE LION, feinster 80er Pudelrock mit nur wenigen härteren Momenten ... Holt die Spandexhosen aus dem Schrank und schüttelt die Dauerwellen!
Ehrlich gesagt, aktuelle Glam-Rocker wie WIG WAM gehen mir doch tierisch auf die Nerven - und wohl nicht nur alleine mir! Schade drum, daß sich GLAMOUR mit dem Bandnamen und der optischen Präsentation auf dem CD-Frontcover genau in dieser Richtung positionieren. Schade ist dies deswegen, weil die Musik von »The Mood« nicht weiter von POISON und Konsorten entfernt sein könnte. Geboten wird elfmal durchaus kerniger Hardrock mit wunderbaren Hooks (höre "The Mood"), originellen Gitarrensolos und melodischen Vocals. Klar, ein paar Querverweise zu KISS lassen sich nicht verleugnen ("In the Night"), doch das halte ich ganz und gar nicht für ehrenrührig ...
Es dürfte nicht wenige geben, die MC COY nur durch seine vollschlanke Figur kennen, der begnadete Baßist und Sänger hat seit den frühen 70er Jahren indes bereits unzählige musikalische Stationen hinter sich gebracht. Die bekanntesten davon sind vielleicht SAMSON, GILLAN und sein eigenes, sträflich unterbewertetes Soloprojekt MAMMOTH. All jene Namen sind natürlich auf dieser prallvollen und mit sehr viel Liebe zusammengestellten Doppel-CD-Retrospketive namens »Unreal - The Antoholy« auf Angel Air vertreten. Dazu aber auch hoffnungslos obskure Hardrock-Perlen wie ZZEBRA, NEO, SUN RED SUN oder das Funprojekt THE SPLIT KNEE LOONS. Toller bluesiger Hardrock mit viel Sinn für abstrusen britischen Humor - John Mc Coy ist ein echtes Original!
»Caught in the Act« von STORMZONE hat eigentlich auf den ersten Blick alles, was eine herausragende CD braucht: ein tolles Fantasy-Artwork à la Rodney Matthews sowie in John Harv Harbinson einen Sänger, der (vermeintlich) eine illustre Geschichte aufzuweisen hat. Jenem wird nämlich nachgesagt, einst Mitglied bei den Belfastern SWEET SAVAGE gewesen zu sein. Nun, wenn dies wirklich der Fall war, dann in der absoluten Spätphase, denn auf jeglichen Recordings der Kult-N.W.O.B.H.M.-Band fehlt sein Name. Was wohl auch besser so war, denn sein Organ hat leider nur Schlagerqualitäten, so schnell zerplatzt eine Seifenblase: die elf Songs von »Caught in the Act« sind (mit Ausnahme des RAINBOW-artigen ãNervous Breakdown") lediglich biederer Weichspülerrock, der kaum den Härtegrad von PRAYING MANTIS, EXPORT oder GRAND PRIX erreicht É
ATOMIC ROOSTER sind so etwas wie die graue Eminenz der 70er Jahre Hardrock-Bands, während DEEP PURPLE, LED ZEPPELIN und BLACK SABBATH heute als Haushaltsnamen gelten, und auch Okkult-Rocker wie BLACK WIDOW zumindest eine kleine Nische besetzen, so ist die Formation um Vincent Crane und John DuCann nur wirklichen Insidern ein Begriff. Vielleicht war ihr Sound einfach auch zu sperrig, pendelte mühe- aber nicht orientierungslos zwischen Fusion Jazz, Prog und brodelndem Hardrock. Ein schöner Startpunkt zum Kennenlernen ihres Sounds ist die liebevoll aufbereitete ãExpanded Deluxe Edition" von »In Hearing of«, mit kantigen Brechern wie ãA Spoonfull of Bromide" (erinnert ein wenig an BUDGIE) oder das experimentelle und dennoch eingängige ãBlack Snake". Neben dem schnieken Schuber gibt es als Kaufanreiz noch drei rare Bonus-Stücke.
Der Name Steve Overland dürfte vielen von Euch bereits geläufig sein, der Engländer prägte in den Achtzigern mit seinem melodischen Organ den Sound der Band FM. Sein neues Projekt THE LADDER (mit Pete Jupp ist übrigens ein weiterer seiner alten Weggefährten dabei) setzt genau dort an, wo FM aufgehört haben. Zumindest positiv ausgedrückt. Man könnte aber auch urteilen, daß »Sacred« mit zuckersüßen AOR-Stückchen wie "Body and Soul" hoffnungslos in der Retro-Schleife hängengeblieben ist. Das muß jeder, je nach Musikgeschmack, für sich selbst entscheiden. Wer auf alte FOREIGNER oder BOSTON steht, der kann bei FM bedenkenlos zugreifen ...
WILDKARD, na, dieser Bandname läßt allerlei Anspielungen zu, die ich mir an dieser Stelle gerade noch verkneifen kann. An »Megalomania« leiden die Jungs aber nicht, sondern legen einen Sinn von Humor an den Tag, den man in dieser Stilrichtung eher selten antrifft. Die insgesamt zehn Stücke bieten flotten AOR, der zwar mit Keyboardteppichen unterlegt ist, aber durch das kernige Organ von Sänger Nick Workman nie zu sehr in die schmalzige Richtung abdriftet. Manchmal wird sogar ziemlich aufgedreht, wie bei "Falling down", das mir sehr gut gefällt. Aber auch Einflüsse wie SAGA sind hier und da zu spüren. Insgesamt eine durchaus interessante Mischung.
So ein Mist, den Player aufgerissen, da muß doch jemand die CD's vertauscht haben. Nicht? Komisch! Wenn man so das Cover der CD »Poetic Justice« von TRAGIK betrachtet, denkt man unwillkürlich, daß man es mit einer Gothic-Kapelle zu tun hat. Weit gefehlt - die Jungs wollten uns nur einen kleinen Streich spielen. Ob sie sich selbst mit dem Bandnamen und dem Cover einen Gefallen getan haben, was den Absatz der Scheibe angeht, das müssen sie ja selbst wissen. Sind ja schließlich alt genug. Geboten wird jedenfalls 15 Mal wirklich packender Classic Rock irgendwo zwischen DEEP PURPLE, BOSTON und SAMMY HANGAR, der stellenweise wirklich hitverdächtig ist ("Never stand alone"). Der Härtegrad ist immer ausreichend vorhanden, so daß die Mannen um Phil Vincent niemals in allzu seichte AOR-Fahrwasser geraten ...
LANE kommen aus dem hessischen Raum und legen mit »Diced« ihren eigenproduzierten Zweitling vor, der international absolut konkurrenzfähig ausgefallen ist. Will sagen, ein Label wie z.B. Frontiers Records hätte mit LANE eine echte Perle am Start, wären sie auf die Band aufmerksam geworden ... aber was nicht ist, kann ja noch werden! Vom hitverdächtigen Opener "Nighttalk" bis zum Rausschmeißer, ähmm, wieder "Nighttalk" (diesmal in einer Piano-Version) bieten LANE melodischen Hardrock an der Grenze zum AOR-Sound. Die Refrains wirken niemals aufgesetzt und die durchaus harte Produktion sorgt für ausreichend Heavyness. Mindestens eine Klasse besser als alles, was in den 80ern von BONFIRE oder PINK CREAM 69 kam ...
Na, wenn das keine Überraschung ist, die christlichen Rocker MASS sind zurückgekommen. 1980 in Boston gegründet, waren sie sozusagen Vorreiter der Mittachtziger White-Metal-Bewegung, die Acts wie STRYPER oder BARREN CROSS inspiriert hat. MASS gingen seit jeher wesentlcih rockiger zur Sache als eben genannte Bands, als Resultat ist auch das Comebakc-Album »Crack at Dawn« hart an der Grenze zum Schmalz angesiedelt. Hier und da bekommen MASS noch die Kurve, dann klingen ihre Songs wie B-Material von WHITESANKE's »1987«-Scheibe, aber manchmal übertreibt man die Tränendrüsigkeit auch, driftet zu sehr ins Balladeske ab und flirtet mit Saxonphon- sowie Bläseriensätzen. Eine sehr zwiespältige Veröffentlichung, die nur beinharte AOR-Jünger vollständig zufriedenstellen wird ...
NOBODY'S BUSINESS war eine 70's Supergroup, bestehend aus Mitgliedern von damals so angesagten Acts wie FOGHAT, PROCAL HARUM, SAVOY BROWN und SNAFU). Das ursprüngliche Album »Nobody's Business« erschien 1978 als Vinyl und ist heute längst eine gesuchte Rarität. Zusammen mit sechs Videoclips auf DVD sind die 13 Songs jetzt über Angel Air erstmalig auf CD erschienen. Musikalisch wird typischer Spät-70er Hardrock mit leichtem Southern-Rock-Feeling geboten. Alles sehr hart und gitarrenlasting, FRANK MARINO meets GILLAN könnte man sagen ... sieht man von den für damalige Verhältnisse fast obligatorischen Ausflügen ins Funky-Land ("Tell me you love me") ab ...
Au wei, schon wieder eine neue CD von VIVIAN aus der Schweiz. Und noch immer kann ich die Jungs, die wie eine ungezogene Version von TOKIO HOTEL aussehen, nicht im geringsten einschätzen. Sie transzendieren auch auf »Viviansim« wieder sämtliche Schubladen. Mal klingt's nach Britpop, dann wieder nach U2, hier und da kracht eine Gitarre und die SCORPIONS kommen einem in den Sinn. Dann wird's wieder schräg, Indie,- Emo-Core-mäßig. Ich denke, so etwas nennt man eigenen Stil, denn irgendwie klingt alles organsich und nicht zusammengestückelt ...
REO SPEEDWAGGON waren in den 70ern mal eine wirklich große AOR-Nummer und hatten sogar einige wirklich schöne Hits am Start: etwa "Take it on the Run" oder das krachige "Ridin' the Storem out" (die beide hier als Bonusstücke in recht überflüssigen Akustikversionen vertreten sind). Nun, Rocken können sie immer noch wie damals, nur leider hat der Markt kaum noch Platz gelassen für bluesbeeinflußte Pop-Rock-Hymnen wie "Smilin' in the End" oder "Find your Way home". Handwerklich allererste Sahne, aber natürlich schwerst anachronistisch und deswegen dürfte »Find your Way home« auch nur einen sehr eingeschränkten Fankreis ansprechen ...
Na, in Balingen findet doch jetzt bereits jahrelang das Festival "Bang your Head" statt, es wäre gelacht, wenn aus diesem Nest nicht auch eine musikalisch ähnlich gelagerte Band kommen würde. Entry HUMAN ZOO, die mit »Over the Horizon« ihren Zweitling vorlegen, der ganz im Zeichen melodischer deutscher Hardrock-Acts wie BONFIRE oder PINK CREAM 69 agiert. Sehr eingängig, tanzbar und stellenweise leider auch ein wenig schmalzig, mit den dazugehörigen Songtiteln wie "Rock your Town", "Lovin' you" oder "Cryin'" ...
Ha, Tommy Heart, ein alter bekannter aus der kleinen West-Berliner prä-Wiedervereiniguns-Rockszene. HEARTLINE nannte sich seine eigene Truppe, ehe er als Sänger zum S.A.D.O.-Follow-up-Projekt V2 wechselte. Nach weiteren Abstechern etwa zu den deutschen FAIR WANRING ist er jetzt bei SOUL DOCTOR gelandet. Seiner Linie ist er dabei immer absolut treu geblieben, auch auf »Blood runs cold« wird melodischer Hardrock geboten, diesmal allerdings mit leichter Blues-Kante, WHITESNAKE meets WHITE LION in etwa, mit einem Feeling für nette Singlalongs.
PAUL SABU, die amerikanische Legende des melodischen Hardrocks, ist auch nicht totzukriegen, bereits seit den frühen Achtzigern treibt der Sänger solo und im Bandrahmen sein Unwesen. Dementsprechend ausgereift klingt die neue Scheibe »Strange Messiah« dann auch. Wie weggeblasen sind die Poser-Einflüße, Sabu klingt heute besser denn je, Nummern wie "Dangerous Behaviour" verfügen über eine großes Pfund an Blues. Eine echte gute Scheibe, die mit Titeln wie "Headbangers" ja nun auch wirklich nicht verlieren kann ...
»Voices of Rock« ist eine nette Idee, nicht nur für Melodic-Rock-Hörer! Eine musikalische Backing Band um die Ex-BONFIRE-Mitglieder Chris Lausmann und Angel Schleifer hat zehn mehr oder minder bekannte aktuelle Rocksänger zuzsammengetrommelt, die jeweils eine Nummer einträllern. Musikalisch bewegt sich alles im Bereich des Melodic Rock, ohne allzu sehr in Popgefilde abzudriften. Über den Standard von schlechten LEPPARD-Songs kommt man indes kaum hinaus. Mit Jean Beauvoir, Steve Overland (FM) oder Dan Reed ist zumeist die zweite Garde an Sängern am Start, Gewinner ist ganz klar der gute alte Gary Barden mit "Love is blind".
Mit seiner Mitwirkung bei MSG, STATETROOPER und PRAYING MANTIS hat Gary Barden bewiesen, daß er zu den besten Hardrock-Sängern überhaupt zählt. Mit »Love & War« legt GARY JOHN BARDEN jetzt bereits die dritte Solo-CD vor, bei der er auf neues, eigenes Songmaterial baut ("The last Samurai" ist nicht zu verwechseln mit "Samurai" von MSG's »Assault Attack«). Und das ist eben leider nicht so stark, wie das der vorher genannten Bands. "Creatures of the Night" erinnern nicht nur wegen des Titels ein wenig an schlechte KISS, "Unchain me" ist belangloser Hardrock, "You" ist poppiger AOR, "When the Lovin' dies" tritt ebenfalls auf der Stelle. Stimmlich ist der Mann voll auf der Höhe, aber sein Mitstreiter Michael Voss ist eben kein Michael Schenker ...
Die recht kurzlebige Renaissance des Classic Rock ist mittlerweile auch bereits wieder Geschichte, so daß eine Band wie MAGNUM, die Anfang bis Mitte der Achtziger riesige Erfolge feiern konnte, in Zeiten von Nu- und Black-Metal-Gebrüll nicht unhipper sein könnte. Das ändert indes nichts an der Tatsache, daß das mittlerweile 13. Alben der Briten an ihr Meisterwerk »On a Storyteller's Night« von 1985 anknüpft, melodiöser Hardrock der allerersten Güteklasse, ausgestattet mit einem famosen Coverartwork von Rodney Matthews. MAGNUM laufen auf »Princess Alice and the broken Arrow« nach langer Zeit wieder zu absoluter Höchstform auf und präsentieren ein durch und durch stimmiges Album mit leichten N.W.O.B.H.M.-Anleihen, das entfernt an die letzten Werke von PRAYING MANTIS erinnert.
Fragt mich nicht warum, aber als ich den Namen DAMAGE CONTROL zum ersten Mal hörte, dachte ich unwillkürlich an ein weiteres unsinniges PANTERA-Sideproject. Nun gut, weiter von der Realität hätte ich sicherlich nicht entfernt sein können, handelt es sich doch um eine britisches All-Star-Projekt von Pete Way, Ex-AC/DC-Drummer Chris Slade, dem DIAMOND-HEAD-Recken Robin George sowie Spike von den QUIREBOYS. Ich kann es kaum noch erwarten, diese Jungs live zu sehen. Das soll tatsächlich noch in diesem Jahr passieren, zur Zeit müssen sich die Fans indes noch mit den zwölf Songs des selbstbetitelten Debüt-Albums begnügen. Geboten wird erwartungsgemäß britischer Hardrock der Spitzenklasse, mit massivem AC/DC-Feel und teilweise starkem Blues-Einschlag (ãBitching Blues"). Besser geht es kaum, lediglich das von der Bandbreite doch relativ eingeschränkte Organ von Spike verursacht Abzüge in der B-Note, besser als Brian Johnson ist der gute Mann indes allemal. Eine famose Scheibe É
Nun, der gute John McCoy pflegt eine recht innige Beziehung zum englischen Label Angel Air Records, was zur Folge hatte, daß überproportional viele Releases von SAMSON, MC COY und angeschlossenen Acts dort erschienen. Zum Teil mit erbärmlicher Qualität. Auch von MAMMOTH, bekanntlich die Band von John McCoy am Baß, Nicky Moore an den Vocals und Kenny Kox, Ex-MORE, an der Gitarre, gibt es mit »XXL« bereits eine CD auf Angel Air. Dabei hätte man es auch belassen sollen, denn »Leftovers, Relics & Rarities« ist genau das, was der Titel andeutet. Eine Sammlung von Obskuritäten, die bei Bands wie SAXON oder IRON MAIDEN sicherlich Sinn macht, bei MAMMOTH aber absolut überflüssig ist. Lieber John McCoy, lasse Dein Archiv bitte in Frieden ruhen und wende Dich stattdessen lieber aktuellen Projekten zu ...
Oh, die ollen Poser von WHITE WOLF sind auch wieder aus der Versenkung aufgetaucht, seit 1987 war bei den Kanadiern Funkstille, ehe mit »Victim of the Spotlight« jetzt ein neues Studioalbum vorliegt, das überraschenderweise richtig gut geworden ist. Gleich der Opener und Titelsong weist die Richtung: Tighter uptempo-Hardrock, der mich ein wenig an RAINBOW zu Zeiten von »Difficult to cure« erinnert. Stimmlich ist Bandkopf Don Wolf zudem voll auf der Höhe, so daß die zwölf Songs insgesamt ein echter Genuß sind. Eine wirkliche Überraschung!
Den älteren Lesern unter Euch wird der Name Rik Emmett sicherlich etwas sagen, ist er doch der Mastermind hinter der kanadischen Hardrock-Legende TRIUMPH, die in den 80ern tierisch angesagt waren. Mit AIRTIME hat er jetzt ein neues Projekt am Start und natürlich werden alle wissen wollen, ob und welche Anknüpfungspunkte es an TRIUMPH gibt. Nun, gleich der Opener "Edge of your Mind" hat es in sich, klassischer TRIUMPH-Stoff, eingängig und genau auf den Punkt. Doch diesee hohe Standard wird nicht immer gehalten, manchmal wird es ein wenig moderner und gesichtsloser (siehe etwa "Midnight black"). Für TRIUMPH-Fans sollte »Liberty Manifesto« aber dennoch ein Muß sein ...
Die Niederländer VENGEANCE waren in den mittleren 80ern richtig angesagt und hatten sogar einen Deal mit der CBS in der Tasche. "Arabia" ist ein Ausnahmesong, ihr "Stairway to Heaven". Seit einiger Zeit sind VENGEANCE auch wieder live zu gange. Ich habe sie auf dem Headangers Open Air gesehen und mußte leider konstatieren, daß ihr komerzieller Hardrock ebenso wie die bunten Tücher sehr gealtert ist und alles andere als zeitgemäß wirkt. Davon kann man sich auch auf der CD »Same/Same ... but different« überzeugen, komplett mit beigemsichtem Publikum ...
Mindestens zwei Klassen besser sind da schon EMPIRE, die mit »Chasing Shadows« eine CD vorlegen, nach der sich DIO alle zehn Finger lecken würde ... Klassischer britisch geprägter Hardrock irgendwo zwischen RAINBOW, WHITESNAKE und BLACK SABBATH angesiedelt. Kein Wunder, bei der hochklassigen Besetzung von Doogie White (Ex-RAINBOW), Neil Murray (Ex-WHITESNAKE), Mike Terrana (MASTERPLAN) und Rolf Munkes.
Etwas für absolute Fans ist »Live in Australia« von GLENN HUGHES, handelt es sich doch um eine reine Akustik-Show. Glenn zeigt bei Nummern wie "Coast to Coast" oder "I found a Woman", daß er immer noch fantastisch bei Stimme ist. Seine Roots kommen auch nicht zu kurz, siehe die Coverversionen von "Nights in white Satin", "A whiter Shade of Pale" oder das ursprünglich von David Covcerdale gesungene "Mistreated". Sehr formidabel!
Parallel zu seinem Buch »Blood on the Highway« veröffentlicht der URIAH-HEEP-Recke Ken Hensley eine Solo-CD, oder umgekehrt, wie man will, vielleicht flankiert das Buch auch die CD. Wie dem auch sei, die 14 Songs bieten super starken Hardrock, der kein bißchen antiquiert klingt. Die Plattenfirma hat sich dabei auch mächtig ins Zeug gelegt, geben sich doch namhafte Gastsänger wie Jorn Lande, John Lawton, Eve Gallagher und sogar Glenn Hughe das Mikro gegenseitig in die Hand. Nicht nur deswegen eine fantastische Platte ... auch das Songwriting von Hensley ist allererste Sahne ...
Zusammenstellung: Matthias Mader
Deutscher harter Rock... ONKELZ fällt einem da ein. Ja, aber in den '90ern gab es massenweise andere Bands, die sich deutlich rockiger oder deutlich punkiger oder deutlich metallischer präsentierten. SCHWEISSER, RICHTHOFEN, KALSHNIKOV, FLEISCHMANN, DIE ALLERGIE... Deren Zeit ist zumeist abgelaufen. Schneller, früher als die der großen Überstrahler. Nun, manchmal aber offensichtlich nicht. 1996 erschien »Kreuzzug der Gefühle« War sicherlich kein absoluter Überknaller, doch blieb mir FAHRENHEIT 212 samt Album in Erinnerung. War solides Handwerk und paßte recht gut in die damalige Neue Deutsche Härte-Welle. Doch weiter trat die Band nicht in Erscheinung. Bis jetzt. Man ist wieder da und hat auch ein neues Album im Gepäck: »Neues vom Hexer«. Dies kommt als Doppel-CD. Eine ist das aktuelle Album und weil es so schön ist, zu glauben, daß eine Band in über zehn Jahren Abstinenz mehr als eine Scheiblette voll kriegt, steckt noch eine zweite drinne. Die präsentiert aber nicht weiteres neues oder auch älteres, ungehörtes Material. Der Bonus besteht aus Instrumentalversionen, die teilweise von anderen Leuten arrangiert wurden. Okay, geht durch, da es nicht irgendwelchen jämmerlichen Uffta-Uffta-Remixe sind. Zwei sind klassische Adaptionen und bieten somit eine völlig andere Sichtweise. Ist nach METALLICA auch nicht mehr innovativ, doch gelungen allemal. Die instrumentalen Variationen haben auch eigene Titel erhalten und zeigen somit deutlich, daß es mehr sein soll, als eine simple, billige Verdoppelung. Das ganze erscheint im Digipack und mit einem Gimmick-Booklet. Hey, ich kann Euch sicherlich verraten, was der Trick daran ist, aber irgendwas müßt Ihr ja auch als Überraschung haben. Ist auf alle Fälle 'ne saucoole Idee! Und musikalisch? Naja, die anfängliche ONKELZ-Nennung erfolgte nicht ganz zufällig. FAHRENHEIT 212 bewegen sich im härteren Rockbereich und weichen von dieser Linie nur selten ab. Gute Scheibe, wie auch der Vorläufer. Und wie der, auch wieder kein Überknaller, eher solide. Mir heutzutage ein wenig zu unspektakulär. Aber es gibt ja noch die Bonus-CD...
Natascia hat ja eine nette Stimme. Doch mehr fällt mir beim besten Willen nicht zu ILID und deren EP »The Shadow over Arkham« ein. Zumal man sich selbst im Melodic Rock sieht. Was ist das? Teilweise hat ILID richtig Biss und Drive, da paßt aber Natascias Organ nicht unbedingt zu. Dann säuselt man ziemlich softig vor sich her oder geht elaborierter zu Werke. Das zeigt emotionale Umsetzetzung. Doch was soll es, wenn es nicht optimal zum Gesang paßt oder der nicht zur Musik? Richtig fesselnd oder ansprechend ist es meist nur in einzelnen Teilen. Hier hätte man wesentlich dicker auftragen können, um mehr Tiefe zu schaffen.
Eindeutig zu dick ist »Aphelia« von SCREAM SILENCE. aufgetragen Zwar teilweise traurig schöner Dark Rock, doch teilweise eben komplett schwülstig. Das zieht einem die Socken hoch. Für meine Begriffe zu sehr in den 80ies Grufti Pop geschaut. Und teilweise wohl nicht nur geschaut... Ich meine zumindest auch eine Coverversion rauszuhören. Ein Song, den ich abgrundtief samt dazugehöriger Band/Musiker gehaßt habe. Auch wenn man heutzutage vieles nicht mehr so eng wie früher sieht, irgendwo gibt es noch Grenzen! Und Warmduscher Pop war früher scheiße und ist es auch heute noch. Und dabei hat es SCREAM SILENCE gar nicht nötig, in die Tiefen des Trivialen hinabzusteigen, da das Album durchaus ein paar gute, "erwachsene" Ideen zeigt.
Von FRANK ZANDER gibt es die beiden ersten Alben nun als Doppel-CD imaufwendig gestalteten Digipack. Wer nun mit Fragezeichen in den Augen diese Zeilen liest, hat keine Ahnung! FRANK ZANDER und die Platten »Wahnsinn« sowie »Zander's Zorn« sind einfach kultig. Nun mag sich der ein oder andere sagen, schön und gut, nur was hat das mit Rock, geschweige denn Hardrock oder gar Metal zu tun? Ganz einfach, Zander ist nicht nur bekennender HR-Fan sondern wenn man sich Songs wie "Nick-Nack-Man", "Der Ur-Ur-Enkel von Frankenstein", "King Kong", "Wuh Duh Zeit" oder auch "Kung Fu Driving" anhört, stellt man fest, daß die Dinger genau diesen Einfluß zeigen. Das Frank aber darüberhinaus auch mit Anleihen bei Disco, Schlager oder sonstwas hausieren ging, ist natürlich dem Gesamtkonzept geschuldet. Die Ulknudel aus Berlin hat ganz einfach den Comedy Rock erfunden, damit viel Erfolg gehabt und Quasi erst Bands wie J.B.O ermöglicht - oder die Ausflüge von Comedians in die Musik. Sein Humor war zudem tiefschwarz britisch. Und das paßt zu Rock wesentlich besser als irgendwelcher dümmliche Volksmusik-"Ich bin lustig"-Quatsch. Schon allein die abgedrehten Intermezzos auf den Platten, die Kurzgeschichten/Sketche... Songtitel wie "Dann Prost, mein Freund" Otto, der nun im Grab liegt und sein Kumpel sitzt davor und jammert, daß sie doch zusammen gehen wollten und er jetzt alleine weitersaufen müsse... Dazu hatte Frank es aber nicht nur mit Einbrecher-Witzen und Totengräbersongs (inkl. Outfit oder auch eine gevatter Tod-Totengräber-Adaption die jeden Gothic-Fan begeistern müßte, wenn man sein schelmisches Grinsen dabei streichen würde), er hatte auch eine Vorliebe für alles was knallt. Sketche enden in einer Explosionswand genau wie einige Songs. Irgendwie heißt es aber, daß es die kompletten Alben mit jeweils Bonuszeug wären, die auf dieser doppel-CD dargeboten werden. Ich habe da aber ein, zwei Intermezzos im Gedächtnis, die ich hier nichtfinde. Z.B. das Ding mit dem Knack und dem freundlichen Polizisten, der das Tatfahrzeug hilft, anzuschieben... kann ich beim besten Willen auf keiner der beiden CDs entdecken. Vielleicht war der doch auf einer folgenden?
AUTOMAG warten mit METALLICA-Gesang auf. Das hat eigentlich immer schon was von "wörg, gleich Minuspunkt". Wundersamerweise stört es mich auf »Hellbound« aber nicht im geringsten. Über weite Strecken knallt die Scheibe nämlich schön. Und das ist das Wichtigste. Power und Drive bis zum Abwinken. Nun ja, fast. Der ein oder andere Ausfall muß leider überstanden werden. Dreckiger Rock mit den Höhepunkten "Dead Man walking" und "Hardcharger". Kann ich nur sagen, mehr davon!
Genau das Gegenteil kann ich eigentlich von »I'm back« behaupten. HERMAN RAREBELL haut nach ewig langer Zeit mal wieder ein Soloalbum raus und erreicht das geniale Werk von Anfang der '80er nicht einmal ansatzweise. Herman experimentiert mit verschiedenen Stilen, gibt sich anfänglich recht erdig hardrockig. Außerdem gibt es Leute, die der Meinung sind, ein Sax gehört nicht zum HR geschweige denn Metal. Taucht aber auf. Stört mich weniger als leichte "Gesangsübungen" in Richtung Rap. Und die Schmalzballade ist absolut der Tiefpunkt. Fürchterlich! Glücklicherweise folgen mit "Freak Show" und "Heya heya" (ein Charity-Song) gleich zwei wirklich gute Songs. Was sich Herman auch hätte sparen können, eine Neu-Interpretation vom SCORPS-Klassiker "Rock you like a Hurricane". Klingt recht merkwürdig. Danach kippt die CD komplett. Nur noch Lalala sowie der unsägliche Schmachtfetzen in einer Radio-Version. Schnell die CD raus, sonst kotz ich! Ist eindeutig zu viel als Zugeständnis. Rund die Hälfte der Songs sind okay, der Rest schwächelt. Dann lieber das erste Soloscheibchen ausbuddeln und Herman in Hochform erleben.
Die italienischen OVEROCK gefallen mir eigentlich ganz gut mit ihrer »Warp it«-CD. Dabei verstehen sie es, moderne Rockmusik zu gestalten, die ein bißchen hier, ein bißchen dort aus modernen Strömungen entlehnt und ebenfalls die ein oder andere vergangene Mode einfließen läßt. Das klingt nicht aufdringlich gecrossovert, sondern ergibt ein stimmiges Bild. Ab und an wird es mir ein wenig zu softig. Prinzipiell bewegen sie sich aber schon auf einer agreesiveren Schiene mit viel Drive, die teilweise durch verquere Melodieläufe schön psychedelisch wirkt.
Richtig cool sind die schweizer TUMBLIN DICE. »Freeride« bietet eine volle Rock-Abfahrt. Die Jungs samt Sängerin driven über fast die gesamte CD ziemlich herum. Das kickt voll. Die Songs sind zumeist recht locker runtergerotzt und selbst wenn es eigentlich wohl etwas besinnlicher sein sollte, drückt es noch die rauhe Seite raus. Müssen Live gut abgehen!
Die italienischen SENSAZIONE singen in Heimatsprache. Ihre CD »Anche i pesci hanno sete« ist teilweise nicht schlecht. Irgendwo moderne Rockmusik. Irgendwo kommt aus das Herz nicht zu kurz und eine gewisse Aggressivität ist auch vorhanden. Dennoch werde ich mit dem Zeug nicht richtig warm. Das ganze klingt auch ein wenig distanziert, fast schon kühl. Moderne Ingredienzien als Ausdruck, Spiegel der Seele im ständigen Wechsel der Gefühle. Zur CD gibt's auch noch 'ne Bonus-DVD mit einer 2006er Show.
Nun nach Kroatien. HARD TIME treiben dort ihr Unwesen seit 1991. Aus irgendwelchen Gründen sind sie die erfolgreichste band von dort, waren mehrfach in Frankreich und sind sogar zum Wacken geladen worden. Ihre Alben und Singles notieren in den heimischen Charts und selbst Fender hat sie entdeckt. Und als es noch "Headbanger's Ball" auf MTV gab, lief dort auch mal ein Video von ihnen. Die Single »Budi to sto jesi« wurde von Jackie und Harley mitgesponsert... Das zeigt, in welche Richtung die Band geht. Natürlich war man auf diversen Bikertreffen. Natürlich spielt man Hard Rock, der sich ziemlich amerikanisch anhört. Dabei mal ein bißchen härter, mal besinnlicher. Während die erste Scheibe nur in Englisch veröffentlicht wurde, parlierte man danach in heimischer Mundart, mit alternativen Einspielungen in Englisch für den Markt außerhalb des ehemaligen Jugoslawien. Dennoch gibt es bisher nur 3 Alben und eine Best Of. Ob vorliegende CD nun eine Nur-Promo ist oder eine Best of für den internationalen Markt, steht nicht geschrieben. Das letzte Album ist jedenfalls von 2005. Und das Cover der Promo ist ein altes Sinmgle-Cover...
Neue Scheibe, neues Glück. 4LYNN sind Vertragsmäßig umgezogen und legen auf dem neuen Label nun »Hello« vor. Tja, was soll man sagen? Rockt! Den Erfolg, den die Jungs sich die letzten Jahre aufgebaut haben, unterstreichen sie mit diesem Werk. Eine relative Spannbreite an Songmaterial, gut ausgeklügelt und top in Szene gesetzt. Dabei spielt man mit verschiedenen modernen Strömungen, gleitet nie in Anbiederungen um der Anbiederung willen ab und kann immer genügend Grundhärte aufweisen.
Also aufwendig ist »On letting go« ja verpackt. Das Booklet ist recht tricky, auch wenn sich mir der Sinn entzieht, da man aus der Idee meiner meinung nach hätte mehr machen können. Musikalisch sind CIRCA SURVIVE dann ebenfalls nicht schlecht. Klingen rockig, leicht modern und ganz vage Progressive. In der Mischung schon ziemlich gut, um nicht dem ein oder anderen zu viel zuzumuten und abzuschrecken. Anthony verfügt zudem über ein recht passables Organ, welches sehr gut die musikalische tendenz widerspiegelt. Für mich der einzige Schwachpunkt, daß die Band einen Tick zu soft agiert...
Ordentlicher Dirty Rock, da fällt dann immer Skandinavien... Die Supermachstellung unterstreicht dann auch der Erfolg der HARDCORE SUPERTSTARs. Und deren neues Album liegt mit »Dreamin' in Casket« vor. Nun ja, richtig aufgeregt war ich nicht aber eine besondere Erwartungshaltung hatte ich schon. Und die kann man mit dem Longplayer nicht erfüllen. Nach ein paar Durchläufen gehe ich dann doch dazu über, die Scheibe als brauchbar einzutüten. Beim ersten date fuhr mir eher "ab in den Kontainer" durch den Kopf. Irgendwie zündet das Teil nicht richtig. Und das, obwohl massig kleine Hymnen drauf sind, die das zeug haben, sich unwiederbringlich in den Schädel zu fressen. Aber irgendwie machen Drive und Melodien nicht wirklich den richtigen Knaller aus. Da fehlen einfach die mitreißenden Riffs, die die ganze Sache wirkjlich griffig machen. Dennoch, schöne Scheibe zum mitwippen und Gasgeben auf der Autobahn...
Moderner Rock, der in den angesagten Stilistiken der letzten Jahre plündert, das sind SON aus Soest. Man kann Nu hören, Alternative, Emo, Melo... 'ne wirklich fette Rockkante gibt's aber selten. Und wenn auf einer CD wie »A granular Scan« relativ selten was passiert und der Rest ziemlich nach Schema-F des neumodischen Musikbaukastens klingt, ist es bei mir falsch aufgehoben. "Untitled" ist mein Fave. Und genau von dieser Machart gibt es eben zu wenig.
Zusammenstellung: Otger Jeske
Ui ui ui. Ich brauchte so einige Player-Runden, bis ich mir eine Meinung zu NEIL LEYTON und deren Werk ãThe betrayel of the self" habe bilden können. Ich bin zwar eher im Metal zu Hause, kann aber dem rockigen Werk von NEIL LEYTON auch einiges abgewinnen. Im Stil der Sechziger bzw. Siebziger rocken die anachronistisch klingenden sechs Jungs recht unbeschwert, mal bluesig, mal straight rockend, mal eher melancholisch drauf los, wobei putzigerweise eine sanfte Britpop Note im Gesamtsound auszumachen ist, der NEIL LEYTON doch wieder irgendwie modern klingen lässt, auch wenn die Roots ganz sicherlich irgendwo bei den STONES oder den BEATLES zu suchen sind. Wer erschreckt aufblickt oder zur nächsten CD Kritik überspringt, dem sei gesagt, dass ja letztlich Bands wie die HELLACOPTERS, THE FLAMING SIDEBURNS und DANKO JONES ebenfalls ähnliche Roots und Einflüsse haben und die sind in unserer Szene ja zweifellos ebenso angesagt. Alles in allem zwar nicht so rotzig wie eben genannte Bands, dafür aber immer noch mit Drive und Hingabe gespielter Rock´n´Roll bzw. Hard Rock, der in einem schönen Pappschuber ausgeliefert wird und auch optisch mehr als ansprechend gestaltet wurde. Der recht hohe Gesang ist mir zwar stellenweise etwas zu dünn bzw. kläglich, stilistisch passts aber zum Rest der Platte, so dass hier ein von mir klar subjektiv beurteilter Fall vorliegt, den man anchecken und durchaus mögen oder auch von vornherein vergessen kann, weil man auf solchen Rock-Baustellen für gewöhnlich nicht zu Hause ist.
Nachdem mir EL CACO vor zwei Jahren mit »The search« angenehm die Ohren spülten, hatte ich die Band aufgrund mangelnder Promotion (?) oder nicht wahrgenommener Touren recht schnell wieder völlig vergessen. Nun kommt »From dirt« recht überraschend als neues Lebenszeichen auf uns zu, was mich aber deutlich kälter als sein Vorgänger lässt. Nach wie vor schaffen es die Herren, MTV-kompatiblen Modern Rock mit Metalschlagseite zu spielen, der viele nach Wüstenrock klingende Riffs enthält, im großen und ganzen aber eher aufgewärmt, statt wirklich aufregend frisch oder innovativ klingt. Die Norweger, die in der Vergangenheit immerhin den ein oder anderen Medienpreis abräumen konnten und sogar die Charts enterten, werden es schwer haben, sich mit diesem recht gewöhnlich und austauschbar klingenden Sound durchsetzen zu können, was zum einen an dem in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegenen internationelen Produktionsniveau liegt, dass die Burschen mit dieser platten Produktion nicht halten können, und zum anderen am Zeitgeist, der bei allem Alternative-, Rock- und Independent-Einfluss, den die Rocker ja haben, doch momentan etwas vorbei geht, was ja prinzipiell nichts schlechtes hinsichtlich Mucke bedeuten muss. Was die Norweger allerdings mit einem unterirdisch lausigen und nervösen Track wie "Crash & burn" abreißen, klingt einfach hässlich halbgar, polternd und unüberlegt. Auch das Riff zu "Shadows of undone" klingt wie bereits tausend Mal gehört und verursacht bei mir eher Schmerzen vom Gähnen als vom Bangen, wobei sich diese Liste endlos weiterführen ließe. Der meist cleane bis rockige Gesang ist mir ne Ecke zu nervös und durcheinander, da fehlt mir schlicht der Fluss und das Gefühl. Alles in allem zu viel Gestolpere, sorry.
Ach du liebe Zeit, was habe ich die CD Kritik zu DRAGONLAND und "Astronomy" vor mir hergeschobenÉ Zunächst war das kitschige Cover daran Schuld, dass ich den Schweden kein Gehör schenken wollte. Nach dem recht langen Introgedudel und dem einsetzenden Melodic Hard Rock- bzw. Power Metal-Gefrickel landete das Teil schnell wieder auf dem Abstellgleis. Heute sollte also die erneute Mußestunde gekommen sein, mich intensiv mit dem Release aus dem Hause Century Media auseinander zu setzen. Zweifellos gehen die sechs Herren recht flott zur Sache und spätestens, wenn sich Keyboards und toll gespielte Sologitarre duellieren, denke sicherlich nicht nur ich unweigerlich an CHILDREN OF BODOM, wobei dieser Vergleich völlig unzureichend ist, da vor allem die melodiösen, eher traditionellen Vocals an EUROPE und TREAT erinnern. Teilweise recht stampfig traditionell hard rockend, dann aber wieder geschwind Fahrt aufnehmend in Richtung DRAGONFORCE mit YNGWIE MALMSTEEN-Einschlag und sogar mancher Thrash-Einschlag ist den Schweden gerade recht, um den Sound aufzupeppen und die stilistische Breite zu vertiefen. Teilweise kommt weiblicher Gesang hinzu, um dem Bombastfaktor emotional zusätzlich Rechnung zu tragen. Die Produktion ist zweifellos rundum gelungen, satt, fett und angenehm basslastig und schwer drückend. Die Gitarren haben ordentlich Biss, der Bass die nötige Tiefe und die Drums fetzen ordentlich heftig drauf los. Unter dem Strich und trotz zweifellos vorhandener Anfangsschwierigkeiten ein doch irgendwie cooler, stilübergreifender Release, der sowohl Hard Rock-Freaks, als auch Fans schneller, bulliger und dennoch stets melodiöser Thrash und Power Metal-Riffs gefallen sollte. Noch mal gerettet!
Kürzlich erschien "Tears of the sun", hinter dem sich abermals Richard Anderrson von TIME REQUIEM verbirgt und mit seinem Bandprojekt SPACE ODYSSEY in die dritte Veröffentlichungsrunde geht. Zunächst fällt ohne Zweifel der überdeutliche Bezug zu DIO auf, nicht nur die Stimme von David Fremberg klingt nach Ronnies kleinem Bruder, auch die traditionellen Hard Rock-Soli zeigen deutliche Querverweise auf, die allerdings unvollständig wären, wenn nicht außerdem TREAT, EUROPE aber auch YNGWIE MALMSTEEN, RAINBOW und WHITESNAKE genannt würden, wie das Bandinfo richtig und trefflich zu erwähnen gibt. Der Schwerpunkt der Hard Rock-Songs liegt gelegentlich auf dem Keyboard, brüstet sich doch Richard zu den besten seiner Zunft zählen zu wollen. Keyboards sind immer ein kritischer Punkt, mit dem ein Album stehen und fallen kann, wenn sich jedoch der Altmeister derart geschickt mit seinem Tasteninstrument den hookverdächtigen Songs unterordnet und dennoch nicht unter einer Wall of Sound erstickt, macht das alles Sinn und die Keys sind wahrlich mehr als bloßes Beiwerk. Auch wenn "Tears of the sun" optisch nicht gerade nach zum Teil stampfendem Heavy Rock aussieht: Zu dieser Scheibe ließe es sich trefflich Motorrad fahren, am See am Lagerfeuer im Sommer feiern oder einfach nur zu schnell Auto fahren, ha ha, eine Scheibe wie geschaffen um sich fortzubewegen oder den Arsch zu bewegen. Insgesamt sehr schlüssig, anspruchsvoll gemacht und von hoher handwerklicher Kunst. Alles in allem ein tolles Album für DIO-Fans, die etwas Abwechslung brauchen.
Zusammenstellung: Dirk