Puh, als ich im Vorfeld davon erfihr, schlug das Herz bis zum Anschlag! Was da für einen alten Spanien-Metal-Freak alles aufgefahren wurde... Tja, wenn man die glorreichen alten Zeiten nicht dazu genutzt hatte, nach dem Süden zu tingeln, muß man eben heuer versäumtes nachholen. Auch wenn ich abkotzte, weil Südspanien im Sommer... Aber so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe, war es nicht. Das Festivalgelände war ein alter Campplatz am Strand und es wehte eine beständige Brise. Letztlich war es angenehmer als wenn bei uns ähnliche Temperaturen herrschen.
Die Anreise erwies sich auch als weniger problematisch. Nur die Ankündigung Puerto ist etwas irreführend. Mazarrón gliedert sich in die Stadt, ein paar Kilometer im Lande gelegen und den Hafen, der wiederum fast eine eigene Stadt bildet. Das Festivalgelände ist aber in Playa Bolnuevo, was noch mal ein kleines Stück weiter von Puerto entfernt ist. Es schließt sich im Grunde fast an die Strandstraße von Puerto an. Vom Zentrum ist es aber ein ganzes Stück entfernt. Und genau da war Busstation. Die nächste war dann Bolnuevo, was natürlich wesentlich besser ist. Naja, sinnlos Taxigeld geopfert. Beim nächsten Mal weiß man Bescheid.

Am Eröffnungstag ging es abends los. Sowas wie ein Warm up mit einigen lokalen Nachwuchsbands und als Headliner MEDINA AZAHARA. Letztere sind ja eigentlich nicht für den knalligen Metal bekannt, doch relativ eigenständig so daß man durchaus gespannt sein konnte. Von den lokalen Bands ENCHANTMENT (mit Sängerin, teilweise recht okay), NEVERLAND, SEALEN sowie DARK HEAVEN konnte eigentlich niemand richtig begeistern. Eröffnungsfutter eben. Zeit, sich die merkwürdigen Gepflogenheiten anzuschauen. Metal-Markt gab es in Kleinformat auf dem Gelände wie auch hier. Ein paar Tausend Besucher faßte das Gelände und gealkt wird ähnlich exzessiv wie bei uns. Nur das im Supermarkt die Pullen mit 1l recht groß ausfallen und auf dem Festivalgelände das Bier entweder in 0,2l-Bechern oder 0,75 (zu 5,-EUR) ausgeschenkt wird. Kaltes Bier aus teuren Hahn oder warmes aus dem Supermarkt? Die rüsteten später auch noch mit Eis auf, so daß man wenigstens kühlen konnte. Die Kontrollen am ersten Tag waren lax und so hieß es, unnötig Kohle ausgeben vermeiden. Außerdem saufen die Spanier da den ganzen Tag und die halbe Nacht gerne Calimocha (Cola mit Rotwein und Eis). Der Humpen kam aber ebenfalls 'n 5er. Nun ja, wenn man bedenkt, daß hier die Becher auch schon für 2,50 oder gar 3,- Ois über die Theke gehen... Bei 0,4. Mal 2 genommen. Manchmal sind's aber nur 0,3er... Trotzdem schreckt man erstmal zurück. Zumal man sich da erst Bons kaufen muß. Anstellen, Bons kaufen, anstellen, Getränke kaufen. Für Spanier kein Problem. Nur macht denen mal was klar, ohne spanisch zu können! Mit englisch haben die es da nicht so...
Und dann enterten MEDINA die Bühne und lieferten eine bombenstarke Show. Ziemlich präzise und in bester Spiellaune zeigte sich zum ersten Mal, daß das Festival langsam recht gut besucht sein mußte. Auch wenn noch die gesamte Nacht Neuankömmlinge eintrudelten. Vor der Bühne war es proppenvoll und die Stimmung ausgelassen. MEDINA haben da wohl einen ganz anderen Stellenwert als man so denken möchte...
So, und dann kam der erste Tag. Von 12.30 Uhr bis 5.00 Uhr morgens... Und keine wirkliche Ruhepause. Zu allem Unglück war auch kaum schlafen möglich. Ihr wißt, was auf einem Festivalzeltplatz in der Nacht los ist! Ohrstöpsel helfen? Nicht, wenn man mit ein paar geprellten Rippen anreist und vor Schmerzen eh kaum weiß, wie man pennen soll. Und dann noch eine geschwollene Hand, beim Klettern in den Felsen hinter dem Ort zugezogen... Aber ist ja meine Schuld!
Der Opener SEXTO
SENTIDO war so schnell vergessen, wie sie
gespielt haben. War nix, was man sich merken mußte. Und
natürlich hatten die meisten Spanier zu dieser Zeit anderes zu
tun als vor der Bühne rumlungern. Z.B. faul am nahegelegenen
Strand rumgammeln oder den örtlichen Supermarkt leertrinken. Als
zweites stürmten KATIE
KING die Bühne. Das war dann schon eher
etwas, was man sich im Hinterkopf behalten sollte. Guter Metal mit
teilweise hardrockigen Ausflügen, live allerdings recht
kraftvoll. Klar, ab zum Merchandise-Stand und gucken, ob CDs da
liegen. Gab welche. Aber die Preispolitik war dubios. Eine alte, die
neue sowie eine Mini sollten zusammen 18 kosten, so stand es
geschrieben. Bezahlen sollte man aber 20. Nicht mit mir! Später
wurde uns dann von der Band 'ne Promo in die Flossen gequetscht. So
kann man auch sparen!
ACEQUIA waren als
drittes dranne, bevor dann die alten
ACERO auf die
Bühne sollten. Ich kann mich nicht mal wirklich erinnern, was
das für Zeug war! ACERO dagegen waren okay. Die waren ja schon
aus der alten Garde der 80er Bands nicht gerade der
Überreißer gewesen und auch live gab es jetzt nicht
wirklich eine neue Erkenntnis. Nett. PEDRO
BOTERO streichen wir auch lieber, obwohl der
ein oder andere Song ebenfalls ganz nett war. Aber wer will schon
lausigen (Hard) Rock hören, wenn anschließend eine der
derzeit ultimativen Bands aus Spanien
spielen sollen?
ZARPA! Und die
ballerten dann auch gleich dermaßen einen rein, daß sie
locker ihre bärenstarken Releases bestätigen konnten. Da
waren 50 Minuten eindeutig sehr schnell vorbei. Ein heißer Tip
für's KIT. Wenn die schon SILVER FIST spielen lassen, sollten
die auch ZARPA ranlassen. Die würden auch hier für wildes
Vergnügen vor der Bühne sorgen! Apropos SILVER FIST. Die
kamen nach TAKO,
welche mit brauchbarem HR die Zwischenzeit überbrückten.
Nichts weltbewegendes aber okay. Tja, und zu
SILVER FIST braucht
man dann ja kaum noch was zu sagen. Die lieferten auch hier einen
guten Gig ab, der von den Bangern laustark mitgefeiert wurde. Die
nette Band hat offensichtlich einen leichten Stand
in
ihrer Heimat. Aber das war jetzt nur der Auftakt zum ultimativen
3er-Package, welches sich dann leider als nicht so ultimativ erwies.
Als nächste stürmten
LUJURIA die
Bühne. Der Frontmann war eine metallmäßige-optische
Augenweide und die Band zockte dermaßen ihr Set runter,
daß ich mich geärgert habe, nicht bei den noch am
Donnerstag abend zum Ramschpreis rausgehauenen Shirts zugeschlagen zu
haben. Nach diesem denkwürdigen Auftritt schreit der Banger
"LUJURIAAA! Offensichtlich hat es die Truppe in Spanien nicht gerade
einfach, denn der Kerl pöbelte wohl permanent über die
Presse rum, wie man mir anschließend berichtete. Kann das KIT
gleich mit Zarpa zusammen einpacken. Leider war dann die Herrlichkeit
vorbei. Denn eine der Bands, warum ich unbedingt runter mußte,
waren LEIZE. Doch was
die für ein Scheiß ablieferten, spottete jeder
Beschreibung. Naja, es war Metal. Gut, nur höre ich mir die CDs
an, dann ist das grandioser Power Metal in typischstem
spanischen Stil. Und statt
live noch einen draufzusetzen langweilten sie mit ödem Zeug
dermaßen ab, daß mir die Galle hochstieg.
Anschleißend gab es Tributo
BANZAI/TRITÓN. Da war mir ja schon von
vornherein klar, wird Grütze. Naja, BANZAI waren ja auch so eine
Truppe, die ziemlich grandios waren. Nur standen die eben nicht auf
der Bühne und TRITÓN waren und sind lauhwarm. Völlig
klimpriges Lalala. Zeit, um Bier aus dem Supermarkt samt Eis
heranzuschleppen und sich nach dem LEIZE-FRUST gleich 'n Eimer
reinzuhauen. Immerhin blieb dafür nicht soviel Zeit, denn mit
SARATOGA drängte
schon der nächste Hochkaräter auf die Bühne. Jau, die
enttäuschten nicht. Genau das was man von den Alben her kennt:
Power Metal ohne Krimskrams. Volle Pulle präsentiert und damit
mal locker das dritte Ausrufezeichen des Tages markiert. Fein, fein.
Sollten ja noch mehrere folgen - dachte ich. Aber erstmal folgten die
schwer angesagten LOS
SUAVES. Schwer angesagt deshalb, weil
mindestens die Hälfte der Besucher irgendein Shirt von denen am
Leib hatte. Nun ja, war recht witzig, aber nicht unbedingt meine
Welt. Muß man wahrscheinlich auch die Texte verstehen. Die
nächsten, deren T-Shirts in Massen zur Shau getragen wurden,
waren
die
recht neuen WARCRY.
Was soll man sagen. Der erste Song knallte dermaßen rein,
daß ich mich schon fast augenblicklich in einen
WARCRY-Worshipper verwandeln wollte. Doch dan folgte das restliche
Songmaterial und die Ernüchterung, das es sich um
Kindergarten-Metal handelt. Wabernde Keyboards,
Baby-Mitsing-Chorusse... Mit 'nem Bier in der Hand von weitem als
Geräuschkulisse okay. Auch die darauf folgende Band versprach
jetzt nicht wirklich aufregendes:
NU. Eine alte Band,
die eher Hardrock zelebriert und wo der Sänger einen auf Ian
Anderson von JETHRO TULL macht - sprich, die Flöte spielt. Nur
paßt die nicht wirklich in den Sound, der Sänger hat nicht
mal die Hälfte der Ausstrahlung von Ian und überhaupt.
Schwach mit ein paar netten Stellen. Wieder zu Hause fand ich doch
tatsächlich ein altes Tape mit einem NU-Album. Und hey, das war
gar nicht mal so schlecht. Da waren jede Menge ziemlich metallische
Songs drauf. Das Festival hieß ja aber nicht "... del Metal"
sondern eben "... del Rock" und warum sollte man dann zu hard
agieren? Mir egal,
die spanischen
PANZER standen schon
in den Startlöchern und das war die nächste Truppe mit
Oberpflichtfaktor, die ganz weit oben auf der Liste der Gründe
der Reise standen. Okay, das nächste Debakel. Doch während
LEIZE noch durchaus metallisch agierten, spottete der Auftrit der
einstigen klassischen Spanien-Metal-Heroen jeder Beschreibung. Der
Herr faselte völlig geisteskrank die ganze Zeit über, sie
wären ja keine Metal-Band sondern lediglich Rock und wie zur
Unterstreichung spielte er mit Mundharmonika. Buäh, wörg!
Der senile Alzheimer-Kandidat sollte sich mal ihr altes Material
anhören! Wenn die Stumpfbacke dann immer noch meint, das
wäre kein Metal... Aufhängen ist immer eine Lösung!
Und so wartete man bei den 60 min das ein paar alte Highlights zum
besten gegeben wurde, freute sich dann, daß man mal etwas
mitgehen konnte und dachte bei sich, "die Songs haben sich auf der
Platte aber auch besser angehört". Naja, was soll's. Kann ja
nicht jeder alte Heroe versagen.
Als nächstes standen nämlich
OBUS auf dem Programm.
eine der ultimativsten Bands von der iberischen Halbinsel neben BARON
ROJO überhaupt. Und schwupp, immer wenn man sich auf eine alte
Haudegen-Kombo freut, geht was schief. Ich weiß nicht, ob ich
den PANZER-Gig nun mieser finden sollte oder das was OBUS dem
geneigten Fan da als Auftritt unterjubeln wollte. Okay, die
härtesten waren sie ja nie gewesen. Doch ein anhören der
alten Alben würde mal auf die Sprünge helfen, wie ein
ordentlicher Gig auszusehen hätte. Stattdessen übte man
sich in bluesigen Improvisationen und walzte unbekannte,
nichtssagende Songs endlos aus. Ey ihr alten Säcke! Das
könnt ihr bei Euch in der Kneipe um die Ecke machen. Da wirft
man dann auch ein paar Münzen ins Hütchen. Aber das ist ein
Festival und da muß die Luft brennen! Wer dann mal am Ende ein
paar Klassiker auspackt, hat eigentlich verloren. Gut, schön zu
hören, mir war die Lust aber gründlich versaut. LEIZE
scheiße, PANZER scheiße und nun OBUS ebenfalls
scheiße...
TEMPLARIO sollten eine
neue, gute Band sein. Ich hatte um 4.30 Uhr (mit 15 min
Überziehung PANZER und 15 OBUS) die Schnauze gestrichen voll und
verpißte mich ins Zelt. Danke, nach SARATOGA hätte man zum
Partymachen übergehen können.
11.8.
Nächste Nacht mit kaum Schlaf, diesmal wegen der
Länge des Konzertes... Ich wunderte mich, daß ich dennoch
halbwegs fit aus den Puschen kam. 12.25 Uhr stand ich schon wieder
auf dem Platz und konnte kaum glauben, was ich da zu hören
bekam. Was war das? ÁNGELUS
APÁTRIDA zockten eine recht krude
Mischung runter, die an Bay Area-Thrash mit Nu-Einflüssen
erinnerte. Streckenweise - wenn die Bay Area voll durchschlug - war
es mehr als okay. Der Höhepunkt war aber eine Coverversion (von
den SUICIDAL?) bei denen der Veranstalter (auf dem Pic im
weißen Shirt) höchstpersönlich auf die Bühne kam
und völlig ausrastete. Doppelvocals und ein wild
umherspringender, -bangender Chäffe... eine wahre Freude und
Augenweide. Eine Band, die solch einen Frontman hat, der dann auch
noch in diesem Stil einen kompletten Set durchhält, würde
wohl der tierische Oberabräumer werden. Was danach angeboten
wurde... Schwamm drüber. Nicht mal Wert, überhaupt die
Namen zu erwähnen. Grenzte eher an Verarsche oder morgendliche
Zeltplatz-Zähneputzbegleitung. Der nächste ernstzunehmende
Act hieß BADANA.
Die sind auch schon länger dabei, mir waren sie völlig
unbekannt. Ein paar nette Songs, ein paar durchschnittliche... Ganz
okay. Was nun
folgte, war die indirekte
PANZERschlacht.
Gestern die Spanier, heute die Chilenen. Vom Alter her
müßte es die gleiche Stufe sein. Nur die Latinobande
machte ihrem Namen alle Ehre und gewann die Schlacht haushoch. Mann,
Power und Spielfreude ohne Ende. Da tränten einem doch gleich
die Augen. Das man sowas mal sehen kann. Nur richtig viel Besuchewr
waren leider nicht daran interessiert. Das änderte sich bei der
folgenden Band ein wenig. Es folgte eine umgekehrte Nummer wie den
Tag zuvor. Von TIERRA
SANTA hatte ich eigentlich aus irgendwelchen
Gründen nicht so viel erwartet. Sie waren schlichtweg Klasse!
Wahrscheinlich hatte sich deswegen das Publikum schlagartig vermehrt.
Man kennt sich da unten offensichtlich gemeinhin zwar besser in
Latainamerika aus als in Amimetal, dennoch scheinen PANZER (Chile)
auch in Spanien eher ein Insidertip zu sein. Nun ja, zwei sehr gute
Bands hintereinander, da wurde es Zeit für ein Päuschen,
welches mit den 70er
HRern von
COZ genehmigt wurde.
War jetzt nicht so schlecht, aber irgendwann mußte man ja auch
mal ein paar andere Sächelchen erledigen: Bier aus dem
Supermarkt zerren z.B. Sollte ja bei Paule kühl sein.
SHERPA war früher
bei BARON ROJO und so war es kein Wunder, daß unsereiner zwar
nicht genau wußte was einen hier erwartete, die Besucher aber
selbiges wohl. Es füllte sich wieder etwas mehr und Vergleiche
zu seiner alten Band braucht der angegraute Herr nicht zu
fürchten. Da hält er Solo locker gegen. War sicherlich
überraschend, auch weil die ROJO-Sachen, die er zum Besten gab,
besser kamen als später von ihnen selbst. Und dann kam der
nächste Paukenschlag. Auch 'ne Band, die oben auf der Liste der
Gründe stand:
SOBREDOSIS.
Ich betete innerlich, daß die nicht in der Zwischenzeit
fünfzig Mal gegen eine Wand gerannt sein mögen und zwanzig
Mal die Leiter herabgefallen, so daß sie geistige Schäden
davon getragen hätten. Was soll ich sagen, SOBREDOSIS zeigten
einfach mal locker, wie man seinen alten Sound herüberretten
kann. Kruke wollte sogar erkannt haben, daß die Jungs heuer
noch wesentlich mehr Power erzeugten als auf den original Alben. Soll
ich jetzt extra erwähnen daß es demzufolge Klasse war? Was
PAUL DI'ANNO dort
verloren hatte, weiß ich zwar nicht, aber vielleicht reicht es,
wenn man seinen Wohnsitz in spanisch sprechenden Gebieten hat oder
mit einem spanisch sprechenden Girl verbandelt ist. Da MAIDEN eine
der Top-Bands (neben PRIEST und RAMMSTEIN) sind, füllte sich der
Platz sprunghaft an. Es war mehr als gute Stimmung die dem guten
Paule da entgegenschwappte. Der knallte den Fans dann die erwatete
Nahrung hin und alle waren glücklich. Ich konnte endlich mein
langsam kaltes Bier aus dem Supermarkt anfangen und sah mir das
Treiben von draußen an. Wenn man nicht Die Hard-Alken will,
zieht sich so'n Liter ganz schön hin und Paule spielte ja nur
'ne Stunde. Abzüglich Fotograben, abzüglich zum Zelt
tapern...
Und
BARON ROJO wollte ich
nicht von außen sehen! Waren ganz okay. Wenigstens kein
Reinfall wie am Tag zuvor OBUS. Doch auch die hätten sich mal
was altes anhören sollen, ihre Live-Do. Die Songauswahl war
nicht die beste und Power brachte die Band auch nicht richtig
rüber. Wenn man die ein paar Mal gesehen hat, mag es egal sein,
weil man 'nen Haken zieht und weiß, daß man sie schon
besser gesehen hat, doch unsereiner begibt sich auf eine lange Reise
um genau solche Bands zu sehen. Da hätte ich mir nach den
Ausfällen des Vortages doch ein bißchen mehr erwartet.
Schon allein um eine Entschädigung zu erhalten. Sei's drum, war
nett. Die
Argentinier RATA
BLANCA sind ja auch ganz ordentlich. So recht
der überbordende Fan bin ich von ihnen aber nicht. Das ist mir
streckenweise ein wenig zu softig. Aber die Spanier müssen
tierisch drauf stehen. Mittlerweile war die Hölle auf dem
Gelände los und RATA BLANCA wurde gefeiert, als ob es der
Headliner wäre. Naja, ein Slot um diese Zeit (22.10-23.25) war
wohl auch sowas in der Art. Und die Jungs zockten dermaßen
professionell den Set runter, daß ich zumindest sagen kann,
live jederzeit wieder! Befand mich dennoch den größten
Teil draußen auf meinem Lieblingsplatz, wo man fein sehen und
hören konnte und Supermarktbierchen schlürfen. War aber
auch der Lieblingsplatz von anderen... Aber stehen gelassen wird dort
alles. Bier zumachen, stehen lassen, reingehen und später
wiederkommen... das Bier steht noch genauso wie verlassen und ohne
das daran rumgefummelt wurde. Keine Frage, sehr gute Manieren. Ich
mag Euch! Auch wenn Kommunikationsversuche im Keim erstickten. Nach
den Argentiniern dann Brasilianer:
SEPULTURA. Elendes
Rockstargehabe! Ewig lange die Meute warten lassen und die Fotografen
kurz nach Beginn vertreiben (obwohl sonst fast jeder Band dies
völlig schnuppe war). Dazu völlig mieses Licht, Nebel...
Selbst der Blitz hat keine brauchbaren Fotos hervorzaubern
können. Weshalb schlage ich mich durch die riesige Meute nach
vorne? Hätte gleich weiter Bier trinken können. Denn eins
war klar: Auch wenn SEPULTURA nach »Arise« für mich
nichts sinnvolles mehr veröffentlicht haben, sehen wollte ich
sie dennoch nach langer Zeit mal wieder. Und ja, kam ganz ordentlich.
Glücklicherweise war es das dann gewesen. Zwar
hätte ich ganz gerne mal kurz bei SAURON noch reingelauscht,
aber die spielten erst um 4e und dazwischen waren zwei Rockbands:
ROSENDO und
THE PINK TONES.
Brauchte ich nicht. Und da ich mit niemandem reden kann und Kumpel
unbedingt pennen wollte, blieb mir auch nichts anderes übrig.
Kurz vor Ende von SAURON wachte ich dann nochmal auf. Dachte da so,
"wer zu Hölle spielt denn jetzt Kindermetal?", kramte die Uhr
raus und siehe da, 4.45 Uhr, dann mußte es
SAURON sein. Gut,
kriegte ich noch was mit, bevor ich wieder wegdöste.
Und was spielt nächstes Jahr? Denn eines ist klar, wir wollen wieder hin. Und vielleicht bequemt sich der ein oder andere von Euch ja auch mal dahin. Sonne, Strand, Meer und Metal... Letzteres hat man bei sonstigem Strandurlaub nicht. Und locker ist es allemal, lockerer als bei so manchem Festival hierzulande. Auch wenn man an den Kontrollen knallhart ist und keine Getränke erlaubt.
Artikel + Fotos: Otger Jeske