Zwischen den Stühlen

Also wirklich, wo sollte man eine Mixtur BEATLES und METALLICA sonst unterbringen als in dieser Rubrik? BEATALLICA spielen auf »Sgt. HetfieldÕs Motorbreath Pub Band« BEATLES-Songs im Soundgewand von METALLICA und umgekehrt. Das hört sich aberwitzig an und führt zu kuriosen Namen wie "...and justice for all my loving", "Helvester of Skelter" oder "Blackened the U.S.S.R.". Mit MOTÖRHEAD waren sie schon auf Tour und zu ausgesprochenen Fans der kuriosen Band zählt nicht nur Lemmy himself sondern auch Mike Portnoy und Scott Ian. Und wenn man schon solch prominente Fürsprecher hat, muß es doch gut sein, oder? Wer dem Witz und dem Spaß in der Musik nicht abgeneigt ist, der kommt hier garantiert auf seine Kosten. 

Ährlisch, was soll ELTON JUNK? »Because of terrible Tiger« jongliert ein wenig mit ganz leichten Jello Biafra-mäßigen Vocals und ansonsten ist es eher der Therapieversuch aus Gummizelle 10. Schrammelrock auf niedrigstem Niveau, ohne klare Linie und psychotisch gespielt. Sind bestimmt Studenten. Nennt man das dann Intellektuellen Rock statt Indie? Ich bin definitiv zu blöde dafür!

Dat jibt Bands, nee, da schüttelt man nur unwillig die Rübe. Was bitte soll BOY HITS CAR sein? Ja, okay, ist Mucke, ist Rock, doch das war es schon. Rock, der selbst dem Altersheim um de Ecke zu öde und langweilig wäre. Rock, bei dem das Abnippeln vor lauter Langeweile noch schneller geht. Demzufolge sehe ich für »The Passage« Null Existenzberechtigung - außer eben im altersheim auf Staatskosten um Rentenbeiträge zu sparen. Ab und an paasiert mal was, wo man denkt, "oh, da lebt ja noch wer", bevor sich allgemeine Lethargie wieder breit macht. Ach ja, und das Bild im Booklet mit den wild rumhopsenden Hardcorelern auf der Bühne muß wohl 'ne andere Band sein. Ansonsten ist die CD wohl 'ne Comedynummer... Oder hat Hardcore heutzutage die neuen Väter allen Punks/Hc's enteckt - SIMON & GARFUNKEL, huach!

Zusammenstellung: Otger Jeske

 

Die Schweiz ist ein relativ kleines Land mit einem sehr überschaubaren Kanon von Hardrock-Bands: KROKUS, dann eine ganze Weile nichts, vielleicht noch GOTTHARD. SKANSIS machen sich jetzt mit ihrem Debüt »Take your Chance« daran, diesen Umstand zu ändern. Der Opener "Is that enough" soll dazu so etwas wie der Schlüssel sein. Nun ja, ebenso wie die folgenden elf Songs erinnert mich das Material an WHITE LION mit einem Gitarristen, der auf Indie-Rock steht. Nicht der klassische Hardrock-Sound, sondern eher Studenten-Rock mit Weichspüler-Vocals ... reißt mich nicht wirklich mit!

Zusammenstellung: Matthias Mader

 

THE PROVENANCE zelebrieren einen wirklich schwer zu fassenden Sound: "Red Flags", das nunmehr vierte Album der Schweden, zeigt nach wie vor alte Death Metal-Roots auf, die jedoch derart modern transponiert und verformt wurden, dass lediglich die kompositorische Gestaltung und der Spannungsaufbau der Riffs an die einstigen Taten erinnert. Mittlerweile völlig konvertiert spielen THE PROVENANCE einen debilen Bastard aus apokalyptischem Gothic Metal, Avantgarde, krachigem Doom, Post Alternative Rock und Progressive Rock, der von einer weiblichen Stimme dominiert wird, die mich hin und wieder an THE GATHERING erinnert. Ganz und gar nicht weinerlich sondern stets mit Druck und Trieb nach vorne katapultieren sich die zehn Kompositionen der Schweden bis in den letzten Winkel deines Hirns, um sich festzufressen und einige Synapsen unwiederbinglich auf die Göteborger zu eichen. Im Fahrwasser von KATATONIA und ANATHEMA angesiedelt und topmodern produziert schafft "Red flags" den Sprung in die Upper Class des Avantgarde Metal Rocks, THE PROVENANCE haben eine Scheibe hingebogen, die manisch und drückend zugleich klingt, die man immer wieder gebetsmühlenartig hervorkramen und wieder auflegen muss und das schaffen für gewöhnlich nur die allerwenigsten Bands. Grund dafür ist sicherlich der unschlagbare Einfallsreichtum der Jungs, die dermaßen viele Details verbraten, dass auch der zehnte Durchlauf ständig neue Facetten offenbart und dem Hörer klar werden lässt, dass wir es hier mit einemAlbum von höchstem Langzeitwert zu tun haben, vorausgesetzt ihr seid bereit für dieses hammerharte und extrem abwechslungsreiche Monstrum aus dem Hause Peaceville Records.. Enjoy the trip....

So was wie LAPKO hab ich in den letzten Jahren noch nicht gehört... "Scandal" ist ein positiver wie verwirrender Skandal... Die bereits 1996 gegründete Band legt ihr gerade mal zweites Album vor, das jedoch ohrenscheinlich überaus gewitzt und überlegt in die Rillen gefräst wurde. Hoch abwechslungsreicher Modern Art Metal Rock trifft auf Progressive Avantgarde, cleane und akustische Spielereien in Doom-Nähe verwachsen zur Gothic Rock-Nummer, stets übermannt von einem fast weinerlich klingenden Sänger, der sicherlich die Gemüter spalten wird. Manchmal erinnert mich Malja an GYPSY KYSS bzw. Michael Dickes, falls die noch jemand kennen sollte... Rein musikalisch betrachtet sind LAPKO ein extremst abwechslungsreiches "Brett", der Gesang jedoch schwankt bei mir zwischen grober Ablehnung und zustimmendem Gefallen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Mischung auf dem internationalen Markt zünden wird, in Finnland scheinen die drei Burschen jedenfalls dabei zu sein, die Charts im Sturm zu nehmen und ihre Landsmänner zu begeistern. Entweder entpuppt sich "Scandal" tatsächlich als next big thing oder als totaler Rohrkreppierer, woran letztlich der hohe, nicht immer ganz treffliche Gesang höchsten Anteil tragen wird. "Scandal" klingt topmodern, mal krachig scheppernd und roh, dann wieder bullig stark, progressiv im ursprünglichsten Sinne und kompromisslos, stets jedoch emotional und bei aller Härte irgendwie zerbrechlich. Von mir gibt's jedenfalls grünes Licht für einen derart mutigen wie außergewöhnlichen und in der Form noch nie gehörten Vorstoß.

Klassischer Fall von gar nicht meine Baustelle: Die ungarisch-deutschen TRANSSYLVANIANS lassen mir via geschätzter Metal Promotionagentur "Fel es egesz" zukommen. Warum diese Scheibe in Metalkreisen promotet wird, ist mir ein Rätsel: Ich versuche mal zu den Fakts zu kommen: Ungarische Folklore trifft auf Synthie-Elektropop, mittelalterliche Spielmannskunst, Teufelsgeigerei, Dadaismus, Blödsinn und tonnenweise Trash (ohne "h"). Eine Doppel CD lang halte ich das Gedudel leider nicht aus. Immerhin das witzige Coverartwork, das überhaupt nicht zur Musik passt, lässt mich länger bei bzw. mit dem Release verweilen. Für die Spitzfindigen unter Euch: Wenn Ihr Euch ein abenteuerlich und nicht gerade up to date gemischtes Kreuzüberwerk vorstellen könnt, in dem sich weiblicher Singsang mit maskulinem Geplänkel vokal und fern der deutschen Sprache duelliert, während Violinen, Orgeln, Pianos, Kontrabass, Elektromandoline und ein wenig Gitarren im Hintergrund einen wüsten Stil-Overkill von Punk, Ska, Rock und Folklore zelebrieren, dann seid ihr hier richtig aufgehoben. Ich finde das Teil jedenfalls mächtig krank und obgleich ich hin und wieder gerne dem ein oder anderen nicht-metallischen Genuss oder Avantgarde-Klängen fröhne, gehen mir die TRANSSYSLVANIANS geschmacklich einen Schritt zu weit. Objektiv fehlen mir hier als Gebretter-Spezialist zweifelsfrei die richtigen Worte, um diese Art von Musik zu beschreiben, rein subjektiv juckt mich das alles wie gesagt eben gar nicht, viel mehr rauchen mir hier die Nerven durch. Wer das braucht, bitte! Und sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!

ENSIFERUM sind zu einer festen Bank in der Metalszene geworden. "Victory songs" bietet den seit einiger Zeit schmachtenden Fans endlich neuen Stoff für Ohr und Herz. Verglichen mit der letzten Mini CD "Dragonheads" gehen die Finnen eher einen kleinen Schritt zurück zum letzten Album "Iron", ohne jedoch die mit der Mini hinzugewonnene Professionalität und den aufgezeigten Ideenreichtum einzubüßen. ENSIFERUM sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem sie selbst schon längst von unzähligen anderen Schreibern als Stilorientierung zitiert werden. Natürlich ist der einstige Bezug zu Bands wie BATHORY und weiteren Pagan- bzw. Folk Bands wie z.B. AMORPHIS weiterhin vorhanden, nur dass sie ihren death metallischen Grundsound mittlerweile derart ausgefeilt und erweitert haben, dass man trotz aller Bezüge zu BLIND GUARDIAN, RUNNING WILD und CHILDREN OF BODOM von einer ganz eigenen Melange sprechen kann und muss, da die Band ihre ureigenen und individuellen Trademarks noch intelligenter herausgearbeitet hat: Schöne, einprägsame Chöre treffen auf wunderbare Gitarrensoli, Keyboardsoli münden in bombastische Midetempoparts, pfeilschneller Power Metal duelliert sich mit truen Viking Riffs, kurzum: ENSIFERUM legen ein fettes Heavy Metal Bollwerk vor, mit dem nicht nur Power-, Death-, Viking- oder Heavy Metal-Fans warm werden dürften. Überdies haben es die Finnen geschafft, eine ausgewogene, ausgewachsene Produktion vorzuelegen, dem es mit einer Ausnahme an nichts mangelt: Die Gitarren besitzen genügend Biss und Schärfe, der Bass drückt in Verbindung mit den dicken Drums ganz hervorragend und auch die Vocals klingen rundum mitreißend. Bliebe das wohldosierte Keyboard und die zahlreichen klassischen Instrumente wie Dudelsack oder Harfe zu erwähnen, die man unauffällig, aber stets wichtige Akzente setzend in den Sound hat integrieren können. Einzig der Snaresound klingt teilweise kläglich dünn und künstlich, was bestenfalls einen Abzug in der B-Note bedeutet. Klasse Teil!

Schon wieder Augenkrebs: "Die Unglücker ruhen nicht", pflegt meine Oma für gewöhnlich zu sagen: AMPHITRYON legen ein Album mit dem äußerst einprägsamen Namen "Sumphokeras" (hab ich das jetzt nach drei Versuchen endlich richtig abgetippt?) vor. Soweit so gut. Zunächst überraschen die Drums mit einem so nie gehörten Sound, der mich verwundert die Augen rollen lässt. Die Gitarrenfraktion kennt offensichtlich MY DYING BRIDE recht gut, so dass Metaller, die auf deren Frühwerke stehen, ruhig genauer hinhören könnten. Logischerweise kommt an den entsprechenden Stellen orchestral anmutender Frauengesang hinzu, der sich mit Kollege Grunz duelliert, ganz so, wie wir das Mitte der Neunziger bereits kannten. Allerdings schaffen es AMPHITRYON orientalisch anmutende Melodien einfließen zu lassen, was sie stilistisch weit von allem Bekannten abhebt, wenn man NILE mal außen vorlässt, die stilistisch gefühlte 200 Prozent härter und fieser sind. Tribalartige Rhythmusfiguren, mal donnerndes Riffing, pumpende Bässe, dann aber wieder orchestraler, nervenzerfetzender Schmalz: Die Band versucht sich redlich, ihren Stil möglichst abwechslungsreich zu halten und nicht nach irgendeiner Kopie zu klingen. Die eigens dafür aufgemachte Stilkiste Liturgical Metal war mir bisher jedenfalls völlig neu. Gefallen muss mir die immerhin recht avantgardistische, innovative Mischung dennoch nicht, da mir die Tracks zeitweise einfach zu überladen, mal zu profan und stumpf, dann aber wieder zu bekannt klingen. Vielleicht könnten auch THERION-Fans warm werden mit dieser Scheibe, ich jedenfalls lasse "Sumphokeras" erstmal links liegen. Zuviel von allem und nichts.

Uh, nicht schlecht: Attestierte ich INSENSE auf dem Vorgängeralbum noch zu viel Metalcore- und Trendnähe, haben sich meine Bedenken mit dem neuen Album "The silent epidemic" aufgrund massiv gesteigerter Individualität nun in Luft aufgelöst. Die Skandinavier haben trotz Daniel Bergstand an den Reglern einen massiv schweren Release vorgelegt, der in allen Belangen überzeugen kann, weil er massiv kracht, donnert und drückt, endlich mal richtig gemacht Mister Bergstrand! Die im Bandinfo erwähnten Bezüge zu STRAPPING YOUNG LAD und MESHUGGAH kann man aus technischer Sicht durchaus stehen lassen, vermögen es doch auch INSENSE, thrashige Härte mit wahnwitzigen Riff- und Frickelmonstern in Death Metal- und HC-Nähe zu einer Wall of Sound verschmelzen zu lassen, die einen Großteil der Mit-Musikerschar mit sperrangelweiten Mündern zurücklassen dürfte. Nach wie vor bringen die Nordlichter modernen Thrash der Sorte HATESPHERE ein, vermischen diesen Ansatz aber geschickt mit metalcoriger Catchiness in Form von dicken Breakdowns, die groovig schwer jegliches Blut in die Beine drücken. Vor allem gesanglich haben sich die Burschen erheblich steigern können. Völlig selbstverständlich hauen uns INSENSE bulliges Thrashbrüllen, HC-artigen Bullenklötengesang und emokantige, cleane Finesse um die Ohren, ohne dass die Vocals damit zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen würden. "The silent epidemic" ist nicht nur aufgrund der stilistischen Offenheit, seiner Vielfalt und der markanten Produktion ein echter Glücksgriff: Er zeigt, wie man trotz eher neumodischerer Ausrichtung, die ohne auch hier hörbare Emoanflüge verkaufsmäßig heutzutage wohl nicht mehr auskommen kann, langfristig im Metal- und Core-Zirkus überleben kann: Kein Stillstand, Weiterentwicklung, Mut zum Aufbruch an neue Ufer und vor allem musikalisches, kompositorisches und spannungsgeladenes Songwritergeschick. INSENSE bringen diese Anlagen gleichermaßen mit und setzen einen Metalcore-Thrash-HC-Emo-Nu Metal-Experimental-Progressive Meilenstein, der möglicherweise in einigen Jahren als Grundstein der Weiterentwicklung der Metalszene angesehen werden kann, welche sich längst vom banalen Metalcore-Trend zu lösen scheint, den INSENSE geschickt überwunden haben. INSENSE sind am Zahn der Zeit und das ohne jegliche Anbiederungen. Wahnsinnig gut und innovativ!

Der Harlekin auf dem Frontcover der dänischen ILLNATH sieht witzigerweise aus wie die diabolische Version von TOKIO HOTELs Bill, was hab ich schmunzeln müssen... "Second skin of Harlequin" liefert eher rumpeligen, Keyboard-dominierten Ur-Melodic Death Metal, der insofern schräg ist, als dass sich der Sänger häufig schwer nach EISREGEN und manchmal nach zahnlosem Grunztier anhört. ILLNATH gehen recht pompös und bombastisch zu Werke, wobei trotz allem Schwulst die Melodien bei mir sehr gut, nachhaltig und flüssig reinlaufen. Sehr markant. Sieht man vom gesanglich eher bitteren Schwachpunkt ab, bekommt ihr hier eine nette Mischung aus ATROCITY, CADAVEROUS CONDITION, alten AMORPHIS, manchmal sogar METALLICA ("Sought by the fallen one"), CRADLE OF FILTH, CHILDREN OF BODOM und SCHEITAN geboten, was ich in dieser extremst eigenwilligen, abstrusen Form so auch noch nicht gehört habe. Die Mischung aus donnerndem Heavy Metal, manchem Black Metal-Gezerre und stumpfem Ur-Melodic Death Metal hat schon irgendwie Charme, obgleich ich mir aufgrund der Vorhersehbarkeit einiger Tracks das Lachen nicht immer verkneifen kann. Drücken die Jungs dann mal auf die Speedtube, klingen die Songs verdammt dünn und drucklos, woran vor allem die dann zu leisen Gitarren und die lauten Keyboards Schuld tragen. Im epischeren Midtempobereich sind die Dänen hingegen allerdings stark - Die feinen Soligitarren in Verbindung mit eher simpleren Rhythtmusgitarren machen angenehmen Druck und sorgen für Begeisterung. ILLNATH sind mit bisher bekannten Maßstäben nur schwerlich zu messen, dafür klingen die Dänen einfach zu schräg, vor allem kauzig und anders. Wie gesagt, stellenweise finde ich das richtig supergeil was ILLNATH abliefern, stellenweise aber auch einfach nur allerunterste Kanone. Muss man glaube ich gehört haben, wenn man auf oben genannte Bands steht und Individualität beim Albumkauf bei Euch an oberster Stelle steht.

Einen mächtigen Hirnfick zelebrieren die durchgeknallten MANES mit "How the world came to an end". Wüst und stilübergreifend zersäbeln sie Metal, viele elektronische Spielereien, etwas Rock, Industrial, massiven Trip Hop und synthiegeschwängerte Soundscapes zu einem groovigen, kranken Kreuzüberbastard, der nicht ohne weiteres am Stück durchzuhören, zu verstehen oder zu fassen ist. Einige Durchläufe später verdichtet sich das musikalische, misanthropische Bild, welches MANES auf ihrem neuen Album heraufbeschwören und obgleich das hier nicht der Stil ist, der mich für gewöhnlich begeisterte Sprünge machen lässt, muss ich schon alleine aufgrund der unerbitterlichen Konsequenz, mit der MANES hier zu Werke gehen, mehr als loben und herausstellen. Das hier ist Krach und Apokalypse in einem, ein schwarzer Regenguss in tiefdunkler Nacht, ein nie enden wollender Drogentrip in ungeahnte Hirnsphären. MANES sind gefährlich und vor allem nachhaltig: Während bei den vergleichbaren neueren ULVER der Fluss der Songs sowie heftigere Spannungsbögen etwas mehr im Fokus stehen, setzen MANES auf Abwechslungsreichtum und schmerzhafte, progressive Stilwechsel, die sehr beeindrucken. Die Beschreibung der Produktion erübrigt sich insofern, als dass je nach Song und Abschnitt unterschiedliche Stimmungen mit unterschiedlichen Instrumentierungen erzeugt werden und somit kein einheitliches Soundkonzept beschrieben werden kann. Mal sind die Synthies leise und angesteinflößend im Hintergrund, mal brutal im Vordergrund. Mal haben Rhythmik und die Taktmonster das Sagen, ein anderes Mal brodelt der Bass dicke Kerben ins Hirn. Das Gesamtkonzept ist überaus stimmig, krank und einzigartig und demnach für gewöhnliche Metaller mit alleräußerster Vorsicht zu genießen.

MITHRAS haben nicht mehr alle Latten am Zaun: Die beiden Herren dahinter, die sämtliche Bässe, Gitarren, Drums und Gesänge alleine eingespielt haben, liegen mit "Behind the shadows lie madness" zwischen allen denkbaren Stühlen und setzen sich dabei auch das ein oder andere Mal tief in den Sand. Poltern die Jungs brutalen Death Metal der Sorte DEICIDE (Man achte vor allem auf den Gesang) plus MORBID ANGEL-Einschlag, scheint die Welt formal in Ordnung zu sein, was sich MITHRAS allerdings mit den tantra-artigen, sich ständig wiederholenden, unglaublich nervenzerfetzenden (im negativen Sinne) Melodiebögen gedacht haben, die über den Songs thronen, ist mir ein völliges Rätsel. Irgendwie sind hier zu viele Spuren aufgenommen worden, hier hätte man mal mit dem imaginären Staubsauger übers Mischpult gehen müssen, um all den überflüssigen Mist wegzusaugen, der die im Hintergrund eigentlich angenehm wahrnehmbaren Brutal Death Meta- Granaten völlig zerstört und absolut kaputt macht. Mögen die Herren ihren Stil auch Tech Metal nennen, ich finde das lediglich unglaublichen Nerv Metal, bei dem man Tonnen an vorhandenem Potenzial durch massiv überflüssige Spielereien völlig versaut hat. MITHRAS lägen bei mir mit ihrer grundsätzlichen Mischung aus MORBID ANGEL und EXMORTEM eigentlich völlig richtig, aber immer wieder diese ultranervigen Geschraddel- und Gedudeleinlagen, die hier in den Vordergrund gezogen wurden... Nee, das macht fürchterlichen Brechreiz, "Behind the shadows lie madness" ist in der Form zu gar nichts zu gebrauchen und auch sowohl soundmäßig als auch covertechnisch völlig am Markt sowie meinem Geschmack vorbei, igitt.

Zusammenstellung: Dirk Wettlaufer