Leyendas del Rock

9.-11.8.07 Puerto de Mazarrón, Spanien

Puh, als ich im Vorfeld davon erfihr, schlug das Herz bis zum Anschlag! Was da für einen alten Spanien-Metal-Freak alles aufgefahren wurde... Tja, wenn man die glorreichen alten Zeiten nicht dazu genutzt hatte, nach dem Süden zu tingeln, muß man eben heuer versäumtes nachholen. Auch wenn ich abkotzte, weil Südspanien im Sommer... Aber so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe, war es nicht. Das Festivalgelände war ein alter Campplatz am Strand und es wehte eine beständige Brise. Letztlich war es angenehmer als wenn bei uns ähnliche Temperaturen herrschen.

Die Anreise erwies sich auch als weniger problematisch. Nur die Ankündigung Puerto ist etwas irreführend. Mazarrón gliedert sich in die Stadt, ein paar Kilometer im Lande gelegen und den Hafen, der wiederum fast eine eigene Stadt bildet. Das Festivalgelände ist aber in Playa Bolnuevo, was noch mal ein kleines Stück weiter von Puerto entfernt ist. Es schließt sich im Grunde fast an die Strandstraße von Puerto an. Vom Zentrum ist es aber ein ganzes Stück entfernt. Und genau da war Busstation. Die nächste war dann Bolnuevo, was natürlich wesentlich besser ist. Naja, sinnlos Taxigeld geopfert. Beim nächsten Mal weiß man Bescheid.

9.10.

Am Eröffnungstag ging es abends los. Sowas wie ein Warm up mit einigen lokalen Nachwuchsbands und als Headliner MEDINA AZAHARA. Letztere sind ja eigentlich nicht für den knalligen Metal bekannt, doch relativ eigenständig so daß man durchaus gespannt sein konnte. Von den lokalen Bands ENCHANTMENT (mit Sängerin, teilweise recht okay), NEVERLAND, SEALEN sowie DARK HEAVEN konnte eigentlich niemand richtig begeistern. Eröffnungsfutter eben. Zeit, sich die merkwürdigen Gepflogenheiten anzuschauen. Metal-Markt gab es in Kleinformat auf dem Gelände wie auch hier. Ein paar Tausend Besucher faßte das Gelände und gealkt wird ähnlich exzessiv wie bei uns. Nur das im Supermarkt die Pullen mit 1l recht groß ausfallen und auf dem Festivalgelände das Bier entweder in 0,2l-Bechern oder 0,75 (zu 5,-EUR) ausgeschenkt wird. Kaltes Bier aus teuren Hahn oder warmes aus dem Supermarkt? Die rüsteten später auch noch mit Eis auf, so daß man wenigstens kühlen konnte. Die Kontrollen am ersten Tag waren lax und so hieß es, unnötig Kohle ausgeben vermeiden. Außerdem saufen die Spanier da den ganzen Tag und die halbe Nacht gerne Calimocha (Cola mit Rotwein und Eis). Der Humpen kam aber ebenfalls 'n 5er. Nun ja, wenn man bedenkt, daß hier die Becher auch schon für 2,50 oder gar 3,- Ois über die Theke gehen... Bei 0,4. Mal 2 genommen. Manchmal sind's aber nur 0,3er... Trotzdem schreckt man erstmal zurück. Zumal man sich da erst Bons kaufen muß. Anstellen, Bons kaufen, anstellen, Getränke kaufen. Für Spanier kein Problem. Nur macht denen mal was klar, ohne spanisch zu können! Mit englisch haben die es da nicht so...

Und dann enterten MEDINA die Bühne und lieferten eine bombenstarke Show. Ziemlich präzise und in bester Spiellaune zeigte sich zum ersten Mal, daß das Festival langsam recht gut besucht sein mußte. Auch wenn noch die gesamte Nacht Neuankömmlinge eintrudelten. Vor der Bühne war es proppenvoll und die Stimmung ausgelassen. MEDINA haben da wohl einen ganz anderen Stellenwert als man so denken möchte...

 

10.10.

So, und dann kam der erste Tag. Von 12.30 Uhr bis 5.00 Uhr morgens... Und keine wirkliche Ruhepause. Zu allem Unglück war auch kaum schlafen möglich. Ihr wißt, was auf einem Festivalzeltplatz in der Nacht los ist! Ohrstöpsel helfen? Nicht, wenn man mit ein paar geprellten Rippen anreist und vor Schmerzen eh kaum weiß, wie man pennen soll. Und dann noch eine geschwollene Hand, beim Klettern in den Felsen hinter dem Ort zugezogen... Aber ist ja meine Schuld!

Der Opener SEXTO SENTIDO war so schnell vergessen, wie sie gespielt haben. War nix, was man sich merken mußte. Und natürlich hatten die meisten Spanier zu dieser Zeit anderes zu tun als vor der Bühne rumlungern. Z.B. faul am nahegelegenen Strand rumgammeln oder den örtlichen Supermarkt leertrinken. Als zweites stürmten KATIE KING die Bühne. Das war dann schon eher etwas, was man sich im Hinterkopf behalten sollte. Guter Metal mit teilweise hardrockigen Ausflügen, live allerdings recht kraftvoll. Klar, ab zum Merchandise-Stand und gucken, ob CDs da liegen. Gab welche. Aber die Preispolitik war dubios. Eine alte, die neue sowie eine Mini sollten zusammen 18 kosten, so stand es geschrieben. Bezahlen sollte man aber 20. Nicht mit mir! Später wurde uns dann von der Band 'ne Promo in die Flossen gequetscht. So kann man auch sparen! ACEQUIA waren als drittes dranne, bevor dann die alten ACERO auf die Bühne sollten. Ich kann mich nicht mal wirklich erinnern, was das für Zeug war! ACERO dagegen waren okay. Die waren ja schon aus der alten Garde der 80er Bands nicht gerade der Überreißer gewesen und auch live gab es jetzt nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Nett. PEDRO BOTERO streichen wir auch lieber, obwohl der ein oder andere Song ebenfalls ganz nett war. Aber wer will schon lausigen (Hard) Rock hören, wenn anschließend eine der derzeit ultimativen Bands aus Spanien spielen sollen? ZARPA! Und die ballerten dann auch gleich dermaßen einen rein, daß sie locker ihre bärenstarken Releases bestätigen konnten. Da waren 50 Minuten eindeutig sehr schnell vorbei. Ein heißer Tip für's KIT. Wenn die schon SILVER FIST spielen lassen, sollten die auch ZARPA ranlassen. Die würden auch hier für wildes Vergnügen vor der Bühne sorgen! Apropos SILVER FIST. Die kamen nach TAKO, welche mit brauchbarem HR die Zwischenzeit überbrückten. Nichts weltbewegendes aber okay. Tja, und zu SILVER FIST braucht man dann ja kaum noch was zu sagen. Die lieferten auch hier einen guten Gig ab, der von den Bangern laustark mitgefeiert wurde. Die nette Band hat offensichtlich einen leichten Stand in ihrer Heimat. Aber das war jetzt nur der Auftakt zum ultimativen 3er-Package, welches sich dann leider als nicht so ultimativ erwies. Als nächste stürmten LUJURIA die Bühne. Der Frontmann war eine metallmäßige-optische Augenweide und die Band zockte dermaßen ihr Set runter, daß ich mich geärgert habe, nicht bei den noch am Donnerstag abend zum Ramschpreis rausgehauenen Shirts zugeschlagen zu haben. Nach diesem denkwürdigen Auftritt schreit der Banger "LUJURIAAA! Offensichtlich hat es die Truppe in Spanien nicht gerade einfach, denn der Kerl pöbelte wohl permanent über die Presse rum, wie man mir anschließend berichtete. Kann das KIT gleich mit Zarpa zusammen einpacken. Leider war dann die Herrlichkeit vorbei. Denn eine der Bands, warum ich unbedingt runter mußte, waren LEIZE. Doch was die für ein Scheiß ablieferten, spottete jeder Beschreibung. Naja, es war Metal. Gut, nur höre ich mir die CDs an, dann ist das grandioser Power Metal in typischstem spanischen Stil. Und statt live noch einen draufzusetzen langweilten sie mit ödem Zeug dermaßen ab, daß mir die Galle hochstieg. Anschleißend gab es Tributo BANZAI/TRITÓN. Da war mir ja schon von vornherein klar, wird Grütze. Naja, BANZAI waren ja auch so eine Truppe, die ziemlich grandios waren. Nur standen die eben nicht auf der Bühne und TRITÓN waren und sind lauhwarm. Völlig klimpriges Lalala. Zeit, um Bier aus dem Supermarkt samt Eis heranzuschleppen und sich nach dem LEIZE-FRUST gleich 'n Eimer reinzuhauen. Immerhin blieb dafür nicht soviel Zeit, denn mit SARATOGA drängte schon der nächste Hochkaräter auf die Bühne. Jau, die enttäuschten nicht. Genau das was man von den Alben her kennt: Power Metal ohne Krimskrams. Volle Pulle präsentiert und damit mal locker das dritte Ausrufezeichen des Tages markiert. Fein, fein. Sollten ja noch mehrere folgen - dachte ich. Aber erstmal folgten die schwer angesagten LOS SUAVES. Schwer angesagt deshalb, weil mindestens die Hälfte der Besucher irgendein Shirt von denen am Leib hatte. Nun ja, war recht witzig, aber nicht unbedingt meine Welt. Muß man wahrscheinlich auch die Texte verstehen. Die nächsten, deren T-Shirts in Massen zur Shau getragen wurden, waren die recht neuen WARCRY. Was soll man sagen. Der erste Song knallte dermaßen rein, daß ich mich schon fast augenblicklich in einen WARCRY-Worshipper verwandeln wollte. Doch dan folgte das restliche Songmaterial und die Ernüchterung, das es sich um Kindergarten-Metal handelt. Wabernde Keyboards, Baby-Mitsing-Chorusse... Mit 'nem Bier in der Hand von weitem als Geräuschkulisse okay. Auch die darauf folgende Band versprach jetzt nicht wirklich aufregendes: NU. Eine alte Band, die eher Hardrock zelebriert und wo der Sänger einen auf Ian Anderson von JETHRO TULL macht - sprich, die Flöte spielt. Nur paßt die nicht wirklich in den Sound, der Sänger hat nicht mal die Hälfte der Ausstrahlung von Ian und überhaupt. Schwach mit ein paar netten Stellen. Wieder zu Hause fand ich doch tatsächlich ein altes Tape mit einem NU-Album. Und hey, das war gar nicht mal so schlecht. Da waren jede Menge ziemlich metallische Songs drauf. Das Festival hieß ja aber nicht "... del Metal" sondern eben "... del Rock" und warum sollte man dann zu hard agieren? Mir egal, die spanischen PANZER standen schon in den Startlöchern und das war die nächste Truppe mit Oberpflichtfaktor, die ganz weit oben auf der Liste der Gründe der Reise standen. Okay, das nächste Debakel. Doch während LEIZE noch durchaus metallisch agierten, spottete der Auftrit der einstigen klassischen Spanien-Metal-Heroen jeder Beschreibung. Der Herr faselte völlig geisteskrank die ganze Zeit über, sie wären ja keine Metal-Band sondern lediglich Rock und wie zur Unterstreichung spielte er mit Mundharmonika. Buäh, wörg! Der senile Alzheimer-Kandidat sollte sich mal ihr altes Material anhören! Wenn die Stumpfbacke dann immer noch meint, das wäre kein Metal... Aufhängen ist immer eine Lösung! Und so wartete man bei den 60 min das ein paar alte Highlights zum besten gegeben wurde, freute sich dann, daß man mal etwas mitgehen konnte und dachte bei sich, "die Songs haben sich auf der Platte aber auch besser angehört". Naja, was soll's. Kann ja nicht jeder alte Heroe versagen. Als nächstes standen nämlich OBUS auf dem Programm. eine der ultimativsten Bands von der iberischen Halbinsel neben BARON ROJO überhaupt. Und schwupp, immer wenn man sich auf eine alte Haudegen-Kombo freut, geht was schief. Ich weiß nicht, ob ich den PANZER-Gig nun mieser finden sollte oder das was OBUS dem geneigten Fan da als Auftritt unterjubeln wollte. Okay, die härtesten waren sie ja nie gewesen. Doch ein anhören der alten Alben würde mal auf die Sprünge helfen, wie ein ordentlicher Gig auszusehen hätte. Stattdessen übte man sich in bluesigen Improvisationen und walzte unbekannte, nichtssagende Songs endlos aus. Ey ihr alten Säcke! Das könnt ihr bei Euch in der Kneipe um die Ecke machen. Da wirft man dann auch ein paar Münzen ins Hütchen. Aber das ist ein Festival und da muß die Luft brennen! Wer dann mal am Ende ein paar Klassiker auspackt, hat eigentlich verloren. Gut, schön zu hören, mir war die Lust aber gründlich versaut. LEIZE scheiße, PANZER scheiße und nun OBUS ebenfalls scheiße... TEMPLARIO sollten eine neue, gute Band sein. Ich hatte um 4.30 Uhr (mit 15 min Überziehung PANZER und 15 OBUS) die Schnauze gestrichen voll und verpißte mich ins Zelt. Danke, nach SARATOGA hätte man zum Partymachen übergehen können.

 

11.8.

Nächste Nacht mit kaum Schlaf, diesmal wegen der Länge des Konzertes... Ich wunderte mich, daß ich dennoch halbwegs fit aus den Puschen kam. 12.25 Uhr stand ich schon wieder auf dem Platz und konnte kaum glauben, was ich da zu hören bekam. Was war das? ÁNGELUS APÁTRIDA zockten eine recht krude Mischung runter, die an Bay Area-Thrash mit Nu-Einflüssen erinnerte. Streckenweise - wenn die Bay Area voll durchschlug - war es mehr als okay. Der Höhepunkt war aber eine Coverversion (von den SUICIDAL?) bei denen der Veranstalter (auf dem Pic im weißen Shirt) höchstpersönlich auf die Bühne kam und völlig ausrastete. Doppelvocals und ein wild umherspringender, -bangender Chäffe... eine wahre Freude und Augenweide. Eine Band, die solch einen Frontman hat, der dann auch noch in diesem Stil einen kompletten Set durchhält, würde wohl der tierische Oberabräumer werden. Was danach angeboten wurde... Schwamm drüber. Nicht mal Wert, überhaupt die Namen zu erwähnen. Grenzte eher an Verarsche oder morgendliche Zeltplatz-Zähneputzbegleitung. Der nächste ernstzunehmende Act hieß BADANA. Die sind auch schon länger dabei, mir waren sie völlig unbekannt. Ein paar nette Songs, ein paar durchschnittliche... Ganz okay. Was nun folgte, war die indirekte PANZERschlacht. Gestern die Spanier, heute die Chilenen. Vom Alter her müßte es die gleiche Stufe sein. Nur die Latinobande machte ihrem Namen alle Ehre und gewann die Schlacht haushoch. Mann, Power und Spielfreude ohne Ende. Da tränten einem doch gleich die Augen. Das man sowas mal sehen kann. Nur richtig viel Besuchewr waren leider nicht daran interessiert. Das änderte sich bei der folgenden Band ein wenig. Es folgte eine umgekehrte Nummer wie den Tag zuvor. Von TIERRA SANTA hatte ich eigentlich aus irgendwelchen Gründen nicht so viel erwartet. Sie waren schlichtweg Klasse! Wahrscheinlich hatte sich deswegen das Publikum schlagartig vermehrt. Man kennt sich da unten offensichtlich gemeinhin zwar besser in Latainamerika aus als in Amimetal, dennoch scheinen PANZER (Chile) auch in Spanien eher ein Insidertip zu sein. Nun ja, zwei sehr gute Bands hintereinander, da wurde es Zeit für ein Päuschen, welches mit den 70er HRern von COZ genehmigt wurde. War jetzt nicht so schlecht, aber irgendwann mußte man ja auch mal ein paar andere Sächelchen erledigen: Bier aus dem Supermarkt zerren z.B. Sollte ja bei Paule kühl sein. SHERPA war früher bei BARON ROJO und so war es kein Wunder, daß unsereiner zwar nicht genau wußte was einen hier erwartete, die Besucher aber selbiges wohl. Es füllte sich wieder etwas mehr und Vergleiche zu seiner alten Band braucht der angegraute Herr nicht zu fürchten. Da hält er Solo locker gegen. War sicherlich überraschend, auch weil die ROJO-Sachen, die er zum Besten gab, besser kamen als später von ihnen selbst. Und dann kam der nächste Paukenschlag. Auch 'ne Band, die oben auf der Liste der Gründe stand: SOBREDOSIS. Ich betete innerlich, daß die nicht in der Zwischenzeit fünfzig Mal gegen eine Wand gerannt sein mögen und zwanzig Mal die Leiter herabgefallen, so daß sie geistige Schäden davon getragen hätten. Was soll ich sagen, SOBREDOSIS zeigten einfach mal locker, wie man seinen alten Sound herüberretten kann. Kruke wollte sogar erkannt haben, daß die Jungs heuer noch wesentlich mehr Power erzeugten als auf den original Alben. Soll ich jetzt extra erwähnen daß es demzufolge Klasse war? Was PAUL DI'ANNO dort verloren hatte, weiß ich zwar nicht, aber vielleicht reicht es, wenn man seinen Wohnsitz in spanisch sprechenden Gebieten hat oder mit einem spanisch sprechenden Girl verbandelt ist. Da MAIDEN eine der Top-Bands (neben PRIEST und RAMMSTEIN) sind, füllte sich der Platz sprunghaft an. Es war mehr als gute Stimmung die dem guten Paule da entgegenschwappte. Der knallte den Fans dann die erwatete Nahrung hin und alle waren glücklich. Ich konnte endlich mein langsam kaltes Bier aus dem Supermarkt anfangen und sah mir das Treiben von draußen an. Wenn man nicht Die Hard-Alken will, zieht sich so'n Liter ganz schön hin und Paule spielte ja nur 'ne Stunde. Abzüglich Fotograben, abzüglich zum Zelt tapern... Und BARON ROJO wollte ich nicht von außen sehen! Waren ganz okay. Wenigstens kein Reinfall wie am Tag zuvor OBUS. Doch auch die hätten sich mal was altes anhören sollen, ihre Live-Do. Die Songauswahl war nicht die beste und Power brachte die Band auch nicht richtig rüber. Wenn man die ein paar Mal gesehen hat, mag es egal sein, weil man 'nen Haken zieht und weiß, daß man sie schon besser gesehen hat, doch unsereiner begibt sich auf eine lange Reise um genau solche Bands zu sehen. Da hätte ich mir nach den Ausfällen des Vortages doch ein bißchen mehr erwartet. Schon allein um eine Entschädigung zu erhalten. Sei's drum, war nett. Die Argentinier RATA BLANCA sind ja auch ganz ordentlich. So recht der überbordende Fan bin ich von ihnen aber nicht. Das ist mir streckenweise ein wenig zu softig. Aber die Spanier müssen tierisch drauf stehen. Mittlerweile war die Hölle auf dem Gelände los und RATA BLANCA wurde gefeiert, als ob es der Headliner wäre. Naja, ein Slot um diese Zeit (22.10-23.25) war wohl auch sowas in der Art. Und die Jungs zockten dermaßen professionell den Set runter, daß ich zumindest sagen kann, live jederzeit wieder! Befand mich dennoch den größten Teil draußen auf meinem Lieblingsplatz, wo man fein sehen und hören konnte und Supermarktbierchen schlürfen. War aber auch der Lieblingsplatz von anderen... Aber stehen gelassen wird dort alles. Bier zumachen, stehen lassen, reingehen und später wiederkommen... das Bier steht noch genauso wie verlassen und ohne das daran rumgefummelt wurde. Keine Frage, sehr gute Manieren. Ich mag Euch! Auch wenn Kommunikationsversuche im Keim erstickten. Nach den Argentiniern dann Brasilianer: SEPULTURA. Elendes Rockstargehabe! Ewig lange die Meute warten lassen und die Fotografen kurz nach Beginn vertreiben (obwohl sonst fast jeder Band dies völlig schnuppe war). Dazu völlig mieses Licht, Nebel... Selbst der Blitz hat keine brauchbaren Fotos hervorzaubern können. Weshalb schlage ich mich durch die riesige Meute nach vorne? Hätte gleich weiter Bier trinken können. Denn eins war klar: Auch wenn SEPULTURA nach »Arise« für mich nichts sinnvolles mehr veröffentlicht haben, sehen wollte ich sie dennoch nach langer Zeit mal wieder. Und ja, kam ganz ordentlich. Glücklicherweise war es das dann gewesen. Zwar hätte ich ganz gerne mal kurz bei SAURON noch reingelauscht, aber die spielten erst um 4e und dazwischen waren zwei Rockbands: ROSENDO und THE PINK TONES. Brauchte ich nicht. Und da ich mit niemandem reden kann und Kumpel unbedingt pennen wollte, blieb mir auch nichts anderes übrig. Kurz vor Ende von SAURON wachte ich dann nochmal auf. Dachte da so, "wer zu Hölle spielt denn jetzt Kindermetal?", kramte die Uhr raus und siehe da, 4.45 Uhr, dann mußte es SAURON sein. Gut, kriegte ich noch was mit, bevor ich wieder wegdöste.

Und was spielt nächstes Jahr? Denn eines ist klar, wir wollen wieder hin. Und vielleicht bequemt sich der ein oder andere von Euch ja auch mal dahin. Sonne, Strand, Meer und Metal... Letzteres hat man bei sonstigem Strandurlaub nicht. Und locker ist es allemal, lockerer als bei so manchem Festival hierzulande. Auch wenn man an den Kontrollen knallhart ist und keine Getränke erlaubt.

Artikel + Fotos: Otger Jeske